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Uetersener Nachrichten

20. August 2017 | 08:19 Uhr

Pflegeheim : „Haus Flora“ zahlungsunfähig

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Der Träger des Elmshorner Pflegeheims „Haus Flora“ ist zahlungsunfähig.

Insolvenzverwalter Gideon Böhm, Rechtsanwalt der Hamburger Kanzlei Münzel & Böhm, informierte die Mitarbeiter gestern während einer Betriebsversammlung über die Situation und die nächsten Schritte.

Böhm zufolge wollte die schwedische Eigentümerfirma Wilfast den Mitarbeitern Weihnachtsgeld und Schichtzulagen streichen. Das lehnte die Belegschaft aber ab. Ein Eingriff in den Haustarifvertrag sei nur unter Vorlage eines unabhängigen Sachverständigengutachtens zulässig, das Wilfast aber nicht vorlegte, erläuterte die Betriebsratsvorsitzende Antje Kypke: „Wir sind bereit, unseren Anteil zu leisten, aber nicht ohne Sanierungskonzept“, sagte sie.

Wilfast-Geschäftsführer Mattias Wilson stellte daraufhin den Insolvenzantrag für die Haus Flora Pflegeheim Betriebsführungs- und Trägergesellschaft mbH. Am 25. November eröffnete das Amtsgericht Pinneberg das Insolvenzverfahren.

Böhm nahm Mitarbeitern und Bewohnern gestern die Angst: „Alle Bewohner und deren Angehörige können sich entspannt auf das Weihnachtsfest freuen“, sagte er. Die Pflege laufe weiter. Durch das Insolvenzgeld erhalten die Mitarbeiter ihr Gehalt. Ob das Weihnachtsgeld vollständig gezahlt werde, prüfe zurzeit die Arbeitsagentur. Zum Teil sei es aber gesichert.

In der Einrichtung an der Matthias-Kahlke-Promenade werden seit 1989 HIV-Infizierte, Koma-Patienten, Krebskranke im Endstadium und Unfallopfer betreut. Kypke zufolge gibt es in Schleswig-Holstein nur drei Pflegeheime mit dieser Spezialisierung. 96 der 102 Betten sind belegt, berichtete Heimleiter Henning Pramschiefer. Drei Unternehmen meldeten sich bei Böhm als potenzielle Investoren. „Es sind keine Baulöwen, sondern Interessenten aus dem Pflegebereich“, betonte Böhms Sprecherin Minou Tikrani. Kypke hatte befürchtet, dass Spekulanten das Haus übernehmen. Auch die Regio-Kliniken überlegen. Unklar ist Böhm zufolge aber noch, ob Wilfast ein Übernahmeangebot abgeben wird. „Mit allen Investoren werden auf Basis eines nachhaltigen und tragfähigen Sanierungskonzeptes Ende des Jahres Verhandlungen aufgenommen“, heißt es aus dem Rechtsanwaltsbüro.

Kypke ist sauer: Die Mitarbeiter hätten den Träger in der Vergangenheit bereits schriftlich auf organisatorische Probleme in der Führungsebene hingewiesen – ohne eine Reaktion zu erhalten. Allerdings sei Ende Oktober Udo Roscher von seinem Posten als Geschäftsführer der Trägergesellschaft abberufen worden.

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erstellt am 28.Nov.2011 | 21:05 Uhr

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