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Uetersener Nachrichten

24. Oktober 2017 | 10:11 Uhr

Landgericht : Haft für Arge-Mitarbeiter

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Er soll drei Jahre und neun Monate lang hinter Gittern sitzen. Gestern ist Sven P., ehemaliger Bereichsleiter der Arge Pinneberg, am Landgericht Itzehoe wegen Untreue in 195 Fällen und vier Verkehrsdelikten verurteilt worden.

shz.de von
erstellt am 14.Feb.2012 | 21:42 Uhr

Der 48-jährige Elmshorner gab zu, innerhalb von viereinhalb Jahren fast 227000 Euro aus dem Arge-Vermögen abgezweigt zu haben. Das Geld verprasste er in Bordells, mit Glücksspiel und Alkohol. Seit März 2007 wurde er viermal ohne Führerschein oder betrunken am Steuer erwischt.

„Alles in allem sind Sie hier nicht schlecht weggekommen“, sagte Richter Klaus Emmermann. Das Urteil übersteige das Mindeststrafmaß nur leicht. Hätte sich Sven P. im Mai 2010 nicht selbst angezeigt und die Taten zugegeben, müsste er wesentlich länger im Gefängnis sitzen.

Das Unglück begann Ende 2005. „Ich bin rettungslos betrunken in eine Nachtbar getappt“, berichtete Sven P. Am nächsten Morgen hatte er rund 3000 Euro Schulden. Ein Kredit für eine Doppelhaushälfte lief bereits, das Konto war überzogen.

P. kannte die Schwachstellen seiner Behörde. Er hatte im Arbeitsamt Elmshorn gelernt, wurde 2005 Teamleiter der Arge, baute das Leistungszentrum in der Krückaustadt auf. Er hatte Einfluss. „Mein Eindruck war, dass viele Angst vor ihm hatten“, sagte seine Ex-Kollegin Julia V. gestern. Als dem Elmshorner die Schulden über den Kopf wuchsen, kamen ihm Einblick und Position zugute.

Die Arge setzt für die Auszahlung der Hartz-IV-Bezüge zwei getrennte Computersysteme ein. Über „A2LL“ wickelt sie Überweisungen ab, über „Finas“ die Ausgabe von Bargeld am Kassenautomaten im Erdgeschoss des Elmshorner Leistungszentrums. Sven P.s Masche war stets dieselbe. Er gab vor, dass die Überweisung der Monatsbezüge für einen Hartz-IV-Empfänger nicht geklappt habe, und bat eine Assistentin, eine Auszahlungsanweisung für den Kassenautomaten auszustellen. Sie speicherte den Betrag auf eine Scheckkarte, mit der sich Sven P. das Geld abholte – mal 300, mal 1500 Euro, im Schnitt monatlich rund 4000 Euro.

Viereinhalb Jahre lang fiel der Betrug nicht auf. Sven P. rutschte durch sämtliche Kontrollmechanismen durch. Kameras zeichnen jede Barabhebung auf, aber er wurde nicht entdeckt. Für jede Scheckkarte müssen Unterlagen in der Leistungsakte hinterlegt werden – Sven P. ließ sie in seiner Schublade verschwinden. Der Verlust von 4000 Euro pro Monat fiel bei einer Auszahlung von insgesamt 6,4 Millionen Euro nicht auf. Die neue Haushaltsbeauftragte Julia V. brachte den Stein ins Rollen. Anfang 2010 stutzte sie. Sven P. war zum Leiter des Bereichs Geldleistungen aufgestiegen. Auszahlungen anzuweisen war eigentlich Aufgabe seiner Untergebenen. Als Julia V. begann, Akten zu überprüfen, wurde P. nervös und zeigte sich auf Empfehlung seines Anwalts Christoph Heer an.

Der hatte eine Strafe von zwei Jahren auf Bewährung gefordert. Sven P. wolle sich als Jobvermittler in Hamburg selbstständig machen. „Das ist der einzige Weg, den er sieht, um den Schaden zu erstatten“, so Heer. Doch aus diesem Plan wird erstmal nichts.

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