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Trip um den Globus : Frau aus Alaska strandet in Uetersen

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Nach einem Schaden an ihrem Motorrad erfährt die 31-Jährige aus Alaska in Uetersen die benötigte Hilfe.

shz.de von
erstellt am 13.Okt.2017 | 16:11 Uhr

Uetersen | Die Frage, ob sie ihr Motorrad mehr liebe als ihren Partner, würde Nikki Misurelli vermutlich mit Ja beantworten. Die 31-Jährige mit Wohnsitz in Alaska (USA) liebt die Freiheit und will die Welt entdecken. Für den Trip rund um den Globus ließ sie ihren Freund in Alaska sitzen, verkaufte alles, was sie hatte, setzte sich auf ihre Honda CBR600RR und brauste los. Jetzt ist sie in Europa angekommen, bereiste zuletzt Deutschland und − blieb am Dienstag mit ihrem Zweirad in Hamburg mit Motorschaden liegen. Was tun, wo jetzt eine Werkstatt finden, die helfen kann?

Über einen Bekannten wurde der Kontakt zu Florian Engel hergestellt. Der betreibt an der Uetersener Großen Twiete eine Motorradwerkstatt, die Engelsschmiede. Und so strandete die Weitgereiste ganz unfreiwillig aber bestens gelaunt noch am selben Tag in der Rosenstadt. An der Großen Twiete benötigte man für die Reparatur, weil Ersatzteile beschafft werden mussten, einen zweiten Tag. Am Ende war alles gut, die Fahrt konnte fortgesetzt werden.

Von Alaska aus über Australien bis nach Uetersen − manche Wege sind eben sonderbar. Doch dass nicht alles rund läuft, kennt die US-Amerikanerin, die in den sozialen Netzwerken nicht nur tausende Fans gewonnen hat, sondern dort auch unter dem Stichwort „Alaska Moto Girl“ fast täglich postet. Seit drei Jahren ist sie jetzt mit ihrem Bike in der Welt unterwegs, hat inzwischen mehr als 30 Länder dieser Erde bereist und die Kulturen studiert. Misurelli besuchte bereits 2010 alle US-Bundesstaaten, damals mit ihrem Auto, war 2013 zu Fuß in Australien unterwegs und bereiste mit der Honda 2015/16 Süd- und Mittelamerika. Rund 20  000 Meilen hat sie inzwischen zurückgelegt.

Freund hatte kein Verständnis für Pläne

Eigentlich wollte sie den Trip durch die Welt gemeinsam mit ihrem Freund machen. „Ich habe ihn gefragt, ob er mitkommen wolle. Aber er hat gesagt, das sei nichts für ein Mädchen, das sei nur etwas für einen Mann. Ich würde es vermutlich nicht schaffen. Es sei zu gefährlich“, erzählt Misurelli. Also habe sie Schluss gemacht und sei alleine losgefahren. Die damals 29-Jährige entließ ihren Freund aus der Partnerschaft und tauschte ihre konventionellen Straßenreifen gegen zwei Sportgummis aus. Dann verließ sie Alaska und fuhr ihre ersten 12  000 Meilen in Richtung Panama. Anfang dieses Jahres ist sie auf dem „alten Kontinent“ angekommen. Italien, Spanien, Frankreich, Gibraltar, Portugal, Österreich, Slowenien und sogar der Norden Marokkos wurden durchquert. Derzeit ist sie in den Niederlanden unterwegs. Als nächstes möchte das „Alaska Moto Girl“ den Mittleren Osten bereisen.

Abgesehen davon, dass sie ihren Freund ihrem Streben nach Abenteuer geopfert hatte, musste Misurelli auch ihren Beruf, ihr Haus und alles andere, was beide gemeinsam aufgebaut hatten, aufgeben. „Viele nehmen an, dass ich reich bin“, sagt sie. „Aber das ist nicht wahr. Ich habe kein Haus und kaum Besitz. Es ist erstaunlich, wie wenig wir im Leben wirklich brauchen.“

Mit einem Zelt, einer Hängematte, einem Schlafsack und ein paar Kleidungsstücken bewaffnet hat die Amerikanerin das geschafft, wovon viele träumen: Ein Leben auf der Straße, ohne festen Bestimmungsort und ohne irgendwelche Pläne. Aber: Der Zeitung „The Independent“ hat sie in Großbritannien von einigen ihrer unangenehmeren Erfahrungen berichtet. Die gab es nämlich auch. Von einer Übernachtung unter einer Autobahnbrücke zum Beispiel. „Ich habe in den Bergen gezeltet, aber es war wirklich kalt, der Regen fiel in Strömen, und ich wollte es warm haben, ohne Wind und Regen.“

Aber sie erzählte auch, dass sie es eigentlich genau so gewollt habe. Trotz der Autobahnbrücke sei sie noch immer davon überzeugt, genau das Richtige getan zu haben. Und ihre Erfahrung mit den Menschen dieser Erde ist eine ganz andere gewesen. „Schlechte Dinge können überall auf der Welt passieren, aber es gibt mehr gute Menschen als schlechte.“ Diese Worte möchte sie auch als Botschaft an Frauen verstanden wissen, die reisen wollen − vielleicht sogar ebenfalls mit dem Motorrad. „Ich möchte, dass Frauen auf der ganzen Welt rauskommen und reisen“, erklärt sie ihre Rolle einer Abenteuer-Botschafterin.

Doch ohne Geld geht es dann doch nicht. Ihre Touren werden daher immer wieder von der Notwendigkeit unterbrochen, mit Arbeit das notwendige Bare für ihre nächsten Vorhaben zu verdienen. Und das tut sie − mal hier, mal dort. „Normalerweise arbeite ich drei bis sechs Monate lang sehr hart und spare das Geld, dann gehe ich wieder für drei bis sechs Monate und gebe es aus“, hat sie einem ihrer Follower im Internet erklärt. Ihr Zwischenfazit nach drei Jahren „auf Achse“: „Wenn du etwas willst, kannst du es schaffen“.

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