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Schachblume : Hunderte knien vor ihrer Schönheit nieder

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Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Statistisch gesehen blühen in Hetlingen zurzeit nur halb so viele Schachblumen wie vor einem Jahr. Der Anblick des rund fünf Hektar großen Blütenmeers hinter dem Elbdeich ließ gestern trotzdem mehrere hundert Schaulustige in die Knie gehen – aus Ehrfurcht vor der Schönheit der violett-weiß-karierten Blütenkelche und in dem Bestreben, sie besser fotografieren zu können.

shz.de von
erstellt am 22.Apr.2012 | 21:29 Uhr

Das Elbmarschenhaus und die Hetlinger „Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz Haseldorfer Marsch“ hatten zum jährlichen Schachblumenfest eingeladen. Erstmals besuchten auch Marina und Ernst-Wilhelm Rabius, Staatssekretär im Kieler Landwirtschaftsministerium, das einzige Vorkommen der in Schleswig-Holstein vom Aussterben bedrohten Lilienart. „Ich finde, diese bunte Wiese ist so etwas Schönes“, sagte Marina Rabius. Der Anblick erinnere sie an das Voralpenland. In ihrer Heimat im Kreis Plön kenne sie nichts Vergleichbares. Der Staatssekretär betonte, dass der Elbmarschenhaus-Leiter Bernd-Ulrich Netz ein Landesbediensteter ist. „Kiel ist weit“, so Rabius. Daher freue er sich, dass Netz einen guten Kontakt zu den Naturschützern vor Ort pflege.

Dieser versucht zurzeit, das Vererbungsmuster der Lilie zu erforschen. Unklar ist, warum in der Regel zehn Prozent der Schachblumen weiß blühen. Netz vermutet, dass die Violettfärbung im Sinne der mendelschen Regeln ein dominantes Erbgut ist, dass sich bei Kreuzungen mit den weißen Varianten durchsetzt. Um das zu belegen, hat er violette und weiße Exemplare in Blumentöpfen angesetzt und bestäubt sie per Hand. Das Ergebnis steht noch aus.

Ebenso unklar ist, warum sich die Blütenzahl in diesem Jahr halbierte. „Wir tappen im Dunkeln“, sagte Jochen Steinhardt-Wulff von der Arbeitsgemeinschaft, die die Wiesen seit 15 Jahren betreut. Ursache könnten die Temperaturen sein. Grundsätzlich habe sich die Blume während der vergangenen Jahre ausgebreitet.

Die Schachblumenwiesen sind Teil eines rund 200 Hektar großen zusammenhängenden Gebiets, das die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes vor zwölf Jahren als Ausgleichsfläche für die Elbvertiefung von 1996 kaufte. Eigentlich ist der Bund für den Erhalt der Schachblume verantwortlich, so Netz. Faktisch kümmert sich aber die Arbeitsgemeinschaft darum. Sie hat die Wiese gepachtet und an den Haselaueer Landwirt Marten Plüschau untervermietet. Er darf sie erst im Juni mähen, wenn die Blume ihre Samen ausgesäht hat. Für den Ertragsverlust erlassen die Naturschützer ihm einen Teil der Pacht. Der Staatssekretär freute sich über die gute Zusammenarbeit: „Das ist ja nicht überall so“, sagte Rabius.

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