„Die Feldmuehle gehört zu Uetersen“ : Insolvente Papierfabrik Feldmühle: Zwischen Bangen und Hoffen

Das Eingangstor der Feldmuehle in Uetersen: Gestern herrschte dort angespannte Stille.
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Das Eingangstor der Feldmuehle in Uetersen: Am Freitag herrschte dort angespannte Stille.

Gewerkschaftsvertreter kündigt Prozessbegleitung an. Politiker fordern Einsatz für die Rettung.

shz.de von
29. Januar 2018, 12:30 Uhr

Uetersen | Die 420 Mitarbeiter der derzeit zahlungsunfähigen Feldmuehle sind am Freitag vom vorläufigen Insolvenzverwalter, Tjark Thies, und der Geschäftsleitung über das weitere Vorgehen unterrichtet worden. Nach Informationen von shz.de erläuterte Thies dabei unter anderem Hintergründe zum Insolvenzausfallgeld, das drei Monate lang gezahlt wird, und nahm Stellung zur wirtschaftlichen Situation des Unternehmens, insbesondere zur Entwicklung der jüngsten Zeit. Die Produktionsmengen seien deutlich gestiegen. Und das wirke sich positiv aus. Er habe auch einen positiven Eindruck von der Belegschaft, so Thies.

Auf Nachfrage von shz.de sagte Wolfgang Endling, Sekretär der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE), der während der Belegschaftsversammlung in Uetersen anwesend war: „Es sieht sehr positiv aus. Wir werden allerdings alles sehr genau beobachten, sowohl vom Betriebsrat aus als auch von der Gewerkschaft, und uns einbringen.“ Dabei strebe die IGBCE einen „konstruktiven Dialog“ an. „Ich habe der Belegschaft gesagt, dass wir weiterhin an einem Strang ziehen müssen. Jeder möchte bitte weiter so arbeiten wie bisher, sodass wir bei der Feldmuehle wieder in die Zukunft schauen können“, sagte der Gewerkschaftsvertreter.

Die Sorge der Feldmuehle-Mitarbeiter, ihre Zukunft betreffend, ist dennoch groß. So hat sich bei einem Uetersener Vermieter, der namentlich nicht genannt werden wollte, am Freitag ein Mieter gemeldet und darum gebeten, die Miete für den Monat Februar stunden zu können. Der bei der Feldmuehle Beschäftigte habe jetzt finanzielle Einbußen. Hinter den Kulissen wird bei der Feldmuehle weiterhin versucht, die Eröffnung der Insolvenz abzuwehren, also das Unternehmen während der kommenden drei Monate zukunftsfähig aufzustellen. Sollte das nicht alleine gelingen, sei eine Übernahme durch einen Investor denkbar.

Einen solchen gab es bereits 2014, damals noch zu Stora-Zeiten. Brigl & Bergmeister hieß das Unternehmen, zuhause in Österreich und Slowenien. Der Hersteller von Etiketten- und flexiblen Verpackungspapieren hatte die Feldmuehle bereits gekauft, doch dann versagte das deutsche Bundeskartellamt aus wettbewerbsrechtlichen Gründen einen Zusammenschluss. In Uetersen führte das damals zu Unverständnis. Die Entscheidung sei nicht nachvollziehbar und richte sich gegen die Interessen der Beschäftigten. Auch Brigl & Bergmeister bedauerten damals die Entscheidung der Wettbewerbshüter. Die Anfrage von shz.de, ob unter den Parametern der Insolvenz erneut ein Interesse am Kauf des Uetersener Unternehmens besteht, blieb gestern seitens Brigl & Bergmeister unbeantwortet.

Hölck und Ostmeier reagieren

Thomas Hölck, SPD-Landtagsabgeordneter und wirtschaftspolitischer Sprecher seiner Fraktion, hat die Nachricht, dass die Feldmuehle  einen Insolvenzantrag gestellt hat, mit „Bestürzung vernommen“. Auch wenn der Insolvenzverwalter darauf hinweise, dass der Geschäftsbetrieb uneingeschränkt weitergeführt wird, mache er sich Sorgen um die Arbeitsplätze, um die betroffenen Arbeitnehmer und ihre Familien.

Die wichtigste Nachricht für den Sozialdemokraten sei, dass die Gehälter bis Ende März weitergezahlt werden. Der SPD-Politiker appelliert an den Insolvenzverwalter und an die Geschäftspartner der Feldmuehle, alles in ihrer Macht Stehende zu unternehmen, um die wirtschaftliche Sanierung des Unternehmens voranzutreiben, damit die Feldmühle als wichtiger Arbeitgeber in der Region erhalten bleibt. Hölck hat seine politische Unterstützung zugesagt, will aber auch den Kontakt zum Betriebsrat suchen. Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) wurde von ihm um Unterstützung gebeten.

Parlamentskollegin Barbara Ostmeier von der CDU-Fraktion äußerte sich  gestern wie folgt: „Ich  hoffe, dass die Sanierung erfolgreich  verläuft. Jetzt muss der Bund in  die Pflicht genommen werden, die Beschiffbarkeit der Pinnau schnellstmöglich herzustellen.“ Die Feldmuehle kann seit Monaten  nicht mehr per Binnenschiff erreicht werden.

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