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Drachenclub Flattermann : Historische Modelle: Sauls-Drachen

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Die Freude, Drachen aufsteigen und schweben zu lassen, begleitet Walter Reimers (77) seit Kindertagen. Doch nicht nur als Junge hat er sich die Flugobjekte selber gebaut. Er hat mit Gleichgesinnten 1988 eine Drachengruppe ins Leben gerufen, aus der 1990 der Verein Drachenclub Flattermann wurde. Von Anfang an hatten Walter Reimers und seine „Flattermänner“ die Idee, mit selbst gebauten Drachen am Himmel Geschichten zu erzählen. Begonnen wurde mit „Susi und die Schneeflocken“. Mittlerweile haben die Flattermänner, dessen Zweiter Vorsitzender Walter Reimers seit 1990 ist, zwölf Geschichten mit Flugobjekten der Bauart Delta und Schleierdelta – die die Vereinsmitglieder traditionell am Neujahrsnachmittag am Tornescher Himmel schweben lassen –, Cody, Dellaporta, Rotexa, Brogden, Centipeden, Eddy-Drachen und Wappenrokakkus in ihrem Repertoire.

Nun gehören auch sechs Sauls zum Drachen-Fundus. Seit November vergangenen Jahres haben Walter Reimers und fünf weitere „Flattermänner“ Montagepläne studiert, Material besorgt, einen Prototyp gebaut, getüftelt, genäht, gespannt und dann schließlich sechs dieser Barrage Kites gebaut, die nach ihrem Konstrukteur benannt sind und eine besondere Geschichte haben: der Amerikaner Harry Sauls baute 1943 Barrage Kites bestehend aus vier nebeneinanderliegenden quadratischen Zellen, an deren Oberkante die fünf Waagepunkte befestigt werden. Das hintere Ende besteht aus zwei nebeneinanderliegenden Zellen.

Diese beiden Zellenreihen sind durch ein Mittelsegel und vier Stäbe miteinander verbunden und geben dem Barrage Kite eine Art Flugzeugform. Diese Drachenart wurde im Zweiten Weltkrieg als Geleitschutz für Schiffe der Alliierten auf dem Atlantik eingesetzt. Der bis zu sechs Meter breite Drachen wurde an Drahtseilen bis auf 600 Meter Höhe gebracht und über den Schiffen platziert. Vom Drachen selber hingen ebenfalls lange Stahldrähte herab, die für angreifende Flugzeuge ein gefährliches Hindernis bedeuteten. „Wir beschäftigen uns in jedem Jahr mit einem besonderen Projekt. Diesmal war es der Bau dieses großen Zellendrachens“, so Walter Reimers. Er und seine Drachenfreunde haben Wert darauf gelegt, dass dieses historische Modell auch mit historischem Material gebaut wird. Und so wurde für die Segel reiner Baumwollstoff und für das Gestänge eine ganz bestimmte Bambusart verwendet.

„Wir bauen sonst mit Hightech-Material, diesmal sollte es jedoch originalgetreu sein“, so Reimers. 32 Meter Bambus und 24 Quadratmeter schwarzen und blauen Baumwollstoff hat er in seinem insgesamt drei Meter breiten und 2,40 Meter langen und 6 Kilogramm schweren Sauls-Drachen verarbeitet. Der Bau sei nicht unbedingt kompliziert, aber Erfahrung müsste man schon haben, damit der Drachen nicht instabil wird, macht Walter Reimers deutlich. Viel Zeit und hochkonzentriertes Arbeiten im Zehntelmillimeterbereich habe das Anfertigen der „Augen“ für die Zellenkreuze in Anspruch genommen. „Wir haben jeder für sich und gemeinsam getüftelt und Schablonen angefertigt. Und so hat zwar jeder einen Drachen gebaut, aber es ist doch ein gemeinschaftliches Projekt“, macht Walter Reimers deutlich. Im Keller seines Hauses ist seine Kreativwerkstatt, dort näht und baut er.

Drachenfest mit Sauls in der Nordheide

Nun freuen sich die Flattermänner darauf, ihre Sauls bei einem Drachenfest in Hanstedt-Ollsen in der Nordheide am Himmel schweben zu lassen. Nur bei größeren Veranstaltungen lohnt sich der Aufwand, denn der Aufbau eines Sauls mit seinen sechs Zellen dauert etwa eine Dreiviertelstunde. Ob es in Tornesch auch künftig das Neujahrs-Drachenfliegen geben wird, hängt von einer neuen geeigneten Fläche ab.

Auf dem FCU-Sportplatz, über dem bislang die Drachen schwebten, wird nach der Fertigstellung der Sportanlage am Großen Moorweg eine Wohnanlage entstehen. „Vielleicht eignet sich die Anlage am Großen Moorweg und wir dürfen sie nutzen“, so Walter Reimers. www.drachen-club-flattermann.org

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erstellt am 18.Aug.2014 | 21:44 Uhr

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