Ausstellung im AWO-Zentrum : Fotos als Plädoyer für das Leben

Eine Fotoausstellung, in deren Mittelpunkt Jule – ein Mädchen mit Trisomie 21 (Down Syndrom) steht - wird aktuell im Foyer des AWO Wohn- und Servicezentrums gezeigt. „Selten war die Resonanz auf eine Ausstellung so positiv. Viele Bewohner und Gäste unseres Hauses bleiben stehen, schauen sich die Fotos an und lesen die erklärenden Texte“, betont Klaus Griebel, im AWO-Zentrum für Technik und Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

shz.de von
22. Oktober 2012, 21:21 Uhr

Initiatorin der Ausstellung ist Gabriele Kascha. Sie ist beruflich als Heilpädagogin im Frühförderbereich und als Lehrkraft in einem Förderzentrum des Kreises Pinneberg sowie ehrenamtlich in der Frühförderung tätig. Als Erste Vorsitzende des Vereins Selenogradsk hat Gabriele Kascha im Rayon Selenogradsk eine Freizeiteinrichtung für Menschen mit geistiger oder Mehrfachbehinderung aufgebaut. Zwei Jahre lang hat Gabriele Kascha Jule, die damals zwei Jahre alt war, begleitet und ehrenamtlich bei der Sprachentwicklung gefördert. „Jule ist heute ein interessiertes und sehr aufgewecktes Schulkind in einem Förderzentrum mit Schwerpunkt geistige Entwicklung“, so Gabriele Kascha. Sie hat einen Teil der in der Ausstellung gezeigten Fotos aufgenommen. Auch die Mutter der kleinen Jule, die bei den Förderstunden meist anwesend war, hat fotografiert. 40 Fotos und erklärende Texttafeln bringen dem Betrachter nicht nur eine fröhliche Jule nahe, sondern verdeutlichen auch, was sie so anders und das Leben mit ihr so reich macht. Außerdem vermittelt die Ausstellung einen professionellen Überblick über alle Förderbereiche.

Bei Jule wurde bereits im Mutterleib festgestellt, dass sie eine Trisomie 21 (Down Syndrom) haben würde. Ihre Eltern haben sich nach reiflicher Überlegung entschlossen, Jule das Leben zu schenken. Die Ausstellung wirft damit auch die Frage nach Fluch oder Segen der Pränataldiagnostik auf. „Wir sollten akzeptieren, dass es Unterschiede geben muss, die uns als Gesellschaft ausmachen und uns bereichern“, betont Gabriele Kascha. Ihre Forderung heißt daher: Förderung, Erziehung, Bildung und Betreuung von Kindern, auch mit Behinderungen.

Doch aus Erfahrung weiß sie auch, dass für eine schwangere Frau der Erwartungsdruck, dass sie ein gesundes Kind zur Welt bringen sollte, enorm belastend sein kann. Und auch die Zahlen von Schwangerschaftsabbrüchen zum Beispiel bei Trisomie 21 von bis zu 98 Prozent weisen darauf hin, dass offenbar ein Zusammenhang zwischen positiven Befunden nach Pränataldiagnostik und Abtreibungen zu bestehen scheint.

Die Ausstellung verbleibt bis etwa 15. Dezember im Foyer des AWO-Zentrums. Interessierte sind willkommen, zu den Öffnungszeiten von 8 bis 19 Uhr vorbeizuschauen und sich die beeindruckende Fotoausstellung anzusehen.

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