Großes Interesse am Thema Fusion

Rund 150 interessierte Bürger hatten sich am Dienstagabend in der Kleinen Stadthalle an der Berliner Straße eingefunden, um dort mehr über die mögliche Städtefusion zwischen Uetersen und Tornesch und das Gutachten, erstellt von der Hamburger Firma Rambøll, zu erfahren.

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17. April 2013, 20:50 Uhr

Die Vortragenden, Angela Köllner und Ansgar Kramer, fassten zunächst ihr rund 50 Seiten starkes Papier zusammen und boten danach Raum für Fragen.

Wie bereits berichtet, sprechen sich die Gutachter für einen Zusammenschluss der beiden Städte aus. Und das trotz ausgemachter finanzieller Vorteile in nicht gerade üppiger Höhe. Eine größere Stadt mit einer größeren Verwaltung könne jedoch noch professioneller arbeiten und noch mehr Serviceleistungen für den Bürger anbieten, sodass gerade dieser davon profitiere.

333000 bis 354000 Euro sparen die Verwaltungen bei einer Fusion ein, allerdings nicht sofort, sondern nach und nach beim Ausscheiden von Mitarbeitern. Das war einem Zuhörer zu wenig, der sagte, dass in der freien Wirtschaft niemand fusionieren würde, wenn nicht mindestens 25 Prozent der Kosten eingespart werden könnten. Die Gutachter sagten, dass sie vorsichtig gerechnet hätten. Der Öffentliche Dienst sei auch nicht mit einem Wirtschaftsbetrieb vergleichbar.

Deutlich wurde beim Sachvortrag, dass beide Städte von einer Fusion profitieren können. Leider fehle bislang die Bereitschaft des Landes, die Fusionsabsicht mit finanziellen Vorteilen über die Hochzeitsprämie von 100000 Euro hinaus zu begleiten. Eine Höherstufung der 32000-Einwohner-Gemeinde als Mittelzentrum lehne das Land nach wie vor ebenfalls ab. Gegebenenfalls müsse hier noch hart verhandelt und politischer Druck aufgebaut werden.

Erläutert wurden die Kernfragen. Wie die Infrastruktur (Feuerwehr, Baubetriebshöfe, Kindergärten, Schulen) zusammengelegt werden könne, welche Synergieeffekte es dabei geben könnte und wie die neue Stadt heißen sollte, sei nicht Aufgabe des Gutachtens gewesen. Für eine Besucherin stand fest: Westerstedt könne sie nicht akzeptieren. Für einen anderen Bürger waren die finanziellen Vorteile, die sich erst im Jahre 2030 in ganzer Höhe bemerkbar machen könnten, zu gering, um sich mit einer Fusion zu befassen. Ein anderer riet hingegen zum Zusammenschluss. Er argumentierte, dass in ein paar Jahren das Land eine solche Fusion anordnen könnte, dann würden die Bürger nicht mehr gefragt und könnten die neue Stadt nicht mehr frei gestalten.

Nicht alle Fragen der Besucher wurden am Abend beantwortet. Sie wurden schriftlich gesammelt und sollen nun im Internet („staedtefusion.de“) präsentiert werden. Einige Beispiele: Wer oder was zwingt uns zur Fusion? Wird die K22 zügiger realisiert? Wie ist es mit der Aufteilung der Ratsmitglieder bei einer Fusion – Uetersen hat 5000 Einwohner mehr als Tornesch? Sinken Abgaben und Steuern? Wie ist es mit langfristigen Kosteneinsparungen?

Eine weitere Frage wurde sogleich beantwortet: Wenn bei einem Bürgerentscheid Tornesch gegen und Uetersen für einen Bürgerentscheid ist, gibt es dann eine Fusion? Antwort. Nein! Bürger beider Städte müssten sich für eine Fusion aussprechen. Firma Rambøll hat bereits mehrere Fusions-Gutachten erstellt. In Niedersachsen seien, so die Referenten, zwei ins Auge gefasste Zusammenschlüsse von den Bürgern durch ein jeweils ablehnendes Votum verhindert worden.

Wird ein Zusammenschluss auch in Uetersen / Tornesch abgelehnt, werde man das Thema politisch wohl erst einmal nicht mehr anpacken.

Das sagten übereinstimmend Adolf Bergmann, der Vorsitzende des Uetersener Sonderausschusses „Fusion“ und der Tornescher Hauptausschuss-Vorsitzender Gunnar Werner.

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