Schleswig-Holstein Musik Festival : In die Herzen eingedrungen

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Das Publikum im Haseldorfer Rinderstall hat sie ganz einfach ins Herz geschlossen, die drei Musiker vom David Orlowsky Trio. Zum einen natürlich wegen der berührenden Klezmer Stücke, dieser jiddischen Volksmusik, die so tief unter die Haut und in die Beine dringt – still sitzen ist kaum möglich. Zum anderen wegen dieser ansteckenden Freude, mit der David Orlowsky (Klarinette), Jens-Uwe Popp (Gitarre) und Florian Dohrmann (Kontrabass) ihr Schleswig-Holstein Musik Festival Konzert gestalten, sie halten mit ihren Instrumenten und der offenen Moderation nicht mit den eigenen Emotionen hinter dem Berg, vermitteln mit meisterlichem Können und Begeisterung so viel Einfühlungsvermögen, dass die Menschen im voll besetzten Rinderstall ganz einfach mit- und hingerissen waren.

shz.de von
28. Juli 2015, 20:45 Uhr

Die drei Sahneschnittchen und Schwiegermutter-Träume hatten schon vor kurzer Zeit beim Haseldorfer Publikum ganz schwer gepunktet, als sie zusammen mit Nils Landgren (Posaune) und Alice Sara Ott (Klavier) für den ganz plötzlich erkrankten Percussion-Künstler Martin Grubinger einsprangen und so überzeugten, dass ganz, ganz viele aus dem Publikum versprachen, zu ihrem eigentlichen Konzert wieder zu kommen. Und die wurden nicht enttäuscht, genau wie die, die davon gehört hatten, dass die Musik des Trios so emotional aufwühlt und deshalb gekommen waren.

Da ist David Orlowsky mit seiner Klarinette: Er schmeichelt sich mit samtweichen Tönen ein, die Klarinette erzählt, lacht, trauert, ist geschwätzig, schnattert, er tanzt mit ihr, hüpft, schmust mit den Zuhörern. Sinnlich, erotisch, mal aufgeregt, mal nachdenklich. Vereinigt die uralte Tradition geistlicher jüdischer Musik mit Tänzen aus dem Volk, mit spanischer, arabischer Musik und Gypsie-Klängen, die jüdische Auswanderer aus der Ukraine in New York als Weltmusik etablierten.

Die drei kommunizieren miteinander, eine ganz, ganz feine Gitarre vom Schleswig-Holsteiner Jens- Uwe Popp, ein virtuoser Kontrabassist Florian Dohrmann und der nahezu geniale Klarinettist David Orlowsky mit seinen atemberaubenden Griffen und Läufen, die so schnell sein können, dass der Blick ihnen kaum folgen kann.

Alles ohne Noten, improvisiert, von ehemals berühmten Klezmer-Interpreten geschaffen oder vom Trio überarbeitet oder selbst komponiert.

Die Haseldorfer Gäste haben sie gefeiert, die drei: Ganz großer Applaus, standing ovations, zwei ausführliche Zugaben.

Beim anschließenden Empfang im rustikalen Künstlertreff, zu dem der Haseldorfer Hof-Koch Florian Ehlers und seine Frau Vivi leckere Lachsforelle auf Gemüse im Backpapier gegart hatten, zeigte sich, dass die Drei auch ganz privat sympathische Menschen sind. Begeistert entdeckte SHMF-Vorzeige-Gastgeber Udo Prinz von Schoenaich-Carolath-Schilden deren Zuneigung zum guten Whisky und packte daraufhin ein paar „Schätzchen“ aus seinen Vorräten zum Probieren aus. Und alle vier versicherten, ein guter Whisky sei vor allen Dingen eine „hervorragende Medizin“ die bei vielem helfe. Sie haben sich genüsslich helfen lassen.

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