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Uetersener Nachrichten

15. Dezember 2017 | 11:50 Uhr

Magische Momente : Im Dialog mit vier Musikern

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Vor diesen Talenten muss man in Demut den Hut ziehen! Im Rahmen der Konzertreihe „appen classics“ trafen sich vier Musiker zu einem vielschichtigen Dialog: dem ihrer Instrumente, dem zwischen Künstlern und atemlos lauschendem Publikum, dem zwischen Melodie und Lyrik. Charles-Antoine Duflot (Violoncello), Judith Thielsen (Mezzosopran), Henning Lucius (Klavier und Moderation) sowie Martin Klett (Klavier) begeisterten die Klassikfreunde im vollbesetzten Bürgerhaus dabei auch mit ihrem Gespür für besondere Literatur.

shz.de von
erstellt am 30.Jan.2013 | 20:31 Uhr

Mit einer E-Moll-Sonate von Haydn, zwei Rhapsodien von Brahms und drei Präludien von Gershwin eröffnete der 23 Jahre alte und mehrfach ausgezeichnete Pianist Martin Klett den fast drei Stunden dauernden Konzertabend. Er hat eine Schwäche für rhythmische Vielfalt und musikalische Abwechslung. Vor allem Gershwins Präludien, die dem Schema „schnell, langsam, schnell“ folgen waren so ganz nach seinem Geschmack.

Die Sopranistin Judith Thielsen wurde von Henning Lucius am Klavier und dem genialen Violoncellisten Charles-Antoine Duflot begleitet. Sie begann mit Benjamin Brittens „A charm of lullabies“. Dieser Liederzyklus lebt unter anderem durch die eingängige Bildsprache eines Schlafliedes, in der verstörende Elemente für Unruhe sorgen. Neben der gesanglichen Virtuosität braucht ein Künstler für diese Komposition ein sicheres Gespür für Dramatik und tiefes Verständnis des Textes.

Thielsen hat alles und wählte aus diesem Grund wohl auch Hugo Wolfs „Vier Lieder der Mignon“, die auf Goethes „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ beruhen, und André Previns „Four Songs“, für die der Komponist mit der amerikanischen Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison zusammenarbeitete. Text und Melodien sind Perlen für sich, von Judith Thielsen mit ihrer wundervollen Stimme zu einem Schmuckstück zusammengeführt. Eine Meisterleistung!

Höhepunkt war Sergej Rachmaninovs Sonate g-moll Op. 19, mit dem Martin Klett und Charles-Antoine Duflot in einigen Wochen an einem Wettbewerb in Italien teilnehmen werden. Das Werk markiert das Ende einer persönlichen Krise im Leben Rachmaninovs und entstand in einem Schaffensrausch. Das ist der kraftvollen Kompositon anzuhören. Sie ist von großem harmonischen und melodischen Reichtum.

Klett und Duflot verzauberten das Publikum mit ihrer Hingabe und Dynamik, dem gleichzeitig gelassenen Spiel, ihrer einzigartigen Virtuosität. Obwohl erst Mitte 20, sind sie doch reife Künstler mit einer fast magischen Ausstrahlung. Verstärkt wurde dieser Eindruck durch den innigen Dialog ihrer Instrumente und die Körpersprache der Musiker.

Am Ende war allen klar: Hier gehen zwei musikalische Sterne von außerordentlicher Stahlkraft auf. Für die Gastfreundschaft der Klassikfans in Appen und Umgebung bedankten sich alle Musiker am Ende mit einem von Henning Lucius für „appen classics“ komponierten und getexteten Lied für Klavier zu vier Händen, Violoncello und Mezzosopran.

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