Schulprojekt : Ihr Ziel: Sechs Stolpersteine

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Sie heißen Karl Timm, Betty Elkeles, Franz Hinrich Borchert, Gertrud Julia Fanny Kroll, Helene Johannsen und Jetta Husmann, haben ihr ganzes oder einen Teil ihres Lebens in Wedel verbracht und wurden im Zweiten Weltkrieg ermordet. Weil sie psychisch krank waren, unter epileptischen Anfällen litten, als Soldat nicht prompt alle Befehle ausführten oder ihren Gott Jahve nannten. Für die Nazis Anlass genug, sie im Rahmen ihres Euthanasie-Programmes grausam zu ermorden.

shz.de von
19. Januar 2015, 21:32 Uhr

Schülerinnen und Schüler der Gebrüder-Humboldt-Schule haben sich jetzt im Rahmen eines Projektes mit den Schicksalen und Biographien dieser so unterschiedlichen Menschen beschäftigt und werden ihre Arbeitsergebnisse im Rahmen einer Wanderausstellung der KZ-Gedenkstätte Neuengamme zeigen, die am Donnerstag im Wedeler Stadtmuseum eröffnet wird. Titel: „Euthanasie. Die Morde an Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen in Hamburg im Nationalsozialismus“. Wie die Jugendlichen will auch Museumsleiterin Sabine Weiss erreichen, dass die sechs Wedeler NS-Opfer mit Stolpersteinen geehrt werden.

Voraussichtlich im Februar will die Schüler-Projektgruppe unter der Leitung von Lehrerin Sonja Strecker die Vorbereitungen für einen entsprechenden Antrag abgeschlossen haben. Zuvor müssen weitere Daten zusammengetragen, Gespräche mit der Stadt und den Nachkommen der Opfer geführt werden. „Wir rechnen mit einer Wartezeit von ein bis zwei Jahren, denn es gibt inzwischen bundesweit eine Warteliste“, sagte Sonja Strecker. Zeit genug für die Jugendlichen, ihre Fortschritte weiter auf Facebook zu dokumentieren („Stolpersteine in Wedel“), Zeitzeugen zu befragen, die Erben der Opfer zu kontaktieren. „Das Thema ist ein großes, das in der Schule eigentlich viel zu kurz kommt“, sagte Nico. Dabei, so der Neuntklässler, sei auch heute noch jeder Jugendliche über die Großeltern mit diesem dunklen Kapitel deutscher Geschichte verbunden. Und auch Lisa hat während der Arbeit gemerkt, dass „dieses Thema anders ist“. „Zu Anfang sind wir davon ausgegangen, dass wir es schnell mal recherchieren und fertig.“ Damit werde man ihm allerdings nicht gerecht.

Während der Ausstellungseröffnung werden sie ihre Motive für die Arbeit darlegen, denn Sabine Weiss hat unter anderem Redebeiträge der Schüler vorgesehen.

Die Ausstellung

Die Wanderausstellung „Euthanasie. Die Morde an Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen in Hamburg im Nationalsozialismus“ entstand erst im vergangenen Jahr und wurde bislang nur einmal gezeigt. Darin geht es um die Opfer, aber auch um die Täter: Behördenleiter, Ärzte, Pfleger und Wissenschaftler. Viele von ihnen tauchten nach Ende des Krieges unter und wurden nie belangt. Ab Donnerstag und bis zum 8. Februar ist die Ausstellung im Stadtmuseum Wedel zu sehen. Eröffnet wird sie um 19 Uhr. Gezeigt werden dann außerdem die Arbeitsergebnisse der Schüler-Projektgruppe, deren Mitglieder in Redebeiträgen auch auf ihre Motivation eingehen, sowie Auszüge aus der Wedeler NS-Ausstellung von Jürgen Pieplow. cel

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