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Klosterkultur : Gambenklänge begeistern Publikum

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Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Auch die Krimilesung tzum Thema Telemann sorgte für heitere Momente.

Uetersen | Etwa 80 Literatur- und Musikinteressierte genossen einen unterhaltsamen und informativen Sonntagnachmittag, zu dem die Gesellschaft der Freunde des Klosters Uetersen in die Gräfin-von-Bredow-Scheune eingeladen hatte. Unter der Überschrift „Fantasien“ gestalteten die Krimiautorin Petra Oelker und die Gambistin Simone Eckert ein Programm mit Erzählungen und Musik aus dem historischen Hamburg zu Zeiten Georg Philipp Telemanns, dessen 250. Todestag in diesem Jahr begangen wird.

Die Symbiose bestehend aus dem Vortrag von Textstellen aus dem 1765 in Hamburg angesiedelten Kriminalroman „Tod am Zollhaus“, lockeren Erzählungen über das Leben und Wirken Telemanns in der Hansestadt und dem Klang einer 300 Jahre alten Viola da gamba war äußerst gelungen. Mit großem Interesse folgten die Veranstaltungsbesucher in historischem Ambiente der Konzertscheune auf dem Klostergelände Ueterst End dem Ausflug in das 18. Jahrhundert und tauchten in die Welt des angesehenen Komponisten der Barockzeit, Telemann (geboren am 14. März 1681 in Magdeburg, gestorben am 25. Juni 1767 in Hamburg), ein. Es ist durchaus möglich, dass Telemann die historische Viola da gamba des Hamburger Instrumentenbauers Tielke, auf dem Eckert, Musikerin und Musikwissenschaftlerin für Alte Musik, Telemanns „Fantasien“ spielte, seinerzeit in den Händen hielt.

Eckert (Jahrgang 1966) arbeitet als Gambistin, künstlerische Leiterin, Agentin und Managerin ihres Ensembles „Hamburger Ratsmusik“. Und auch zu Zeiten Telemanns gab es bereits die Hamburger Ratsmusikanten, für die der fleißige Komponist Stücke schrieb. Zwölf Gamben-Fantasien Telemanns wurden vor kurzem erst wieder aufgespürt. Vier davon brachte Eckert, die auch als Herausgeberin neu entdeckter Musik für Viola da gamba tätig ist, in der Klosterscheune und damit erstmals im Kreis Pinneberg zu Gehör.

Ein stimmiges Sittengemälde

Ein stimmiges Sittengemälde der Zeit Telemanns in Hamburg zeichnet die Hamburger Journalistin und Autorin (Jahrgang 1947) in ihren historischen Bestseller-Kriminalromanen um die junge Komödiantin Rosina und den freigeistigen Kaufmann Claes Herrmanns. Sie las an dem Nachmittag aus ihrem Debütwerk von 1997 „Tod am Zollhaus“, in das sie historisch belegte Personen wie Telemann oder auch den ganz jungen Wolfgang Amadeus Mozart eingebunden hatte, eine Kaffeehaus-Szene und eine Szene, in der das Wunderkind Mozart und Telemann zusammentreffen, vor. Ihr umfangreiches Wissen über Telemann, das sie bei ihren Recherchen zu „Tod am Zollhaus“ zusammengetragen hatte, gab sie in lockeren Erzählungen an die Veranstaltungsbesucher weiter. Und so erfuhren diese, dass Telemann in seiner Zeit in Hamburg ab 1721 nicht nur ein fleißiger Schreiber von Kunstliedern, Kantaten, Oratorien, Opern und Arien, Kantor des Johanneums, Musikdirektor der Stadt und später auch Leiter der Oper war, sondern auch ein geschäftstüchtiger Verleger von Notenwerken.

„Telemann muss eine unglaubliche Energie gehabt haben. Er war ein fröhlicher, geselliger Mensch und Vermarkter seiner selbst“, so die Darstellung von Oelker. Sie beschrieb, dass Telemann bis in seine letzten Tage komponiert hat und ein wacher Geist war.

Eine kinderreiche Familie

In Hamburg habe er mit seiner kinderreichen Familie in einem Haus zwischen Gänsemarkt und Jungfernstieg gelebt. Seine erste Frau war im Kindbett gestorben. Mit seiner zweiten Frau, Maria Catharina, die er als Teenagerin geheiratet hatte und die sich als Hessin in Hamburg nicht wohl fühlte, hatte er in zwölf Jahren neun Kinder, dazu die Tochter aus erster Ehe. 1735 ging Maria Catharina nach Frankfurt zurück. Die Ehe war geschieden worden. Telemann hatte festgestellt, dass seine Frau im Glücksspiel viel Geld verloren hatte.

Er beglich die Schulden und blieb ein geachteter Mann und ein mit seinen Werken in Europa gefeierter Musiker. Er liebte Blumen und hatte einen wunderschönen Garten mit damals sehr kostbaren Hyazinthen. „Behalten Sie Telemann in guter Erinnerung“, gab Hubertus Graf von Luckner, Klosterprobst in Uetersen, den Konzertgästen mit auf den Weg und dankte Musikerin Eckert und Autorin Oelker für die musikalischen und literarischen Bereicherungen rund um Telemann.

Organisiert hatten die Veranstaltung Sylvia Hoffmann-Sziegoleit, Dr. Meinhard Sziegoleit sowie Helga und Günther Oldhaber, Mitglieder der Gesellschaft der Freunde des Klosters Uetersen. Die kulinarische Begleitung hatte das Presse-Café übernommen, und die Buchhandlung Lavorenz hatte einen Tisch mit Büchern der Krimiautorin aufgebaut.

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erstellt am 19.Jun.2017 | 16:05 Uhr

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