Brisanz : In Uetersen fehlen weiterhin zwei Polizisten

Anfang des Jahres war Polizeistationsleiter Frank Lassen nich recht zuversichtlich, bald wieder mehr Fußstreifen durch Uetersens Straßen patroullieren lassen zu können. Inzwischen ist aber auch bei ihm Ernüchterung eingekehrt. Bei der Polizeistation muss weiterhin mit einer Unterdeckung von zehn Prozent gearbeitet werden.

shz.de von
17. Juli 2012, 20:55 Uhr

Von den am 1. August ins Land „entlassenen“ neuen Polizeikommissaren (gehobener Dienst) bekommt Uetersen keinen einzigen Beamten ab, das sagte Lassen auf UeNa-Nachfrage. Mangel ist aber Programm bei der Polizei in Schleswig-Holstein, denn Uetersen befindet sich in „guter“ Gesellschaft. Auch in Tornesch und Wedel ist Soll nicht gleich Ist. In Uetersen fehlen zwei Polizisten, 22 sollen es sein, 20 sind es aber nur. Und das seit Jahren. Wie sieht es aus mit dem mittleren Dienst? Die verlassen die Polizeischule im Oktober. Auch hier Fehlanzeige. „Schade, dass ich das, was ich Anfang des Jahres versprochen habe, dass wir uns auch einmal am Tage in der Fußgängerzone sehen lassen, insbesondere während der Urlaubszeit nicht realisieren kann“, sagte Lassen. Die tägliche Routine, der sogenannte Reaktionsdienst, habe Vorrang. Und dann gibt es noch die vielen Sondereinsätze, zu denen auch Uetersener Polizisten anrücken müssen (Rockerrazzien, Demonstrationen, Großveranstaltungen). Der Kontakt zum Bürger bleibt auf der Strecke. Das Dilemma ist Reimer Kahlke, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Regionalgruppe Segeberg/Pinneberg, schon lange ein Dorn im Auge. „Ich empfinde das als schlimm. Wir haben in der gesamten Polizeidirektion Segeberg einen Bedarf von 46 Leuten und bekommen für beide Kreise, also Pinneberg und Segeberg, nur 29 Kräfte.“ Besonders prekär sei, dass es sich bei der Polizeidirektion (PD) Segeberg um eine sehr junge Direktion handele. „Da fallen viele Kolleginnen aus, die in die Familienpause gehen. Wir haben zwar genug Polizisten, aber die sind in Elternzeit. Vom Land werden die nicht ersetzt“, so der Gewerkschaftler.

Das Land habe viel zu lange viel zu wenig Polizeischüler ausgebildet. Somit werde die Misere mindestens noch bis 2015 anhalten. Kahlke sagte, dass von diesem Jahr an verstärkt ausgebildet werden soll. In drei Jahren sei dann mit einer Besserung der Situation zu rechnen. „Vorausgesetzt wir finden genug Bewerber.“ Denn das sei auch noch ein Problem.

So wird derzeit einzig der Mangel gerecht auf alle Dienststellen verteilt. Insbesondere während der Urlaubszeit komme es zu hohen Belastungen der Polizisten. „Ich bin traurig darüber, mal sehen, was die neue Landesregierung schafft“, so das Fazit von Reimer Kahlke.

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