Pferdezucht : Gutachter: Schenkelbrand ist gesünder als Chippen

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Der Schenkelbrand schadet Pferden weniger als das Einsetzen von Mikrochips. Zu diesem Ergebnis kommt ein ärztliches Gutachten, das die Landesregierung in Auftrag gegeben hat. Ernst-Wilhelm Rabius, Staatssekretär des Landwirtschaftsministeriums, stellte es am Montag in Elmshorn bei einem Besuch des Holsteiner Verbands vor. Er trat gegen ein Verbot des Heißbrands ein.

shz.de von
31. Januar 2012, 21:23 Uhr

Tierschützer lehnen die Kennzeichnung von Pferden durch heiße Eisen ab. Die Fohlen würden dadurch hochgradige Verbrennungen erleiden. „Die Schmerzen halten mehrere Tage an“, heißt es vonseiten des Deutschen Tierschutzbunds. Dem Bundestag liegt bereits ein neuer Entwurf des Tierschutzgesetzes vor, in dem der Schenkelbrand verboten werden soll.

Zu anderen Erkenntnissen kommt Professor Dr. Urs Schatzmann, Spezialtierarzt für Pferde in Bern. Er wertete mehrere wissenschaftliche Untersuchungen aus. Ergebnis: „Eindeutig ist, dass klare und fundierte Aussagen über die Schmerzhaftigkeit und Belastung einer Kennzeichnungsmethode im Vergleich mit der anderen nicht möglich sind.“ Zwar würde sowohl das Brennen als auch das Chippen die Pferde belasten. Ob es sich dabei aber um Angst, Erschrecken oder einen kurzen Schmerz handle, ließe sich weder auseinanderhalten noch messen.

Langfristig ist aber der Schenkelbrand die gesündere Alternative. Zu diesem Ergebnis kommt Dr. Volker Steinkrauss, Professor für Dermatologie an der Universität Hamburg, auf den Urs hinweist. Steinkrauss untersuchte 70 Hauptproben von Pferden, davon 30 aus dem Bereich der Brandzeichen und zehn aus den Regionen der Implantate am Pferdehals. Um die Chips hatten sich „dichte Ansammlungen von Entzündungszellen“ gebildet. Dagegen waren die anderen Präparate unauffällig.

Die EU erlaubt beide Formen der Kennzeichnung. Die schleswig-holsteinische Landesregierung will daher im Februar einen Antrag in den Bundesrat einbringen, um den Schenkelbrand in Verbindung mit einer DNA-Typisierung weiterhin als Alternative neben dem Chippen zu erhalten. Der Elmshorner CDU-Landtagsabgeordnete Michael von Abercron äußerte am Rande des Besuchs des Staatssekretärs zwar die Befürchtung, dass die anderen Bundesländer an dem Thema kaum interessiert seien. Doch die CDU-Bundestagsfraktion habe bereits Unterstützung signalisiert. Der Bundestag berät ab März über die Novelle des Tierschutzgesetzes.

Das Gutachten ist im Internet unter folgendem Link zu finden: http://schleswig-holstein.de/UmweltLandwirtschaft/DE/Startseite/Gutachten_Schenkelbrand.html

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