Ernst Barlach Haus : Gebaute Bilder: Abstraktion im Park

Im Ernst Barlach Haus im Jenisch Park ist eine neue Ausstellung unter dem Titel: „Gebaute Bilder“ eröffnet worden, die aus der Sammlung Hupertz stammt.

shz.de von
21. Februar 2013, 19:02 Uhr

In den letzten 40 Jahren trugen der Hamburger Architekt Stephan Hupertz und seine Frau Birgit mehr als 400 Bilder und Objekte zusammen, von denen rund 100 jetzt gezeigt werden. Ein Schwerpunkt der Sammlung sind Werke der russischen und osteuropäischen Avantgarde aus den 1910er und 1920er Jahren. Interessante geometrisch-konstruktivistischen Arbeiten von Olga Deineko, Iwan Kljun, Wladimir Lebedew u. a. werden gezeigt, die sich abgewandt hatten von akademischen Traditionen. Sie arbeiteten ungegenständlich, elementar, reduziert und mit Utopien bezüglich der bisherigen gesellschaftspolitisch überfrachteten Kunst. Die Maler in Westeuropa machten es ihnen nach. Über den Kubismus und Futurismus gelang der Sprung in den Konstruktivismus, der für viele Künstler die Hoffnung war, hin zu einer „befreienden Zeitenwende.“ Denn humanistische Ideale und die Technik- und Wissenschaftsbegeisterung sowie fortschrittliche politsche Konzepte ließ die Künstler zu „Gestaltern einer besseren Welt werden.“

Aus der Hupertz Sammlung sind ebenfalls Werke von Künstlern wie Kurt Schmidt und zeitweilig auch Thilo Maatsch die um 1919 im neu gegründeten Bauhaus studierten. Als Folge entstanden in den 1910er Jahren schnell hintereinander neue Kunststile, Manifeste und Gruppierungen. Der in Paris lebende Russe Michail Larionow entwickelte 1913 seine „rayonistische“ Malerei der Lichtbündel und Farbstrahlen. Um 1915 brachte Kasimir Malewitsch den „Suprematismus“ auf, dessen Schüler Nina Kogan, Ilja Tschaschnik, Lasar Chidekel und Nadeschda Udalzowa auch Werke ausstellen. In Berlin hatten die Künstler der internationalen Avantgarde durch Herwarth Walden eine Plattform. Er gründete 1912 die Galerie „Der Sturm“. Kunstschaffende wie Willi Baumeister, Erich Buchholz, Walter Drexel, Marthe Donas, Lajos d´Ébneth oder Otto Freundlich stellten dort aus. Jetzt können ihre Bilder im Ernst Barlach Haus besichtigt werden. Um 1920 konstituierten sich die kommunistisch gesinnten „Kölner Progressiven“, wie Heinrich Hoerle und Franz Wilhelm Seiwert und die „abstrakten hannover“ mit Rudolf Jahns. Ein chronologisches Bild kunsthistorischer Entwicklung zeichnet diese Schau nicht, vielmehr verknüpft sie Positionen der klassischen Moderne mit junger Kunst von Frank Badur, Hanne Darboven u. a. Eine Kuratorenführung ist für den 26. Februar um 18 Uhr angesetzt. Öffentliche Führungen sind jeden Sonntag um 11 Uhr. Öffnungszeiten: Di.-So. 11-18 Uhr (bis 26. Mai) in der Baron-Voght-Straße 50a.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert