Schäferhof Recycling plus : „Hände an die Arbeit bringen“

„Die Deponie wird erweitert“, flüstere man sich in Appen zu, so der Geschäftsführer der Hamburger Arbeiter-Kolonie, Rainer Adomat, während der Einwohnerversammlung im Bürgerhaus. Dem Dorffunk setzte der Chef des Schäferhofes Informationen entgegen. „

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28. Januar 2015, 20:33 Uhr

Die Appener sollen rechtzeitig wissen, was geplant ist“, begründete Bürgermeister Hans-Joachim Banaschak (CDU) die Einberufung der Versammlung, zu der 50 Bürger kamen. Die Deponie sei abgedeckt, geschlossen und werde in Kürze an den Schäferhof übertragen, erklärte Adomat. Zukünftig sollen zu bestimmten Zeit Führungen organisiert werden.

Neue Pläne gibt es für den Recyclingbetrieb. Für ihn liegt noch eine befristete Betriebserlaubnis bis Ende 2016 vor. Anschließend müsste dort eigentlich eine grüne Wiese entstehen, was angesichts der erheblichen Verdichtung des Grundes fast unmöglich oder zumindest mit sehr hohen Kosten verbunden wäre.

Um Abstand zu allen vorherigen Projekten zu gewinnen, hat man ihm den Namen „Schäferhof Recycling Plus“ gegeben. „Wir wollen Sozialwirtschaft und Recyclingwirtschaft verbinden“, so Adomat. „Re-Use“ ist dabei das Zauberwort. Alte Steine, Dielen, Kacheln und Türen werden wieder verwertet. Der Verkauf läuft teilweise direkt über den Recyclinghof, teilweise über das Internet. Es gebe bereits einige, gut laufende Referenzbetriebe, so Adomat.

Ein Partner des Schäferhofes ist die Otto Dörner Entsorgung, die HRN Heidorn Recycling Nord GmbH und damit auch die Deponie und den Recyclingbetrieb übernommen hatte. Sie liefern die Materialien. „Es weint das Sammlerherz, was bei uns entsorgt wird“, so Geschäftsführer Enno Simonis.

Die in Appen recycelte Menge werden sich nicht ändern, versprach er. Es bleibe bei der derzeitigen Größe von 2,3 Hektar des Betriebs, ergänzte Adomat. Für den Re-Use-Betrieb müsste eine Halle von einer Größe gebaut weren, wie sie bereits auf dem Schäferhof steht. Auf Nachfragen versprach Simonis „keinen wahrnehmbaren zusätzlichen Verkehr“. Derzeit gibt es durchschnittlich 68 Anlieferungen oder Abholungen täglich, davon zwölf mit Lkw. Der Verkehr läuft ausschließlich über den Weg bei den Karpfenteichen. Der zweite Partner ist die Stiftung Lebenshilfe Südholstein. Derzeit gibt es bereits 80 Mitarbeiter auf dem Schäferhof, erklärt Vorstand Michael Behrens. Mit dem Recyclinghof sollen zwölf hinzu kommen. Motto: „Hände an die Arbeit bringen.“ Menschen mit Behinderungen sowie sozial benachteiligte Menschen bekommen so einen Job. Lagerung, Reinigung, Sortierung, Verpackung, Service, Verwaltung und Telefon sind dann einige ihrer Aufgaben.

Profitiert Appen von dem Projekt?

Hoher rechtlicher Aufwand ist mit „Schäferhof Recycling Plus“ verbunden, den Gerd Kruse vom Büro „Elbberg“ während der Einwohnerversammlung vorstellte. Der Flächennutzungsplan müsse geändert, das Sondergebiet des Schäferhofes erweitert und ein Bebauungsplan aufgestellt werden, erklärte der Diplom-Ingenieur. Dadurch hätte die Gemeindevertretung die „volle Kontrolle“. Ein wichtiges Wort haben Land und Kreis mitzureden. Grünes Licht gab es in Vorgesprächen noch nicht. Man will sich die konkreten Planungen ansehen. Kruse betonte die Bedeutung der sozialen Komponente der Planungen. Die soll in einem Vertrag zwischen Gemeinde und Schäferhof festgeschrieben werden.

Während der Einwohnerversammlung gab es auch erste Äußerungen von Vertretern der Fraktionen in der Gemeindevertretung. Walter Lorenzen (SPD) erinnerte an die lange Geschichte der Deponie und dass Appen mehrfach „über den Tisch gezogen“ wurde. Er würde sich freuen, wenn jetzt „alle Beteiligten profitieren“.

„Dörner wäre der große Gewinner“, steht für die FDP-Fraktionsvorsitzende Jutta Kaufmann fest. Denn zuvor hatte Rolf Heidenberger Bürgermeister Hans-Joachim Banaschak (CDU) nach den Gewerbesteuereinnahmen gefragt, die derzeit fließen.

Er äußerte sich verhalten, dass die Gewerbesteuer des Schäferhof-Bereichs gering sind. Das würde sich mit der neuen Anlage kaum ändern. Der Sitz der HRN Heidorn Recycling Nord GmbH befindet sich in Tornesch und einen Wechsel nach Appen schloss Dörner-Geschäftsführer Enno Simonis aus. Heidenberger regte an, eine Tochtergesellschaft in Appen zu gründen.

Welche rechtliche Form die Zusammenarbeit von Schäferhof, Lebenshilfe und Otto Dörner bekommen soll, steht noch nicht fest, erklärte Arbeiter-Kolonie-Geschäftsführer Rainer Adomat.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Hans-Peter Lütje sagte: „Wir sind vom Schäferhof überzeugt.“ Und Christiane Bergmann, emsige Kämpferin gegen die früheren Missstände, stellte fest: „Die Deponie muss sichern sein.“

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