Miniermotte : Hat Uetersen keine Lust mehr auf den Schutz der Kastanien?

3544996_800x499_50477c1581be4.jpg

Das ist sehr schade für die lokale Umweltschutzbewegung. Seit sechs Jahren beteiligt sich die Rosenstadt am „Tag zum Schutz der Kastanie“. Traditionell am 2. Sonnabend im November hatten Verwaltung und Politik die Bürger eingeladen, sich am Einsammeln des Kastanienlaubes zu beteiligen. Mit dem Erfolg, dass die Miniermotte, der kleine, gefräßige Schädling, der die Blätter der weißblühenden Rosskastanien schon im Sommer braun färbt, hinsichtlich seiner Vermehrung geschwächt wurde.In den Jahren darauf waren die Bäume merklich grüner.

Avatar_shz von
05. September 2012, 18:18 Uhr

Während der Umweltausschusssitzung im Rathaus bezweifelte die Verwaltung den Erfolg dieser Maßnahme. Wie argumentiert wurde, seien in diesem Jahr auch Kastanien merklich grüner, unter denen das Laub nicht eingesammelt worden sei.

Nach kontroverser Diskussion wurde mehrheitlich beschlossen, die Aktion in diesem Jahr auszusetzen, um 2013 zu schauen, ob sich der Zustand der Kastanien wieder verschlechtert. Bei Politik und Verwaltung hofft man offensichtlich, dass die Motte die Region verlässt und weiter fliegt. Umweltausschussvorsitzender Dieter Schipler warnte vor einem Aussetzen dieser Maßnahme: „Wenn wir die Bürger im kommenden Jahr wieder brauchen, dann wird die Akzeptanz an der Mittmach-Aktion gesunken sein. Ich befürchte, dass wir dann kaum noch Helfer bekommen.“ Der SPD-Mann aber konnte sich selbst in seiner Fraktion nicht durchsetzen.

Sicherlich spielte auch der Sparzwang in Uetersen eine Rolle. Immerhin ist der Baubetriebshof stark involviert. Müssen doch Harken ausgegeben werden. Und das Kastanienlaub wurde in den Jahren zuvor von städtischen Mitarbeitern der Kompostierung in Tornesch-Ahrenlohe zugeführt.

Zum Hintergrund des Kastaniensterbens in Deutschland: Seit etwa Mitte der 1990er Jahre wird das Absterben von Rosskastanien im Öffentlichen Grün beobachtet. Betroffen sind vor allem ältere Bäume in Alleen und Parks aber vereinzelt auch in Privatgärten. Die Krankheitssymptome sind dabei vielfältig: Die Kronen sind oft schütter oder weisen einseitiges Aststerben auf. Am Stamm treten punktförmige, blutende Stellen oder vom Stammgrund ausgehend schwarz verfärbte nässende Bereiche auf. Die blutenden Flecken können auch in der Krone an den Hauptästen auftreten. Einige Kastanien zeigen zudem Risse am Hauptstamm.

Als Ursache werden zurzeit vor allem Bakterien verantwortlich gemacht. Es könne aber, sagen Fachleute, nicht ausgeschlossen werden, dass auch Pilze oder eine Kombination verschiedener Erreger zum Absterben der Rosskastanien führten. Inwieweit die Miniermotte zur Schwächung des Immunsystems der weißblühenden Rosskastanie führt oder geführt hat und die Bäume daher anfälliger geworden sind, ist umstritten.

Die Projekte zur Untersuchung der Biologie und der Bekämpfungsmöglichkeiten der Kastanienminiermotte in Deutschland sind ausgelaufen. Zurückgeführt wird das geringe Interesse an der Bekämpfung der Miniermotte oft auf das fehlende wirtschaftliche Interesse. Zählt die Kastanie bei Baumschulbetrieben doch nicht zu den „Verkaufsschlagern“.

Dennoch gilt weiterhin: Die günstigste Möglichkeit, die Schäden durch die Kastanienminiermotte im städtischen Bereich so gering wie nur möglich zu halten, ist die rechtzeitige Entsorgung des Falllaubes.

Bürger, die sich wegen des Themas mit dem Umweltausschussvorsitzenden in Verbindung setzen wollen, können das unter 04122/7935 tun.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert