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Gemeindevertretung Haseldorf : Gegenwind für Hafenausbau-Planer

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

„Die Tourismusbelastung ist für uns jetzt schon mehr als ausreichend. Gegen einen Ausbau des Hafens wehren wir uns deshalb energisch“, formulierte Hendrik Schlittke seinen Ärger auf der Sitzung der Haseldorfer Gemeindevertretung. Damit hatte das Rätselraten über die ungewöhnlich große Anzahl an Bürgern, die zur Versammlung in den „Haseldorfer Hof“ gekommen waren, für Bürgermeister Uwe Schölermann (CDU) ein Ende.

Die Einwohnerfragestunde wurde zur Protestaktion. Gegen das angeschobene Projekt Hafenausbau hat sich im Ort Widerstand formiert. Er kommt hauptsächlich von den Anwohnern der schmalen Hafen-Zufahrtsstraße Achtern Dörp und wird von Mitgliedern des Wassersportclubs Haseldorf und der SPD unterstützt.

Schölermann glättete die Wogen, indem er eine Einwohnerversammlung in Aussicht stellte. Sie findet nach Terminabsprache mit Vertretern der Polizei, der Verkehrsbehörde sowie dem Ingenieurbüro, das die Ausbaupläne für den Hafen erarbeitet hat, im April statt. Die Haseldorfer werden per Hauswurfsendung informiert. Neben dem Thema Hafenausbau soll auch das in der Vergangenheit kontrovers diskutierte Thema Verkehrssituation in den Straßen Deichreihe und Neuer Weg auf den Tisch kommen. Zu den Bereichen Breitband und Kita-Plätze wird gesondert informiert.

„Wir haben hier genügend Angebote für Touristen. Mehr brauchen wir nicht“, sagte Gästeführerin Annegret Hamster. Vom Wassersportverein gab es Rückendeckung für die Hafenausbau-Gegner. Dieter Sellmann, stellvertretender Vorsitzender, sagte: „Wir haben vor vier Wochen Stellung bezogen. Mit hoher Kritik.“ Den Wassersportlern nütze der Ausbau des Hafens nicht. „Wir wollen lediglich eine intakte Kaimauer“, so Sellmann.

Gemeindevertreter Thomas Hölck monierte die Informationspolitik vor Ort. „Die Stellungnahme vom Wassersportverein hätte bereits im Finanzausschuss zur Sprache kommen müssen“, bemängelte er. Auch Anwohner Schlittke kritisierte: „Wer etwas erfahren möchte, muss im Internet recherchieren. Mit den Leuten, die es angeht, hat niemand geredet.“ Seine Nachbarn aus der als 30er Zone ausgewiesenen Straße Achtern Dörp ärgern sich über Verkehrschaos und pöbelnde Autofahrer, die die aufgestellten Verkehrszeichen ignorieren. Insbesondere an Wochenenden stauen sich vor der Deichstöpe, die an dem Engpass liegt, die Autos.

„Wir sind Opfer der Tourismuspolitik“, beklagte Schlittke. „Sind die Maßnahmen mit dem Umweltschutz abgestimmt“, hakte ein anderer Versammlungsbesucher nach. Frank Schoppa, Kassierer des SPD-Ortsvereins, fragte: „Auf welcher Grundlage wurden die Hafenausbaupläne entwickelt?“ und gab zu bedenken: „Förderung ist schön und gut. Aber die Gemeinde muss ja auch einen Eigenanteil leisten.“

SPD-Gemeindevertreter Boris Steuer ergänzte: „Einen Finanzplan gibt es nicht. Wir haben ein Haushaltsdefizit von 140000 Euro und müssen auf unsere Rücklagen zugreifen.“ Die Projekte Kita und Turnhalle hätten aus seiner Sicht Priorität. „Da habe ich kein Problem, kein Geld auszugeben“, sagte er.

Das Projekt Hafenausbau

Die Mehrheitsfraktion der CDU um Bürgermeister Uwe Schölermann möchte den Haseldorfer Hafen touristisch aufwertet. Geplant sind Wohnmobilstellplätze mit Stromversorgung, eine Schließanlage, ein barrierefreier Schwimmsteg und eine zum Flanieren und Verweilen einladende Promenade entlang der Kaimauer. Die AktivRegion Pinneberger Marsch & Geest hat zugesagt, das 370000-Euro-Projekt mit 100000 Euro aus EU-Mitteln zu fördern. Zusätzlich hat die Metropolregion Hamburg weitere Fördermittel in Höhe von rund 90000 Euro bereitgestellt.

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erstellt am 16.Mär.2016 | 19:13 Uhr

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