zur Navigation springen

Vorstellung : Geschichte im Gewand eines Krimis

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Sieben Jahre nach seinem Debüt hat der Historiker und Autor Jochen Pragal seinen zweiten Roman vorgelegt. „Im Sog des Kraken“ ( Verlag: tredition GmbH)ist ein vielschichtiger Kriminalroman, in dem es vor allem um das Phänomen der verändernden Kraft historischer Ereignisse geht.

Angesiedelt ist die Geschichte in Altona Anfang des 19. Jahrhunderts. Pragal lässt den Leser eintauchen in eine Gesellschaft, die Napoleon mit der Kontinentalsperre fast zerstörte. Als er den europäischen Absatzmarkt für den englischen Erzfeind schließt, in der Hoffnung, ihm damit endlich den alles entscheidenden Schlag zu versetzen, nimmt er den wirtschaftlichen und in Folge gesellschaftlichen Ruin der Handelspartner des Empires in Kauf.

Allerdings geht Napoleons Strategie nicht auf. Die Engländer reagieren mit der Besetzung Helgolands, schirmen die Küste ab, kontrollieren die See. Folge: Die Franzosen haben keine Chance, ihrerseits die europäischen Handelspartner auf dem Wasserweg zu erreichen. Trotzdem vernichten die französischen Besatzer auch in Hamburg alle englischen Kolonialwaren, etwa Tee, Schokolade, Zucker und Kaffee, dazu Wolle und Baumwolle. Napoleons Statthalter durchkämmen Warenlager und Vorratskammern, fördern so Denunziation und Schnüffelei. Helgoland wird zur Drehscheibe des Schmuggels. Die heiße Ware gelangt über den Hafen in Tönning nach Hamburg. Wie immer in der Geschichte gibt es auch in dieser Zeit Menschen, die sich mit dem System irgendwie arrangieren, solche, die es für sich zu nutzen verstehen, und solche, die gerne alles ändern würden. Eine verworrene Gemengelage, gut bestückt mit sozialem Sprengstoff also, und die Basis für den Roman. Natürlich gibt es Leichen, auch eine Gruppe von Männern, die sich daran machen, die Aufgaben des nicht funktionierenden Rechtsstaats zu übernehmen. Sie suchen Aufklärung und Gerechtigkeit, schrecken dabei vor Selbstjustiz nicht zurück.

Allerdings sind die Morde für Jochen Pragal höchstens ein Vehikel, um die Zeit zu erklären. Folglich gibt es keinen Kommissar, wenn der Leser am Ende auch erfährt, wer für die Toten verantwortlich ist. „Der Roman stellt den Zusammenhang her zwischen konkreten Personen, dem Verlauf ihres Lebens und dem Einfluss des großen politischen Geschehens“, sagte er.

Dafür recherchierte Pragal lange und intensiv auch Familiengeschichten. Für einige seiner Figuren gibt es reale Vorbilder, Menschen, die in der Geschichte Hamburgs einen besonderen Platz einnehmen: ein einflussreicher Manufakturist etwa oder ein Buchhändler. Pragals Roman ist ein Geschichtsbuch. Bewusst wirft der Autor die Frage auf, was Freiheit ist, zieht den Leser in das Spannungsfeld von Nationalismus und Liberalismus. Das macht, abgesehen von der eigentlichen Story, die Lektüre dieses kurzweiligen Romans spannend, aber auch herausfordernd.

zur Startseite

von
erstellt am 08.Okt.2013 | 21:12 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert