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Uetersener Nachrichten

19. Oktober 2017 | 14:48 Uhr

SHMF 2014 : Himmlische Klänge mit Blech

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Laut Duden bedeutet „Augenschmaus“ ein besonders erfreulicher Anblick. Die zehn Musikerinnen aus Norwegen, die am Freitagabend das Publikum mit dem tenThing Brassensemble im bis auf den letzten Platz ausverkauften Rinderstall begeisterten, waren nicht nur das, sondern auch ein Ohrenschmaus. Ein Zusammentreffen mit den jubilierenden Tönen von Trompeten, Posaunen, der mächtigen Tuba und des Waldhorns.

shz.de von
erstellt am 10.Aug.2014 | 18:05 Uhr

Bereits aus den die Landschaft und die Kultur einfangenden romantischen Kompositionen Edvard Griegs, den Werken des großen Norwegers, formten die zehn Frauen eine eindrucksvolle Einführung in das Konzertprogramm: Sie lösten sich einzeln aus dem zusammengeballten Haufen der Künstlerinnen, schritten nahezu engelsgleich in verschiedenen Richtungen über die Bühne. Tine Thing Helseth, Leiterin und Gründerin des reinen Mädchen-Ensembles, hält die Frauen in den schönen, schlichten Abendroben am unsichtbaren Band im Takt, demonstriert ihr Können nicht hierarchisch, sondern typisch skandinavisch auf Augenhöhe. So neigen sich die Bläserinnen auch der bemerkenswerten Karin Nordli mit der riesigen Tuba zu, wenn sie den Part der „Bestemor“ (Großmutter) im Menuett übernimmt, gehen beim „Gjendines Wiegenlied“ in die Knie, um dem kleinen Baby nahe zu sein.

Und gerade mit den Stücken, die sie ohne Noten und mit der präzise einstudierten Performance spielen und gestalten, begeisterten die Norwegerinnen. Spätestens bei der „Alla Turca“ aus der Klaviersonate A-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart, nahmen sie auch den letzten Zuhörer im Publikum mit, indem sie mit ihren Instrumenten von der Bühne in alle Richtungen der Sitzreihen des Rinderstalles schritten und die Menschen dort einbanden und in ihr Herz trompeteten.

Bei alle Professionalität der attraktiven Musikerinnen bezaubert aber auch der Spaß an den Klängen, den sie hier gemeinsam demonstrierten, die Freude an den so unterschiedlichen Kompositionen, die sie einfach mögen uns deshalb so zusammengestellt haben. So reicht dann auch der Strauß der ausgewählten und für Bläser extra umgeschriebenen Werke über so gegensätzliche Werke wie die der Händelschen Feuerwerksmusik, der „Dreigroschenoper“ von Kurt Weill bis zum „Tangokönig“ Astor Piazzolla und den berühmten Weisen aus Bizets Oper „Carmen“.

Das alles moderierte Tine Thing Helveth mit umwerfend natürlichem Charme, fragt das Publikum auch mal, wie es ihm geht und beschwert sich ein bisschen über die schwere Grammatik: Heißt es nun der, die oder das Dreigroschenoper?

Die Musikerinnen wirken ganz einfach authentisch, sind ohne Zicken-Allüren, sympathisch und stehen allesamt – egal ob in Sandalen, High-Heels, Ballerinas oder gar barfuß (Tine) – mit beiden Beinen zum letzten Mal auf der Bühne des Schleswig-Holstein Musik Festivals, bevor sie am nächsten Tag weiter zu neuen Auftritten in die Schweiz reisen.

Haseldorfs Gastgeber, Udo Prinz von Schönaich-Carolath-Schilden, sagte beim anschließenden Künstlertreff, dass die weibliche Übernahme der Männerdomäne Blechblasinstrumente längst überfällig und viel charmanter sei. Mit der Meinung steht er sicherlich nicht mehr allein. Mehr als 1200 Gäste nahmen diese Überzeugung aus dem Rinderstall mit.

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