Hitzige Diskussion am LMG

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Die Flüchtlingsproblematik ist derzeit allgegenwärtig. Daher luden die Schüler des Ludwig-Meyn-Gymnasiums (LMG) Vertreter der Stadt und des Landes ein, ihnen zum Thema „Zwischen Massensterben und Willkommenskultur – Uetersen und die Flüchtlingsfrage“ Rede und Antwort zu stehen. Für Schleswig-Holstein kam Integrationsbevollmächtigter des Innenministeriums Norbert Scharbach, für Uetersen waren die Fraktionsvertreter Anne-Christin Speichert (SPD), Thorsten Berndt (Grüne) sowie Bürgervorsteher Adolf Bergmann für die CDU anwesend. Die Ratsfraktion der BfB war, trotz interner Zusage, nicht vertreten.

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07. Juli 2015, 21:01 Uhr

Die Diskussion kreiste insbesondere um das Thema Deutsch-Unterricht für Flüchtlinge. „Sprache ist eine Schlüsselkompetenz für Integration“, brachte es Schülerin Ronja Reckmann auf den Punkt. Bisher werden Deutschkurse auf B1-Niveau für anerkannte Flüchtlinge bezuschusst. Um auch nicht Anerkannten die Möglichkeit auf sprachliche Weiterbildung zu gewähren, wurde auf der letzten Uetersener Ratsversammlung über einen Vorschlag der Volkshochschule Tornesch-Uetersen beraten. Dieser hätte die Stadt 3000 Euro gekostet. Grüne und SPD stimmten dafür, doch schließlich scheiterte der Antrag durch die Ratsmehrheit von CDU und BfB.

„Schade, dass nicht von den Bürgern die Initiative kam, den Betrag zu spenden“, fand Pastorin Kirsten Ruwoldt. Da Flüchtlingsarbeit bisher vor allem ehrenamtlich, etwa in Sprach-Cafés erfolge, warnte Thorsten Berndt davor, das Ehrenamt zu überlasten. Auch viele Schüler des LMGs engagieren sich bereits in diesem Bereich. Die Schüler begnügten sich nicht mit der Organisation einer Podiumsdiskussion, sondern lieferten selbst einen Lösungsansatz. „Wir als Schule sind bereit, etwas zu tun“, sagte Justus Schmitt stellvertretend für die gesamte Schülerschaft und erntete dafür Applaus vom Publikum. Sein Politik-Kurs hat dafür schon ein konkretes Konzept erarbeitet: Unter dem Titel „Deutsch-AG“ würden Schüler der Klassenstufen 8 bis 13 Flüchtlingen einmal wöchentlich Sprachunterricht anbieten. Für die Umsetzung bedürfe es allerdings der Finanzierung durch die Politik. So müssten zum Beispiel Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt werden. „Wenn Sie uns Ihre Unterstützung zusagen, legen wir nach den Sommerferien los“, versprach Lehrer Söhnke Zankel. Selbstverständlich konnten die Anwesenden nicht den demokratischen Prozess übergehen und Entscheidungen über ihre Fraktionen hinweg treffen. Man konnte sich schließlich darauf einigen, dass es künftig mehr Kommunikation zwischen Politik und den Schülern geben müsse. Adolf Bergmann hielt fest, dass die Uetersener Flüchtlingsproblematik gemeinsam bewältigt werden müsse. „Mit Ihnen und allen anderen Bürgern dieser Stadt“, sagte er.

Dass das Thema von öffentlichem Interesse ist, zeigte sich an der Teilnehmerzahl. Nach Schätzungen des verantwortlichen Lehrers Hauran Ciftci wohnten rund 150 Schüler, Eltern, Lehrer und ehrenamtliche Flüchtlingshelfer der Diskussion bei.

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