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Uetersener Nachrichten

15. Dezember 2017 | 02:28 Uhr

Verfahren : „Ich schäme mich so“

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Gestern begann am Landgericht Itzehoe das Strafverfahren gegen einen 54-jährigen türkischstämmigen Deutschen, der am 20. Juli 2013 seine polnische Ehefrau auf offener Straße mit einem Messer attackiert und sie im Anschluss daran mit Salzsäure verletzte. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage wegen versuchten Mordes.

shz.de von
erstellt am 20.Jan.2014 | 21:13 Uhr

Bozkurt K. (Name von der Redaktion geändert) betrat mit gesenktem Haupt den Verhandlungssaal 11 des Landgerichtes und nahm zwischen der Dolmetscherin und seinem Verteidiger Platz, dem Hamburger Strafrechtler Wolf Dieter Reinhard. Nur stockend und mit wenigen Worten konnte er die Fragen des Vorsitzenden Richters Eberhard Hülsing beantworten. Hülsing musste immer wieder nachfragen, doch dem Angeklagten waren kaum aussagekräftige Sätze zu entlocken. Bereits nach einer halben Stunde unterbrach der Vorsitzende die Verhandlung: Bozkurt K. war in Tränen ausgebrochen und zunächst nicht mehr in der Lage, überhaupt der Befragung zu folgen. Aber auch nach einer kurzen Unterbrechung kamen kaum aufschlussreiche Antworten.

Zu Beginn verlas Verteidiger Reinhard eine Erklärung seines Mandanten, der zufolge dieser sich seit Jahren wegen Angst- und Panikattacken in psychiatrischer Behandlung befindet und deswegen in Stresssituationen kaum ein Wort herausbringe. „Es ist so furchtbar, was ich getan habe und ich schäme mich deshalb so sehr, dass ich oft darüber nicht sprechen kann“, sagte K. mit Hinblick auf den Tatvorwurf.

Am 20. Juli 2013, einem Sonnabend, wartete er auf seine von ihm zu diesem Zeitpunkt getrennt lebende Ehefrau, die zu Fuß auf dem Weg zur Arbeit war und wollte mit ihr sprechen. Nachdem diese ein Gespräch ablehnte, begann er, mitgebrachte Arbeitshandschuhe anzuziehen, was die Frau in Panik versetzte. Sie begann zu flüchten, als ihr Mann aus einer Flasche 30-prozentige Salzsäure über den Körper schüttete. Sie habe etwas nasses im Gesicht gespürt, sagte sie vor Gericht, dann sei ihr Mann mit einem langen Messer auf sie losgegangen und habe mehrfach auf sie eingestochen. Schließlich steuerte ein vorbeifahrender Autofahrer, der zunächst an eine Schlägerei geglaubt hatte, seinen Kleinbus zwischen die beiden Personen, öffnete die seitliche Schiebetür des Fahrzeugs und half der schwer verletzten Frau ins Wageninnere, dann fuhr er das Opfer ins Krankenhaus. Polizeibeamte nahmen den Mann noch am selben Tag fest. Der Prozess wird am kommenden Dienstag fortgesetzt.

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