Piano-Abend : Im Rausch des Boogie Woogie

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Es waren gut 80 Fans flotter Boogie-Woogie-Rhythmen, die sich am Freitagabend in der Museumsscheune von Langes Tannen versammelt hatten, um dem neuen Programm von Pianist Michel Rausch (Boogiedoctor) zu lauschen. „Tulpenboogie“ hatte der gebürtige Holländer den Abend genannt, an dem neben verschiedenen Boogie-Woogie-Stücken auch Filmmusik erklang.

shz.de von
08. Februar 2015, 19:03 Uhr

Alles Gute kommt aus Holland, begann Rausch den Vortragsabend. Dass das nicht zu einhundert Prozent stimmte, merkte das fachlich kompetente Publikum schnell. Immerhin entstand der Boogie-Woogie nicht bei unserem Nachbarn, dieser Solo-Klavierstil entwickelte sich im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts in den USA. Spieltechnisch stellt der Boogie-Woogie den rollenden Bässen der linken Hand melodische, ebenfalls bluesorientierte Off-Beat-Figuren der rechten Hand entgegen, die von Trillern und Tremoli durchsetzt werden. Das Tempo ist im Vergleich zum Blues erheblich höher und erfordert einige technische Fähigkeiten, was Rausch am Klavier bemerkenswert umzusetzen verstand.

Mitgebracht hatte der Hamburger seine Lowrey-Orgel. Es ist eine nach ihrem Erfinder, dem Chicagoer Industriellen Frederick Lowrey, benannte elektronische Orgel. Sie unterscheidet sich von der Hammond-Orgel vor allem durch die Verwendung von Funktionen für automatische Begleitung.

Warum erklang neben dem Piano auch diese Orgel? Beide Instrumente waren als musikalische Ausdrucksformen zur selben Zeit in Mode. Der Abend mit Pause verlief kurzweilig. Ob Fußball, Wohnwagen oder Drogen: Rausch räumte mit Witz, Charme und Holzschuhen die weitverbreiteten Vorurteile aus dem Wege. Natürlich wurde der Pianist, 1969 in Amsterdam geboren, nicht ohne Zugabe von der Bühne gelassen.

Vor, während und nach dem Konzert verwöhnte das Team von Manuela Fritz (Inhaberin des Cafés Langes Mühle) mit Getränken und Brezeln.

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