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Uetersener Nachrichten

22. August 2017 | 19:29 Uhr

Weihnachten : Jesus sucht man bei den Menschen

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Gott wird Mensch, um uns Menschen nahe zu sein. Zum Trost und zur Hoffnung der ganzen Welt. Das ist der christliche Grund für Weihnachten.

Immer wieder neu können wir über Gottes Weg zu uns staunen. Er wird in einfache Verhältnisse in einer Provinz am Rande des Weltgeschehens hinein geboren. In einer überfüllten Unterkunft, in der es kein Kinderbett, keine Wiege gibt. Ein Futtertrog (Krippe) muss als erstes Bett herhalten.

Das klingt in der Weihnachtsgeschichte des Lukas schon so improvisiert wie es in diesem Jahr in vielen Flüchtlingsunterkünften bei uns zugeht.

Später, so erzählt es der andere Evangelist Matthäus, werden die Eltern mit dem Neugeborenen tatsächlich vor den Soldaten des Herodes fliehen müssen. In einem anderen Land finden sie Asyl. Das Gotteskind ist von Anfang an auf die Hilfe anderer angewiesen. Er hat Glück. Jesus überlebt und wächst in einer Familie auf. Er wird zum Mann, der friedfertig und barmherzig lebt. Er glaubt an die Macht vergebender Liebe.

Dennoch bleibt ihm nichts Menschliches fremd. Er durchlebt Größenwahn und Todesschwäche. Seine Geschichte endet katastrophal. Einer seiner Freunde verrät ihn, die anderen lassen ihn in der größten Gefahr im Stich. Selbst Gott scheint ihn verlassen zu haben. Wieder am Rande, draußen vor der Stadt wird er auf einer Müllkippe hingerichtet. Leiden und menschliche Dunkelheit verhüllen das Göttliche in ihm. Erst durch seine Auferstehung wird er ins Recht gesetzt. Seine Kraft wird in Schwachheit mächtig, seine Macht erwächst aus seiner Ohnmacht. Gott bekennt sich so in Fleisch und Blut zu uns als seinem Fleisch und Blut. Zu uns, die wir mal so großartig, schön, warmherzig, phantasievoll, einfühlsam, begabt zu vielem Guten sein können. Zu uns, die wir auch so kleingeistig, hässlich, ängstlich, undankbar, lieblos sein können, als würde es Gott mit seiner Güte nicht geben. Wir sind beides, mal mehr dies, mal mehr das. Auf alle Fälle unvollkommen. So findet uns Gott und liebt uns. Nicht weil wir etwas aus uns machen, sondern weil wir bei ihm schon immer wer sind. Sein Ebenbild. In einer Krippe in Bethlehem, in einfachsten Verhältnissen, hat es ihm gefallen zu uns Menschen zu kommen. In diese Welt zieht es ihn. Dorthin, wo wir sind wie wir sind und leben wie wir leben: nicht in eine Idealwelt, sondern in die wirkliche Welt. Mit all ihren Unzulänglichkeiten. Er geht selbst den Weg eines Menschen vom Anfang bis zum Ende. Mit der einfachen Geburt des Jesus weist er uns aneinander: Sucht mich bei den Menschen. Immer wieder will ich euch da nahe sein. Nicht in einem fernen Himmel. Auf der nahen Erde. Da liebt mich. Ihr werdet mich finden, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegend. Ich bin euch vor die Füße gelegt, als Gabe und Aufgabe. Schutzlos und als Flüchtling. Als Kind in Gefahr und als Alter ohne Fürsorge. Als Mann und als Frau. Einsam und in Gesellschaft. Als Kranker und als Sterbender. Als Hoffnungsloser und als Verzweifelter. Als Fremder und als Nachbar. Als Freund und als Feind. Als Streiter und Versöhner. So berühren sich Himmel und Erde: Gott wird Mensch. Ich wünsche Ihnen fröhliche und gesegnete Weihnachten. Ihr Propst Thomas Drope Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein

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von
erstellt am 23.Dez.2015 | 19:18 Uhr

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