Zu teuer : Geld sparen mit dem Sonnenlauf?

Vorbei die Zeiten, als Nachtwächter die Straßenlaternen anzündeten. Heute steuern komplizierte Anlagen die Beleuchtung öffentlicher Wege. Und das ist teuer.

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02. April 2013, 21:42 Uhr

Haseldorf wollte diese Kosten vor zehn Jahren senken. Zusammen mit Haselau, Hetlingen und dem Netzbetreiber E.on-Hanse rief die Gemeinde ein Pilotprojekt ins Leben. Doch das wird nun beerdigt.

Die Idee war einfach: Der Schalter für die Laternen sollte umgelegt werden, wenn es in der Marsch dunkel wird, und nicht, wenn bei dem Stromversorger Wolken aufziehen oder die Nacht anbricht. Oft war es dann an der Elbe noch hell.

Damals entschied ein Dämmerungsschalter in Uetersen, wann in der Marsch die Lichter angehen. Nach Aussage von Jens-Peter Brötzmann von der Stadt Uetersen befand sich der Sensor am Schleswag-Gebäude, dem heutigen Tornescher Rathaus.

Doch der Verwaltungssitz liegt zum Beispiel von der Haselauer Kirche fast 6,3 Kilometer nordöstlich entfernt. Bei einer Erdrotation von 1071 Kilometern pro Stunde in unseren Breitengraden stehen die Amtsstuben etwa 20 Sekunden früher im Dunkeln als das Gotteshaus. Da braucht in der Marsch noch keine Laterne zu leuchten.

2004 installierte E.on-Hanse daher in den Gemeinden Dämmerungsschalter, laut Verwaltung in jeder einen. Bei einer Änderung der Lichtverhältnisse schicken sie Signale nach Rendsburg zur E.on-Netzleitstelle und von dort zur Europäischen Funk-Rundsteuerung (EFR) bei Magdeburg. Die steuert die Laternen per Funk.

Die Kommunen zahlten dafür keinen Cent, sparten jedoch. In einer Vorlage der Haselauer Gemeindevertretung ist zu lesen, dass die Straßenbeleuchtungskosten dort im ersten Jahr um 2,2 Prozent oder 145 Euro sanken. Da die Anlagen nach zweijähriger Projektphase nicht abgebaut wurden, hält der Effekt bis heute an. Kürzlich wollte aber die Schleswig-Holstein Netz AG Profit aus dem Projekt schlagen. Die E.on-Hanse-Tochter musste das Stromnetz im Bereich des Amts Haseldorf an die Stadtwerke Wedel abtreten. Im Zuge dessen bot sie den Gemeinden an, das Funksignal künftig für jährlich 1800 Euro plus Mehrwertsteuer zu senden. Die Geräte hätten sie für 3000 Euro netto kaufen müssen. Die Dörfer lehnten jedoch ab, so Brötzmann. Die Anlage sei angesichts des niedrigen Spareffekts schlicht unwirtschaftlich. Der Netzbetreiber wird sie abbauen. Im Gespräch ist, dass künftig die Stadtwerke die Lichter steuern.

Und woran scheiterte das Projekt? Möglicherweise an der Unbeirrbarkeit der Sonne. Sie geht ja in der Haseldorfer Marsch nicht nur 20 Sekunden später als am Tornescher Rathaus unter, sondern auch auf. Der abends gesparte Strom wird morgens wieder verbraucht. Ein Wunder also, dass die Kosten überhaupt sanken.

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