Großfeuer im Hochhaus:Mehr als 430 Einsatzkräfte

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„So etwas habe ich während meiner gesamten Dienstzeit noch nicht erlebt“, so ein Polizeibeamter am frühen Sonntagmorgen im UeNa-Gespräch. Polizist ist der Uetersener schon seit mehreren Jahrzehnten.

shz.de von
22. Juni 2014, 21:42 Uhr

Was war geschehen, das nicht nur ihm den Schlaf raubte, sondern insgesamt mehr als 430 (!) Einsatzkräften von Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei, THW und DRK? Am späten Sonnabendabend geriet aus derzeit noch unbekannter Ursache der Dachboden eines achtstöckigen Wohnblocks an der Beethovenstraße in Brand. Es entwickelte sich der größte Einsatz in der jüngeren Geschichte des gesamten Kreises.

Sieben Bewohner wurden im Verlauf der Einsatznacht, die bis zum Morgen andauerte, mit Verdacht auf Rauchvergiftung vorsorglich in verschiedene Kliniken eingeliefert. Ein Feuerwehrmann wurde beim Einsatz ebenfalls verletzt. Er knickte mit dem Fuß um. Der Sachschaden dürfte mehr als eine Million Euro betragen. Sämtliche Wohnungen des Blockes mit der Hausnummer 15 sind derzeit unbewohnbar.

Den Feuerwehrleuten aus elf freiwilligen Wehren gelang es aber, ein Übergreifen des Feuers auf den zweiten, gleich großen Trakt des Blocks (Haus Nummer 17) zu verhindern. Als das Feuer unmittelbar nach Abpfiff des WM-Spiels zwischen Deutschland und Ghana entdeckt wurde, hatte es sich offensichtlich schon fast auf die komplette Länge des Dachtraktes ausgebreitet. Noch auf der Anfahrt ließ Einsatzleiter Sven Stade auf Vollalarm für die Freiwillige Feuerwehr Elmshorn erhöhen und orderte auch die Drehleiter aus Uetersen. Weitere Nachalarmierungen folgten zu Beginn fast im Minutentakt. Darunter waren weitere Drehleitern aus Pinneberg und Itzehoe, so dass die Brandbekämpfung von außen über fünf Hubrettungsgeräte vorgenommen wurde.

Die voll ausgefahrenen Leitern (30 Meter Länge) erreichten gerade noch den Dachbereich. Ferner wurde über die Treppenhäuser mit dem Innenangriff begonnen. Die Einsatzkräfte waren dabei enormer Hitze ausgesetzt. Aufgrund des großen Bedarfs an Atemschutzgeräteträgern wurden nach und nach weitere Wehren alarmiert. Der Schlauchwagen des Kreisfeuerwehrverbandes Pinneberg war im Pendelverkehr zwischen Kreisfeuerwehrzentrale und Einsatzstelle unterwegs, um Atemluftflaschen anzuliefern. Den Kräften gelang es schließlich, das Feuer unter Kontrolle zu bringen. Da dämmerte es allerdings bereits.

Die Nachlösch- und Aufräumarbeiten dauerten bis zum Sonntagvormittag an. Den Bewohnern wurde als Notquartier die Sporthalle einer Schule am Krückaupark angeboten. 25 Frauen und Männer nutzten dies. Sie wurden vom Deutschen Roten Kreuz betreut. Die meisten Bewohner aber wurden von Verwandten oder Freunden mit dem Nötigsten versorgt und konnten dort auch zur Ruhe kommen. 105 Wohnungen des Wohnblocks sind derzeit unbewohnbar. Die Stadt hat den Betroffenen vorübergehend Hotelzimmer angeboten. Parallel dazu ist der Verwalter des Objekts, die Deutsche Annington, dabei, Ersatzunterkünfte - zum Beispiel derzeit leer stehende Wohnungen aus dem Bestand bereitzustellen.

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