zur Navigation springen

Ökumenisches Theater in der Kirche : Image-Kampagne für den Verräter

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Wer war Judas? Gemäß der Bibel der Verräter, der verantwortlich für die Gefangennahme Jesu war. Und mittelbar für dessen Tod am Kreuz. Judas, das Synonym für Verderbtheit, Verrat und Schuld, der Jünger, der schwärzer als schwarz geworden ist, weil alle anderen die Schuld am Tode des Messias an ihm abladen konnten, hat keine Chance. Er ist und bleibt der schlechteste Mensch aller Zeiten.

shz.de von
erstellt am 20.Mär.2015 | 17:19 Uhr

Doch ist es richtig, die Hände in Unschuld zu waschen, wie es zunächst Pilatus tat und später so manch’ anderer?

Schaut man in die Apokryphen – das sind Schriften, die keinen Eingang in die Bücher der Bibel gefunden haben – dann stößt man auch auf das so genannte Judas-Evangelium. Kernaussage dieses ist, dass Judas der beste Freund Jesu war und mehr Erkenntnis besaß als alle anderen Jünger. Jesus habe deshalb Judas beauftragt, ihn um des Heils willen zu verraten. Denn erst durch den Verrat habe Jesus seine leibliche Hülle verlassen und in das wahre göttliche Reich zurückkehren können. Judas habe Jesus daraufhin gefragt, was sein Lohn für den Verrat sei, und Jesus habe ihm sehr offen geantwortet, dass die ganze Welt ihn auf ewig hassen und verdammen werde, er aber als Erleuchteter ebenfalls in das wahre göttliche Reich eingehen werde.

Nun streiten sich die Gelehrten, ob es sich bei dieser Schrift, die aus dem 2. Jahrhundert nach Christus stammen soll, um einen Übersetzungsfehler handelt, dennoch wirft sie ein ganz neues Licht auf die Figur des Judas.

Wie wäre es da, eine Geschichte aus Sicht des Judas zu schreiben, eine Story, die die Teilhabe an dessen Leben ermöglicht?

Das dachte sich wohl auch die flämische Autorin Lot Vekemans (50), die ein solches Werk 2000 Jahre nach der großen Tragödie, ohne die es aber das Christentum nicht gäbe, geschaffen hat. Ihr Theaterstück ist ein Augenzeugenbericht, eine Verteidigungsrede, eine Image-Kampagne aber auch ein Eingeständnis von Judas selbst.

„Judas“ kann erleben, wer am 29. März um 16 Uhr in die Klosterkirche kommt. Dort wird der Schauspieler Hartmut Lange, 1956 in Köln geboren, Lot Vekemans’ Werk aufführen – als dramatischen Monolog.

Pastor Joachim Gorsolke freut sich auf die Begegnung mit dem freischaffenden Künstler und auf die Inszenierung des „Judas“. Der Eintritt zu diesem Theater in der Kirche kostet acht Euro. Schüler bezahlen fünf Euro. Karten gibt es an der Abendkasse.

Wer sich inhaltlich vorbereiten und mehr über den Schauspieler erfahren möchte, schaue ins Internet oder in den aktuellen Gemeindebrief der Kirchengemeinden „Am Kloster“ und „Erlöser“. „www.hartmut-lange.de“, „www.kirche-hamburg.de“.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert