95 Prozent der Arbeitsplätze erhalten : Insolvente Papierfabrik: Die Feldmuehle Uetersen ist saniert

Eine Tochtergesellschaft von der Firma Kairos Industries übernimmt die Papierfabrik.

Eine Tochtergesellschaft von der Firma Kairos Industries übernimmt die Papierfabrik.

Für die Übertragung wurde eine neue GmbH gegründet. Die Belegschaft verzichtet bis Ende 2019 auf zehn Prozent des Gehalts.

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15. Juni 2018, 17:20 Uhr

Uetersen | Die insolvente Papierfabrik Feldmuehle in Uetersen (Kreis Pinneberg) ist laut einer Mitteilung von Freitagnachmittag erfolgreich saniert. Das teilt die beauftragte Kommunikationsagentur „das AMT“ im Auftrag der Papierfabrik mit.

Am 1. April diesen Jahres ist das Insolvenzverfahren über das Vermögen des Feldmuehle Uetersen GmbH eröffnet worden, nachdem die drei Monate andauernde Übergangszeit der vorläufigen Insolvenz abgelaufen war. Zuletzt war im Mai bekannt geworden, dass die Feldmuehle verkauft worden ist. Jetzt gibt es weitere Details.

Neue GmbH gegründet

Mit Wirkung zum 15. Juni 2018 soll die Fabrik sanierend auf eine Tochtergesellschaft der Berliner Beteiligungsgesellschaft Kairos Industries AG übertragen und von dieser vollumfänglich fortgeführt werden. Die Gesellschaft „Feldmuehle GmbH“ wurde eigens für die Übertragung gegründet, heißt es in der Mitteilung.

Und weiter: Durch die Sanierung könnten 95 Prozent der Arbeitsplätze erhalten werden. Was mit den restlichen fünf Prozent der etwa 420 Arbeitnehmer passiert, dazu gibt es derzeit keine Auskunft von der Kommunikationsagentur. Der Insolvenzverwalter und Sanierungsexperte Dr. Tjark Thies von der Hamburger Kanzlei Reimer Rechtsanwälte hatte im Mai einen Übernahmevertrag mit Kairos abgeschlossen. Diese Vereinbarung stand unter mehreren Bedingungen – sie seien in dieser Woche erfüllt worden.

Insolvenzverwalter Dr. Tjark Thies von der Kanzlei Reiner Rechtsanwälte.
Reimer Rechtsanwälte

Insolvenzverwalter Dr. Tjark Thies von der Kanzlei Reiner Rechtsanwälte.

Mitarbeiter verzichten auf zehn Prozent des Gehalts

„Dass diese Sanierung erfolgreich gelungen ist, ist vor allem dem Engagement, der Flexibilität und dem Entgegenkommen der Feldmuehle-Belegschaft zu verdanken“, sagt Thies. Ende Mai 2018 hatte der Feldmuehle Betriebsrat einem zehnprozentigen Gehaltsverzicht der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bis zum 31. Dezember 2019 zugestimmt. Und damit zur Finanzierbarkeit der Übernahme beigetragen. „Ein derart konstruktives und verantwortungsvolles Verhalten ist auch in Insolvenzverfahren keine Selbstverständlichkeit“, so Thies.

Die Kairos Industries AG gilt LS Spezialist für die Übernahme und operative Begleitung von deutschen Mittelständlern in Sondersituationen, sowie von Konzernrandaktivitäten und Geschäftseinheiten mit Ertragssteigerungspotenzial. Sie wurde in der aktuellen Transaktion unterstützt durch Rechtsanwälte der Kanzlei Morrison & Foerster LLP und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Crowe Kleeberg  aus München. Laut Mitteilung ist die Übernahme der Feldmuehle auf ein langfristiges unternehmerisches Engagement ausgerichtet, die bereits Ende 2017 begonnene strategische Neuausrichtung werde fortgeführt.

Feldmühle: Ein Unternehmen mit Tradition seit 1904
  • Seit 1904 wird in Uetersen Papier gemacht.
  • 1990 übernahm der schwedische Papierkonzern Stora die insgesamt sieben deutschen Feldmuehle-Fabriken.
  • Als Stora 1998 mit der finnischen Enso-Gruppe fusionierte, gehörte das Werk in Uetersen zur Stora Enso Fine Paper Division.
  • 2015 hat die Stora den finnisch-schwedischen Konzern an den Europäischen Private Equity-Fonds Perusa aus München verkauft. Die Ära der neuen Selbstständigkeit begann. Viel Zuversicht schwang damals mit, die Verlustzone schon bald verlassen zu können − auch als die Perusa sich von dem Uetersener Betrieb getrennt hatte und zwei Manager das Heft des Handelns übernahmen.

Das 1904 gegründete Traditionsunternehmen Feldmuehle stellt jährlich rund 250.000 Tonnen Papier her und hatte am 24. Januar 2018 beim Amtsgericht Pinneberg einen Insolvenzantrag gestellt.

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