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Konzert : Intensiv, schön, persönlich: Einmal Gregorianik und zurück

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Er muss unmittelbar hinter mir stehen. Am Ende der Kirchenbank sitzend höre ich seine Stimme über meinem Kopf. Immer wieder singt er auf demselben Ton ein Wort: „Sanctus“, „heilig“. Der leise Gesang umhüllt mich.

shz.de von
erstellt am 16.Apr.2012 | 21:17 Uhr

Wenige Meter weiter vorn hat sich neben einer Bank eine Sängerin aufgestellt. Ich sehe ihr Gesicht im Profil. Mit heller Sopranstimme singt sie behutsam „Kyrie“, „Herr“ in das Publikum hinein. Von dem gegenüberliegenden Flügel des Kirchenschiffs schallt ein „Benedictus“, „hochgelobt“, herüber. Mehrmals bahnt es sich seinen Weg durch einen dreidimensionalen Klangteppich aus sich überlagernden Stimmen an mein Ohr. Die 16 Sänger des Hamburger Vokal-Ensembles elbcanto haben die rund 250 Besucher der Uetersener Klosterkirche am Sonntag zum Abschluss ihres Konzertes umringt. Mit einer modernen Improvisation beendeten sie die intensive und schöne Aufführung einer Messe, die mit einem gregorianischen Gesang aus dem elften Jahrhundert begonnen hatte. „Von früh bis spät. 1000 Jahre Messe“ lautet das Programm, das die Musikstudierenden und -lehrer in der Reihe „Messe 2012“ des evangelischen Kirchenkreises Hamburg-West/Südholstein ohne Dirigent und Instrumente aufführten. „Sie bringen das mit, was diese Reihe ausmachen soll – 1000 Jahre Messvertonung“, sagte Eberhard Kneifel, Kirchenmusiker und Mitinitiator der Reihe.

Der Chor verband die traditionelle Liturgie mit einem Gang durch die Musikgeschichte. Er führte die Zuhörer 1000 Jahre zurück in die Vergangenheit und leitete sie Schritt für Schritt zurück in die Gegenwart. Damit gelang elbcanto das, was eine Aufgabe des Gottesdienstes ist: dem Besucher zu helfen, das Alltägliche mit Abstand zu betrachten und dadurch einen neuen Zugang zu seinem Leben zu finden.

Die Eigenarten der Musikepochen wurden deutlich. Zu Beginn stimmten die Männer auf der Empore einen ergreifenden, einstimmigen gregorianischen Choral an. Mit dem „Kyrie eleison“ wurde der Gesang mehrstimmig. Dem „Christe eleison“ lag die traurige Melodie eines weltlichen Soldatenliedes zugrunde. Die Melodiösität steigerte sich bis zu einem barock verschnörkelten „Gloria“. Es folgten die klaren Strukturen der Klassik im „Halleluja“ und Stücke, in denen das Ensemble als Doppelchor auftrat.

Bei dem improvisierten Entlassungsruf „Ite missa est“ umringten die Sänger das Kirchenschiff und nahmen die Zuhörer auch räumlich in das Gottesdienstgeschehen hinein. Jedes Chormitglied zitierte spontan Elemente aus dem Vorangegangenen. Es kam zum Ausdruck, dass jeder Zuhörer aus einem Gottesdienst etwas anderes mitnimmt.

Die Mai-Konzerte aus der Reihe „Messe 2012“ in der Klosterkirche: Chorknaben Uetersen und Concerto Elmshorn: Krönungsmesse von Mozart mit den, Sonnabend, 5. Mai, 19 Uhr; Adonai, Gospelchor Uetersen-Am Kloster: Bob Chilcott: A little Jazz Mass, Sonntag, 6. Mai, 10 Uhr; Vocalensemble Pinneberg: Orgelmesse von Francois Couperin, Sonntag, 13. Mai, 20 Uhr.

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