Politik am LMG : „Ihr gebt den Opfern die Würde wieder“

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Am Ende waren sie alle begeistert: Grünen-Bundespolitikerin Claudia Roth von den Schülern aus der Oberstufe der Ludwig-Meyn-Schule, die Schüler von einer ausgesprochen unaufgeregt und authentisch wirkenden Spitzenpolitikerin, die mit ihnen über Rechtsextremismus und Nationalsozialismus diskutierte.

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26. Januar 2012, 20:47 Uhr

Für die Schüler aus dem Wirtschaft- und Politik Profil war die Veranstaltung im Sprachlabor Pflicht, aber die meisten aus den Jahrgängen der Oberstufe waren freiwillig gekommen, so der Geschichts-Experte und Lehrer Dr. Sönke Zankel, der Claudia Roth erst einmal das von den Schülern verfasste und mehrfach ausgezeichnete Buch über den Nationalsozialismus in Uetersen überreichte. „An den Fragen, die mir so meist noch nie gestellt wurden, habe ich gemerkt, dass sich die Uetersener Gymnasiasten ganz tief mit dem Thema auseinander gesetzt haben“, freute sich Claudia Roth, die diese Themen nicht erst seit dem Bekanntwerden der Mordreihe des rechten Terrornetzwerkes aus Zwickau für besonders wichtig hält. „Mit der Spurensuche und Ursachenerkundung von jungen Menschen geben wir den Opfern des Nationalsozialismus ihre Würde wieder zurück und geben den Vergessenen Namen“, so die Politikerin.

Stehe ein Verbot der NPD noch weiterhin an, hatten die Schüler gefragt oder würde das die Meinungsfreiheit in unserem Land einschränken oder gar den Einblick in das Geschehen innerhalb der ultrarechten Parteien verhindern, die dann irgendwo im Untergrund verschwinden. Nur ein Verbot der NPD löse nicht das Problem des Rechtsradikalismus, sei aber ein Signal, meinte Claudia Roth und stellte gleichzeitig die Gegenfrage: „Muss ich Rassismus als Meinungsfreiheit gelten und zulassen?“

Die in Deutschland und Europa prominente Politikerin scheute sich auch nicht, viel Privates preis zu geben. Sie sei in einem kleinen bayerischen Dorf aufgewachsen, das von der CSU beherrscht wurde, ihre Eltern galten dort als FDP-Wähler als linksradikal. Viele der dort beschlossenen Dinge haben sie aufgeregt und wurden in der Familie diskutiert. „Mecker nicht rum. Mach was“, haben die Eltern ihr gesagt und so sei der Weg in die Politik selbstverständlich gewesen.

Auch die Grünen seien natürlich nicht frei von Fehlern, gestand Roth, als Geschichtslehrer Zankel die Vergangenheit der Partei auf den Prüfstand hob. Der historische Vergleich des damaligen grünen Außenministers Joschka Fischer für die Rechtfertigung des Kriegseintritts der Deutschen beim serbisch-kroatischen Krieg mit der gesamten Schoah und Auschwitz sei ein großer Fehler gewesen. Das sei doch eine Aufgabe für seine Schüler, nagelte Dr. Sönke Zankel die überraschte Bundesvorsitzende und die ebenfalls anwesende Landesvorsitzende Eka von Kalben im Handumdrehen fest: am LMG soll jetzt eine Arbeit und ein Buch über die Geschichte der Grünen erforscht werden, fehlt nur noch ein bisschen Geld aus der Kasse der Grünen im Landes- und Bundesvorstand.

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