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Uetersener Nachrichten

23. Oktober 2017 | 23:48 Uhr

Konzert : Heino hat sich neu erfunden

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Heino guckt in die Runde. „Soll’n wir nicht ’n Kaffee trinken gehen?“, fragt er die Lokalreporter im Gang der Elmshorner St.-Nikolai-Kirche.

shz.de von
erstellt am 03.Feb.2012 | 21:01 Uhr

Geduldig hat er sich fotografieren lassen – im Kirchenschiff, vor dem Altar, auf der Empore, mit erhobenen Armen, mit zusammengelegten Händen. Zwischendurch ließ er den Blick über die rund 650 Plätze, die Kanzel, die Deckenornamente schweifen. „Das ist doch einmalig. Eine schöne Kirche!“, rief der 73-Jährige aus. Am Mittwoch, 18. April, will er in dem Gotteshaus auftreten. Doch warum er dort nicht „Die schwarze Barbara“, sondern das „Ave Maria“ singen wird, wollte er gestern lieber in einem Café erzählen.

Bei schneidigen sieben Grad minus gingen die wenigen Passanten auf dem Alten Markt dick vermummt ihrer Wege. Doch kaum hatte der Star mit dem unverkennbaren blonden Bürstenhaarschnitt und der schwarzen Sonnenbrille die ersten Schritte aus der Kirche getan, wandte ein Mann den Kopf um: „Sind Sie Heino?“ Die Antwort fiel knapp aus: „Ja, der bin ich.“

Kaum einer in Deutschland kennt Heino nicht. „Sie haben doch ,Braun-braun ist die Haselnuss’ gesungen“, flötete kurz darauf im Café eine junge Frau und verdeutlichte ein Dilemma. „Nein, nein“, sagte Heino und hob den Zeigefinger: „Schwarz-braun ist die Haselnuss“, erklärte er lächelnd. Er weiß: Die Schlager-Ära ist vorbei, die Garantie auf volle Ränge abgelaufen.

Heino putzt Klinken, besucht jeden Konzertort vorher, gibt jedem Lokalreporter die Hand. Und er hat sich neu erfunden. Seit drei Jahren zieht er nicht mehr mit Schunkel-Hits durch die Lande. Statt Konzertsäle sucht er „die schönsten Kirchen und Kathedralen“ auf, wie es im Pressetext heißt. Dort stimmt er alte Choräle wie „Großer Gott, wir loben dich“, Volkslieder wie „Schlafe, mein Prinzchen“, Melodien von Mozart, Beethoven und Brahms an. „Das bringt mir viel. Ich kann mich mal wieder beweisen“, sagte Heino. Viele Menschen würden nicht mögen, was er singt. Aber sie würden ihm bescheinigen, eine schöne Stimme zu haben.

Mit klassischem Repertoire hatte Heinos Laufbahn begonnen, vor der Schlagerzeit. Diese vergessene Saite in ihm brachte Ehefrau Hannelore vor dem 30. Hochzeitstag wieder zum Klingen. Sie wünschte sie ein Kirchenkonzert. Daraus wurde die Tournee „Die Himmel rühmen“. Unter diesem Motto gab er bereits rund 90 Auftritte. 60 bis 80 sollen bis Jahresende folgen.

An seine Konzerte setzt Heino höchste Maßstäbe. Aufwendige Technik wird die Kirche jeweils in thematisch passendes Licht tauchen. Begleitet wird er von Franz Lambert – „einem der besten Organisten, den wir im Lande haben“, dem Jazz-Gitarristen Werner Hucks und vier Sängern. „Das ist musikalisch ein anderer Heino, aber ein schöner Heino“, sagte er gestern.

Das Konzert beginnt um 19.30 Uhr. Karten im Vorverkauf kosten 30 Euro plus Gebühr, an der Abendkasse 38 Euro.

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