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Uetersener Nachrichten

17. Oktober 2017 | 04:50 Uhr

Pogrom : Im Gedächtnis behalten

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Den 75. Jahrestag der Reichspogromnacht nimmt der Förderverein gegen das Vergessen e.V. zum Anlass, um ein seit gut zwei Jahren verfolgtes Projekt zu präsentieren: Am Sonnabend, dem 9. November, schalten die Mitglieder die Homepage „www.spurensuche-kreis-pinneberg.de“ im Rahmen einer Feierstunde im „Weißen Haus“, dem Magistratssaal des Elmshorner Rathauses, frei. Das Besondere an dem Webportal ist, dass sich Interessierte nicht nur informieren, sondern Wikipedia-gleich auch selbst einbringen können. Historiker, Menschen, die sich für die Geschichte ihrer Heimatstadt interessieren, sowie Schülerinnen und Schüler sind aufgerufen, sich über ein Log-in an der Spurensuche zu beteiligen und den Teil der Geschichte, der sich zwischen 1933 und 1945 abgespielt hat, für nachfolgende Generationen lebendig zu erhalten.

shz.de von
erstellt am 29.Okt.2013 | 22:20 Uhr

Hintergrund der Initiative, die sich an einer bundesweit erstmalig in Bremen realisierten Idee orientiert, ist die schülergenerationen-übergreifende Erkenntnis, dass Geschichte trocken sein kann. Erst Namen und Orte verwandeln Abstraktes in konkrete Vorstellungen und Mitempfinden. Was ist in meiner Nachbarschaft passiert? Welche Auswirkungen hatte die NS-Zeit auf die Menschen in Elmshorn, Uetersen, Tornesch oder Quickborn? Wer leistete Widerstand und zeigte Zivilcourage? Wer war Mitläufer, wer Täter?

„Auf spurensuche-kreis-pinneberg.de entsteht ein kollektives Gedächtnis für kommende Generationen“, sagte Erhard Vogt, Initiator der Uetersener SPD-Geschichtswerkstatt und einer der Vorstandsmitglieder des Fördervereins. Er hat erste Spuren für Uetersen angelegt. Wer auf der Landkarte der Homepage die Stadt anvisiert, stößt auf Stolpersteine, die an in der NS-Zeit getötete jüdische Mitbürger erinnern, und auf die Lage von Zwangsarbeiterlagern.

Annette Schlapkohl, Leiterin des Stadtarchivs Tornesch, erinnert unter anderem an Anna Thielemann und Elisabeth Ruhmann, die Zivilcourage bewiesen, indem sie Zwangsarbeiterinnen und Juden schützten, die Tornescher Hitler-Eiche und das Anzünden eines jüdischen Wochenendhauses in der damaligen Gemeinde.

Mitwirkende des Fördervereins Spurensuche sind ferner unter anderem Rudi Arendt und Harald Kirschninck aus Elmshorn, Jörg Penning und Enno Hasbargen vom Verein Selbstbewusstes Quickborn, Michael Plata vom Ortsarchiv Horst sowie Astrid Friederichs von der Insel Helgoland. Mithilfe von Sponsoren und Projektpartnern wie der Initiative Selbstbewusstes Quickborn (ISQ), dem Arbeitskreis zur Erforschung des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein (AKENS), der Gewerkschaft verd.i, der VR-Bank Pinneberg, der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN/BdA)/ Kreisvereinigung Pinneberg sowie der Landeskoordinationsstelle gegen Rechtsextremismus beim Innenministerium Schleswig-Holstein konnten ein Webmaster und der Druck eines Flyers bezahlt werden. Der Flyer mit dem Titel „Spurensuche im Kreis Pinneberg und Umgebung“ ist in einer Auflage von 10000 Exemplaren erschienen und liegt jetzt aus.

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