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Uetersener Nachrichten

20. November 2017 | 18:11 Uhr

Konjunktur : Hatlapa ist „in schwerer See“

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Was den Endverbraucher freut, schadet der Wirtschaft. Der niedrige Ölpreis macht nun auch dem MACGREGOR-Konzern, zu dem die Maschinenfabrik Hatlapa gehört, zu schaffen. Alle Standorte stehen auf dem Prüfstand, müssen Kosten sparen.

shz.de von
erstellt am 02.Jun.2015 | 21:33 Uhr

Vor wenigen Tagen informierte Hatlapa-Geschäftsführer Dr. Alexander Nürnberg die Belegschaft über die aktuelle Situation, die auch mit einer Standortschließung enden könnte. Doch unken möchte Nürnberg nicht, denn Hatlapa hat bereits so manche Klippe erfolgreich umschifft, und schließlich ist es kein hausgemachtes Problem, sondern ein konjunkturell bedingtes.

Noch im vergangenen Jahr wurden binnen der ersten vier Monate weltweit 1000 neue Handelsschiffe gebaut. Hatlapa, der Schiffsausrüster für Winden, Ruderanlagen und Kompressoren, profitierte von der guten Marktlage. Auch in den Jahren davor. Doch bis Ende April dieses Jahres wurden nur 300 Schiffsneubauten angezeigt. Viel zu wenig, um geschäftlich zu überleben. Die Rezession am Schiffbaumarkt ist dem niedrigen Ölpreis zu „verdanken“. Schiffseigner verzichten auf einen teuren Neubau und damit einhergehend auf eine neue Motorentechnik. Ist der Sprit billig, lohnt sich der Weiterbetrieb der „alten“ Dampfer. Auch wenn diese mehr Diesel und Schweröl verbrauchen. So geriet der Modernisierungsfluss ins Stocken.

Die Offshore-Branche schwächelt ebenfalls. Auch sie trifft der niedrige Ölpreis (derzeit bei 45 Dollar/Barrel = 159 Liter). Die Förderung des schwarzen Goldes lohnt sich nur bei einem relativ hohen Ölpreis. Hatlapa konstruiert und liefert die großen Ankerziehwinden für die Branche. Der derzeit tiefe Ölpreis hat mehrere Ursachen. Zum einen versuchen die USA, sich zu entschulden, verzichten also derzeit auf Ölimporte und treiben das sogenannte Fracking (Schieferölproduktion) voran. Die USA waren jahrelang einer der weltweit größten Energieimporteure. Nun, wo das Land Selbstversorger geworden ist, sinken die Verbräuche und der Preis fällt, aufgrund des relativ hohen Angebotes.

Die erdölexportierenden Staaten (OPEC) wollten sich das „Spiel“ Amerikas nicht gefallen lassen, auch im Wissen, dass sich Fracking bei noch niedrigen Preisen auf dem Weltmarkt nicht mehr lohnt. So „fluteten“ sie den Markt, was tatsächlich zu einem weiteren Preisverfall führte. Und auch die Erwartungen sind eher negativ. Denn das Handelsembargo mit dem Iran dürfte demnächst aufgehoben werden. Es ist davon auszugehen, dass das Land, weil es Einnahmen benötigt, den Hahn ebenfalls aufdrehen wird. Das iranische Öl gilt als hochwertig. Ein Sinken des Ölpreises auf 30 Dollar/Barrel ist für Experten nicht ausgeschlossen.

Insofern sind auch die Aussichten für die Industrie nicht eben rosig. In Uetersen hat man nun bis Ende Juli Zeit, der Konzernleitung ein Konzept vorzulegen, um das Schlimmste abzuwenden. Alexander Nürnberg sagte gestern, dass alles auf dem Prüfstand steht, doch man wolle sich den Herausforderungen des Marktes stellen.

Und eines ist sicher: Irgendwann steigt der Ölpreis wieder. Es hängt jetzt aber insbesondere von der Qualität des Hatlapa-Konzeptes ab, ob und inwieweit die Produktion am Tornescher Weg aufrecht erhalten werden kann. Einschnitte wird es jedoch auf jeden Fall geben. Nürnberg: „Die IG Metall ist bereits informiert worden.“

Eine Entscheidung des finnischen Konzerns wird noch für den Sommer dieses Jahres erwartet.

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