Ein Praktikum im Land ohne Schatten : Johannes Bornholdt über seine Sabbatzeit in Namibia

Doris und Johannes Bornholdt zeigten Erinnerungsstücke und Souvenirs aus Afrika.
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Doris und Johannes Bornholdt zeigten Erinnerungsstücke und Souvenirs aus Afrika.

Reisebericht: Pastor Johannes Bornholdt von der Erlöserkirchengemeinde verbrachte zwei Monate seiner Sabbatzeit in Namibia.

shz.de von
21. März 2017, 13:00 Uhr

Uetersen | Der Dia-Vortrag von Pastor Johannes Bornholdt über seinen zweimonatigen Aufenthalt in Namibia hat rund 70 Zuhörer ins Gemeindezentrum der Erlöserkirche gelockt. Sie konnten viel über das Leben in dem südafrikanischen Land erfahren. Den September und Oktober 2016 verbrachte Pastor Bornholdt in Namibia, wo er ein Praktikum auf einer Farm absolvierte, die Hauptstadt Windhoek und die Trockenwüste Namib besuchte und gemeinsam mit seiner Frau Doris den Caprivizipfel und Botswana bereiste. Den vielen Besuchern seines Dia-Vortrags hatte der Pastor viele Erinnerungsstücke seiner Afrikareise zur Ansicht mitgebracht, darunter namibische Stachelschweinborsten und Perlhuhnfedern, Reiseführer und Fachbücher sowie südafrikanische Schnitzereien.

Um das Leben in Namibia kennenzulernen, absolvierte Bornholdt erst einmal ein Praktikum auf der Farm „Wronin“ der Familie Horenburg. Der Senior Götz Horenburg stammt aus Schleswig-Holstein, 1960 ist er nach Namibia ausgewandert und gründete dort seine 89 Quadratkilometer große Farm. „Namibia wird auch das ‚Land ohne Schatten‘ genannt, denn die Sonne steht meist senkrecht und die kleinen, trockenen Bäume bieten kaum Schatten“, erzählte Bornholdt. Benötige man hierzulande einen halben Hektar, um ein Rind durchzufüttern, so seien es dort 17 Hektar. Auf der Farm „Wronin“ gibt es daher, je nach Trockenheit, nur 300 bis 900 Rinder. Platz gibt es genug: „Namibia ist zweieinhalb Mal so groß wie Deutschland, hat aber nur die Einwohnerzahl von Hamburg“, erläuterte der Pastor. Doch die Weite hat auch Tücken: Mit dem Schuleintritt müssen die Kinder ins weit entfernte Internat in die Hauptstadt Windhoek.

Neben Dias von Land und Leuten zeigte Bornholdt auch Bilder, die den „Praktikanten Johannes“ beim Abbau eines Gewächshauses, dem Abladen von Steinen oder dem Bau einer Terrasse im Fischgrätenmuster zeigten. „Morgens waren es um die null Grad, im Laufe des Tages wurden es dann 35 bis 36 Grad Celsius, die ganze Zeit über hat es nur an zwei Tagen ein bisschen geregnet“, so der Reisende über die klimatischen Widrigkeiten.

Apartheid ist noch immer ein Thema

Wasser erhalten Mensch und Vieh über Bassins, windräderbetriebene Pumpen holen es aus dem Boden. Neben der Viehzucht ist auch der Jagdtourismus eine wichtige Einnahmequelle für die Familie Horenburg. „Sohn Martin ist Jagdführer. Die Farmer dürfen das Wild, das über ihr Land läuft, schießen, und die Menschen zahlen viel Geld dafür, um teilzunehmen“, so der Referent. Die Wildbestände hätten sich durch diese Praxis erholt, da die Farmer sich um viel Wild auf ihrem Land bemühten. Gegrillte Oryx-Antilope, so der Erfahrungsbericht, schmecke vorzüglich.

Der Alltag von Weißen und Schwarzen, erklärte der Pastor dem Publikum, ist in dem von Apartheid geplagten Land in der Regel noch getrennt. Von 1883 bis 1915 war hier eine deutsche Kolonie, bis 1990 stand das Land unter südafrikanischer Besetzung. Auf der Farm der Horenburgs leben viele schwarze Arbeiter, in eigenen Unterkünften, die zwar über Wasser und Strom verfügen, aber sonst sehr einfach sind. „Das einzige Mal, dass die Weißen und Schwarzen in ihrer Freizeit etwas gemeinsam gemacht haben, war der Erntedankgottesdienst“, erzählte Bornholdt. Dieser wurde in der farmeigenen Kapelle von weißen und schwarzen Pastoren gemeinsam abgehalten.

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