Inklusion : Jetzt kommen die Assistenten

Auf diese Nachricht haben viele Eltern gewartet: Die Schulbegleitung für Kinder mit einem besonderen Unterstützungsbedarf ist zumindest für das Schuljahr 2015/16 in ihrer bisherigen Form gesichert. Parallel dazu werden die ersten Schulassitenten eingearbeitet. Ein Jahr wollen sich Verwaltung und Politik im Kreis Pinneberg nun Zeit nehmen, die bestehenden Hilfsangebote zu überprüfen und gegebenenfalls neu zu strukturieren.

shz.de von
17. Juli 2015, 22:08 Uhr

„Es wird bei uns zu keinen Einbrüchen bei den Hilfsangeboten kommen“, versprach Christoph Helms, Fachdienstleiter Jugend und Soziale Dienste, gestern vor Journalisten. In den vergangenen Monaten hatten Meldungen, wonach viele Kreise mit der Einstellung der Schulassistenten zukünftig auf die Schulbegleiter verzichten wollen, für Verunsicherung gesorgt.

Diese Vorgehensweise, so Helms, sei nicht der Weg des Kreises Pinneberg. „Wir wollen ganz vorsichtig, in strategischer Art und Weise und mit kleinen Schritten die Schulassistenten integrieren und dann schauen, was aus ihnen herauszuholen ist“, sagte der Ressortchef. 1,5 Millionen Euro stellt das Land zur Verfügung, um alle Grundschulen im Kreis Pinneberg mit Assistenten zu versorgen. Das Bewerbungsverfahren läuft inzwischen und wird zentral von Kiel aus gesteuert. Schulrat Dirk Janssen bestätigte Informationen, wonach dem Schulamt bereits seit geraumer Zeit zahlreiche Initiativbewerbungen vorliegen. „Das Interesse ist groß“, sagte er.

Bei der Frage nach der Zukunft der Schulbegleiter arbeiten verschiedene Ämter und die Politik eng zusammen. Eine Arbeitsgruppe wird in den kommenden Monaten überprüfen, ob es sinnvoll ist, das Angebot der Schulassistenten und Schulbegleiter auf Dauer nebeneinander laufen zu lassen. Fachleute wie Schulrat Dirk Janssen und Jugendamtsleiter Christoph Helms bezweifeln das.

Helga Kell-Rossmann, Vorsitzendes des Jugendhilfeausschusses des Kreistages, lobte die amtsübergreifende Zusammenarbeit als einmalig im Land Schleswig-Holstein und sprach gestern von einem „besonderen Pinneberger Weg“. „Wir begrüßen das sehr“, sagte die SPD-Abgeordnete.

Der Pinneberger Weg wird auch im Land sehr aufmerksam verfolgt, ämterübergreifende Kooperationen sind noch immer eher die Ausnahme. Für Janssen und Helms ist sie im Hinblick auf das Ziel einer qualitativen Verbesserung der Hilfsangebote allerdings alternativlos. „Wir müssen bei unseren Entscheidungen im Sinne des Kindes denken, und das sehen wir als die gemeinsame Verantwortung aller Beteiligten“, begründete Janssen die enge Zusammenarbeit, die über Jahre gewachsen ist und sich nicht nur auf den Bereich der Inklusion bezieht. „Wir haben viel Erfahrung“, so Helms.

Hintergrund

Deutschland hat sich zur Umsetzung der UN-Konvention zur inklusiven Beschulung verpflichtet. Das bedeutet konkret: Zukünftig sollen behinderte und nichtbehinderte Kinder gemeinsam in der Regelschule unterrichtet werden.

Um auch Kindern, die einer besonderen Unterstützung im Alltag bedürfen, eine erfolgreiche Bildungslaufbahn zu ermöglichen, werden ihnen auf Antrag der Eltern Schulbegleiter zur Seite gestellt. Sie unterstützen das Kind oder den Jugendlichen, sorgen für die Strukturen, die sie brauchen, um am Unterricht teilnehmen zu können. Dazu gehört die Hilfe beim Umziehen oder bei Toilettengängen, bei der Orientierung auf dem Schulgelände oder beim Essen. Für körperlich und geistig behinderte Kinder ist bei Antragstellung das Sozialamt zuständig, für Kinder mit psycho-sozialen Defiziten dagegen das Jugendamt.

Schulassistenten unterstützen jeweils die gesamte Schule, sind nach Bedarf einsetzbar, sollen allerdings keinen Unterricht machen, auch nicht vertretungsweise. (cel)

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