Erhaltung alter Haustierrassen : Horster Schafzüchter kämpfen gegen das Artensterben

Wollen mit ihrer Zucht einen kleinen Beitrag gegen das Artensterben leisten: Norbert Westphal und Heide Völtz.
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Wollen mit ihrer Zucht einen kleinen Beitrag gegen das Artensterben leisten: Norbert Westphal und Heide Völtz.

Heide Völtz und Norbert Westpahl züchten Skudden. Von der Schafsart gibt es nur noch 2462 Tiere in Deutschland.

shz.de von
12. Januar 2018, 14:30 Uhr

Elmshorn | Mit kugelrunden Bäuchen stehen die Zibben im Stall. Ende des Monats rechnen die Skudden-Züchter Heide Völtz (47) und Norbert Westphal (62) aus Horst mit den ersten Lämmern. Seit mehr als 15 Jahren züchten sie Schafe –  nicht an Ertragsmaximierung orientiert, sondern für die biologische Vielfalt: Jedes Neugeborene ist wertvoll, denn jedes Tier ist ein kleiner Sieg im Kampf gegen das Artensterben. Die Skudde steht auf der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH). In Deutschland leben nur noch 2462 registrierte Tiere (Stand 2016), 2013 waren es noch rund 3000 Tiere. „Die Artenvielfalt geht weltweit zurück, mit unserer Zucht möchten wir zumindest einen kleinen Beitrag leisten, dass das nicht so schnell passiert“, erklärt Norbert Westphal. Für dieses Vorhaben suchen sie nun Gleichgesinnte.

Die beiden Horster Skuddenzüchter wollen eine GEH–Regionalgruppe in Schleswig-Holstein für den Bereich West aufbauen, „vor allem im Elbe- und Marschbereich“.Ein erstes Treffen findet Donnerstag, 18. Januar, um 19.30 Uhr im „La Fattoria“, Bahnhofstraße 7, in Itzehoe statt. Die Horster wollen aber nicht nur Skuddenhalter ansprechen, sondern richten sich an alle Tierhalter alter und gefährdeter Haustierrassen  – „egal ob Pferd, Schwein, Rind oder  Biene“. Gemeinsam sollen erste Ideen und Ziele besprochen werden.

Jede Woche gibt es laut GEH auf der Erde mindestens eine Nutztierrasse weniger. „Seit Gründung der GEH im Jahr 1981 ist in Deutschland keine Rasse mehr ausgestorben“, berichtet Mitglied Heide Völtz. „Aber das muss nicht so bleiben“, mahnt sie. Auch wenn die Lage in Deutschland stabil sei, die Zahl der Züchter und Tiere ist gering – und damit die Gefahr des Verschwindens einer Rasse nicht gebannt. „Wenn es eine Art oder Rasse nicht mehr gibt, ist sie unwiederbringlich ausgelöscht, man kann sie auch nicht über eine Samenbank zurückbringen“, erklärt sie, weshalb die Zucht alter und gefährdeter Rassen ihr so am Herzen liegt.

„In Schleswig-Holstein sind wir nur sechs im Herdbuch eingetragene Skuddenzüchter“, informiert Norbert Westphal. Von einer Regionalgruppe verspreche er sich neue Kontakte – und damit verbunden mehr Erfahrungsaustausch und auch bessere genetische Durchmischung der Herden. Von einem Netzwerk können Nutztierhalter jeder Art profitieren, ist auch Heide Völtz überzeugt: „Wir Nutztierhalter stehen ja alle vor der Frage, wie man seine Produkte am besten vermarktet oder wie man Kunden findet – egal, ob Fleisch, Käse oder Honig.“ Im Fokus stehe auch eine gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit: „Es gibt viele Bemühungen in diese Richtung, aber es bleibt eine schwierige Nische. Da ist es gut, sich zu vernetzen und die biologische Vielfalt zu zeigen. Man könnte zusammen zu Museumsfesten oder zu Weihnachtsmärkten gehen. Die Resonanz ist da, man muss für solche Aktionen aber genügend Leute haben. Und letztlich geht es auch einfach darum, dass  Menschen zusammenkommen und Spaß haben“, erklärt Heide Völtz.

Die Zucht ist ein zeitaufwendiges Hobby, Heide Völtz und Norbert Westphal sind voll berufstätig, in ihrer Freizeit pflegen und hegen sie ihre Herde aber in jeder freien Minute mit Hingabe. Leben können  die beiden vom Skuddenhof allein nicht, das ist es auch nicht, was für sie zählt, sondern das Leben in seiner Vielfalt zu erhalten.

Die Skudde ist die kleinste mitteleuropäische Schafrasse und gehört zu den ältesten Haustierrassen. „Genetisch ist die Rasse identisch mit dem Urschaf“, erklärt Züchterin Heide Völtz. „Die Tiere sind im Gegensatz zu konventionellen Schafen nicht auf Fleisch und Wolle gezüchtet.“ Deshalb seien die Tiere robust und fast nie krank. „Unsere Tiere müssen deshalb auch nie Medikamente bekommen und haben keine Antibiotikaresistenzen.“ Die Skudde ist sehr genügsam und dadurch zur Beweidung karger Standorte wie Heideflächen geeignet. Und: Auf matschigem Boden sinken sie kaum ein und haben deshalb keine Fußprobleme.
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