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Uetersener Nachrichten

22. Oktober 2017 | 01:44 Uhr

Politik : „Hängepartie“ Bleekerstift

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Die Fronten scheinen sich zu verhärten. Gestern wurde versucht, ein klärendes Gespräch zur Zukunft des Bleekerstifts herbeizuführen. Am Tisch saßen Landrat Oliver Stolz, Uetersens Bürgervorsteher Adolf Bergmann, Uetersens Bürgermeisterin Andrea Hansen und Architekt Maik Timm. Bei dem Versuch ist es geblieben. Denn Stolz, der in das frühere Krankenhaus Flüchtlinge unterbringen möchte, erteilte der Idee, nur den alten Gebäudeteil dafür zu nutzen, so wie es der Architekt angeboten hat (wir berichteten) eine klare und deutliche Absage. Der Landrat erläuterte seinerseits, dass der Kreis von einer Maximalbelegung von 200 Personen ausgehe, dies leite sich auch aus den baulichen Möglichkeiten vor Ort ab. Und zwar für eine Dauer von etwa fünf Jahren. Sicherheit und Betreuung würden professionell gewährleistet, dies werde über ein entsprechendes Konzept sichergestellt, erklärte er in einer Pressemitteilung.

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erstellt am 30.Nov.2015 | 21:12 Uhr

Der Alternativvorschlag des Architekten sei nicht zielführend. Um überhaupt eine Wirkung zu erzielen – in Relation zu den Umbaukosten- werde die Belegungszahl höher sein müssen. Der Landrat übersieht dabei, dass, folgt er dem Vorschlag von Timm, lediglich ein Teil des Gebäudes entsprechend umgebaut werden muss. In dem Hauptgebäude, das nach den Ideen der Investoren bei einer Wohnbebauung sowieso stehen gelassen werden soll, könnten etwa 70 bis 80 Flüchtlinge untergebracht werden. Doch Oliver Stolz erklärte gestern auch: „Es ist nicht die Absicht des Kreises, die Uetersener Pläne zur Stadtentwicklung zu torpedieren, sondern hier geht es um eine Nutzung auf Zeit.“

Uetersens CDU, die FDP und die Wählergemeinschaft BfB hatten dem Kreis kürzlich vorgeworfen, er torpediere mit seinen Plänen das gerade erst geschlossene Fairnessabkommen. Stolz dazu: „Wenn der Kreis die Aufgabe einer Gemeinschaftsunterkunft – für alle Kommunen – wahrnehmen will, dann kann der Kreis dies nur im Kreisgebiet umsetzen, und dann muss dies nun mal in einer Gemeinde beziehungsweise Stadt im Kreisgebiet passieren. Und dies orientiert sich natürlich auch an den zur Verfügung stehenden, geeigneten Baulichkeiten. Es gibt im Kreisgebiet keine Bundes- oder Landesliegenschaften, welche unmittelbar nutzbar gemacht werden können. Wir sind auf jede potentielle Gebäudesubstanz angewiesen. Das ein altes Krankenhaus gute Voraussetzungen für die Errichtung einer Gemeinschaftsunterkunft bietet, das dürfte jedem klar sein.“

Der Kreis prüfe allerdings auch weitere Standorte, auch wenn der Fokus im Moment sicherlich auf dem Bleekerstift liege.

Stolz weiter: „Der Kreis nimmt ja im Übrigen auch seine Verantwortung bei den unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen wahr, die ja auch in den einzelnen Kommunen untergebracht sind, ohne dass diese explizit einer Kommune zugewiesen sind.“

Der Landrat verspricht: Sobald die Pläne für den Bleekerstift konkreter würden, werde unverzüglich auch die Öffentlichkeit im Rahmen einer Informationsveranstaltung informiert. Zurzeit befinde man sich aber noch am Verhandlungstisch.

Nach UeNa-Informationen geht es dabei auch um die Kaufsumme. Denn die Sana will plötzlich mehr Geld haben. Ein neues Wertgutachten weicht demnach um rund 350000 Euro nach oben ab. Der Grundstücksbruttowert müsste demnach jetzt bei 1,45 Millionen Euro liegen. Das ist natürlich eine Summe, die auch der Landrat nicht mal eben so aus dem Hut zaubert.

Abseits dieses Themas empfiehlt Stolz den Uetersener Mandatsträgern, ihre eigene Bauleitplanung voranzutreiben, denn dies werde Zeit in Anspruch nehmen. Seine Versprechen in Richtung der Rosenstadt: Der Kreis werde die angestrebte Nutzung nur solange realisieren, wie diese zur Unterbringung von Flüchtlingen notwendig sei.

Doch in fünf Jahren könnten sich die Parameter, bei denen eine Investition nach Vorstellungen des Uetersener Architekten sinnvoll ist, gewaltig geändert haben (zum Beispiel die Zinsentwicklung). Auch die Kaufsumme dürfte analog der Investitionssumme des Kreises dann gestiegen sein.

Aufgrund der Haltung des Landrats dürften auch CDU, BfB und FDP an ihren Zielen festhalten, die Pläne des Kreises zu verhindern. Möglich ist das mit dem Versagen des gemeindlichen Einvernehmens, einem Ankauf des Gebäudes durch die Stadt (Vorkaufsrecht) und möglicherweise auch mithilfe einer so genannten Veränderungssperre für das gesamte Areal.

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