Jugendarbeitslosigkeit : In der Grauzone aufräumen

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Bündnis 90/Die Grünen drängt auf die Einführung effektiverer Arbeitsmarktinstrumente, um zukünftig noch mehr Jugendliche in die Jobs zu bringen.

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06. Januar 2015, 21:16 Uhr

Hintergrund sind neueste Zahlen, wonach in Schleswig-Holstein jährlich etwa 6000 Schulabgänger in Quaifizierungs- und Berufsbildungsmaßnahmen hängen bleiben, ohne den Schritt in ein reguläres Ausbildungsverhältnis zu schaffen. Experten zufolge sind es im Kreis Pinneberg ein paar Hundert.

„Das sind vor allem angesichts des drohenden Fachkräftemangels viel zu viele“, sagte Grünen-Landtagsabgeordnete Ines Strehlau gestern bei einem Besuch in der Elmshorner Arbeitsagentur. Qualifizierungsmaßnahmen zwischen Schule und Ausbildungsplatz - für den Elmshorner Arbeitsagentur-Geschäftsführer Thomas Kenntemich war das mal ein geeignetes Instrument, die Jugendliche von der Straße zu holen, ist es inzwischen aber nicht mehr. „In Zeiten der Massenarbeitslosigkeit konnte das System gar nicht alle Schüler aufnehmen. Da brauchten wir Zwischenlösungen“, sagte er.

Heute sei die Situation eine andere, entsprechend müssten andere Lösungen gefunden und Hilfen angeboten werden. Richten soll es nun eine neue Kooperation zwischen Jobcentern, Arbeitsagenturen, berufsbildenden und allgemeinbildenden Schulen sowie Jugendämtern. Geplant sind etwa lokale Sprechstunden für Schulabgänger, während der alle Stellen Ansprechpartner stellen.

Jugendberufsagentur nennt sich das Projekt, für das Land und Kommunen derzeit an einem Konzept feilen. „Bislang gab es viele gut gemeinte Aktivitäten nebeneinander“, so Kenntemich. Jetzt gehe es darum, sich zu vernetzen, möglichst auf lokaler Ebene und vor allem darum, präventiv tätig zu werden.

„Wir sind dabei, die Elternarbeit auszubauen und die Lehrer einzubeziehen, um niederschwellig arbeiten zu können.“ Ziel ist es, einen Schüler frühzeitig anzusprechen, wenn absehbar ist, dass er für eine Eingliederung in die Berufswelt Begleitung und Unterstützung braucht.

Voraussichtlich zum kommenden Schuljahr werden die ersten Jugendberufsagenturen ihre Arbeit aufnehmen, ohne dass dafür neue Stellen oder gar eine neue Anlaufstelle geschaffen werden müssten. Für Bundestagsabgeordnete Valerie Wilms ist das der Zeitpunkt, an dem die Politik sich aus der Regulierung des Arbeitsmarktes zurückziehen und die Arbeit den Agenturen überlassen sollte.

„Wir haben immer neue Projekte aufgelegt und damit viel Geld verbrannt, ohne dass es etwas genutzt hätte. Zukünftig muss die Politik die Zusammenarbeit mit den Arbeitsagenturen nur über Ziele definieren“, sagte sie. Sie sei für mehr Selbstständigkeit.

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