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Streit im Neubaugebiet : Forellenring in Tornesch: Eine Familie kämpft um ihr Recht

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Feuchtigkeit hat im Haus einer vierköpfigen Familie für großen Schaden gesorgt. Niemand übernimmt die Verantwortung.

von
erstellt am 24.Jun.2017 | 10:00 Uhr

Tornesch | Lärm, Leben aus Kisten und zehntausende Euro an zusätzlichen Kosten − der Traum vom eigenen Haus ist für die vierköpfige Familie Vogt aus Tornesch zum Albtraum geworden. Grund ist ein Wasserschaden, der das gesamte Gebäude in Mitleidenschaft gezogen hat. Bislang will allerdings niemand die Verantwortung dafür übernehmen. Dabei sei die Schuldfrage eigentlich klar, betont ein Sachverständiger. Der Experte kritisiert aber auch grundsätzlich das Entwässerungskonzept in dem Neubaugebiet „Tornesch am See“.

Es ist der 25. Februar dieses Jahres, als Christian Vogt zum ersten Mal Feuchtigkeitsflecken an einer Wand entdeckt. „Ich dachte zunächst, eines unserer Kinder hätte Wasser an die Wand gespritzt“, sagt der 36-Jährige. Doch schnell wurde deutlich, dass etwas nicht stimmt in dem Haus am Forellenring, in das Vogt mit seiner Frau Janina Vogt-Weller und den Kindern Bastian und Tobias erst knapp ein Jahr zuvor eingezogen war. „Wir dachten gerade, nun ist alles fertig“, beschreibt die 35-jährige Vogt-Weller die Gemütslage zu Jahresbeginn.

Den ersten Wasserschaden meldet das Ehepaar dem Generalunternehmer und der Versicherung. Experten und Gutachter geben sich daraufhin die Klinke in die Hand. Mitte Mai folgt ein „Gipfeltreffen“ mit einem Mitarbeiter des Unternehmens Kagebau, dem Generalunternehmer, und einem Experten für Trocknungstechnik. Sie stellen im Flur Feuchtigkeit und sogar Schimmelbildung fest − und geben den entscheidenden Hinweis. „Es wurde darauf hingewiesen, dass ein Rohr nicht abgedichtet wurde“, sagt Vogt.

Der große Wassereinbruch am 19. März

Drei Hausanschlüsse gibt es, jeweils einen für Wasser, Strom und Telefon. „Betroffen war maßgeblich das Wasserrohr“, sagt der 36-Jährige, der den Schaden bei den Stadtwerken Tornesch meldet. Doch am 19. März passiert es. „Es hat sehr stark geregnet. Wir haben dann regelmäßig den Wasserstand in dem Rohr gemessen und festgestellt, dass er steigt“, erinnert sich Vogt-Weller. Das Ehepaar macht zudem einen Riss in dem Rohr aus. Durch diesen sei das Wasser in die Konstruktion gelaufen, sind sie sich sicher.

Das sieht auch Hans-Peter Sommer so. Der Diplom-Ingenieur aus Horst ist Experte für Bauwerksabdichtungen. Sommer hat sich nicht nur die Situation vor Ort angeschaut, sondern auch ein Kurz-Gutachten verfasst, das unserer Redaktion vorliegt. Darin heißt es: „Eingedrungene Feuchtigkeit hat sich ungehindert auf der Bitumenbahn, die auf der Bodenplatte als Abdichtung gegen Bodenfeuchte verlegt war, ausgebreitet.“ Schuld seien die nicht abgedichteten Versorgungsleitungen, so Sommer. Die überwiegende Verantwortung für den Schaden liege deswegen bei der Firma TSN und den Stadtwerken Tornesch als Auftraggeber. Sommer schreibt: „Die Firma TSN hat eigenverantwortlich in die vorhandenen KG-Rohre später die Leerrohre gelegt. Hierbei hätten unbedingt Abdichtungsmaßnahmen zwischen den KG-Rohren und den Leerrohren erfolgen müssen.“

Voll bis zum Rand: Die Mulden neben dem Grundstück der Familie am Forellenring nach einem heftigen Niederschlag.
Voll bis zum Rand: Die Mulden neben dem Grundstück der Familie am Forellenring nach einem heftigen Niederschlag. Foto: uen
 

Doch der Ingenieur kritisiert auch das Entwässerungskonzept in dem Neubaugebiet. Dieses funktioniert über Mulden, die das Wasser aufnehmen sollen. „Bei starken Regenfällen drückt Wasser von den Mulden zu den Gebäuden im Bebauungsplan 79 zurück“, erläutert Sommer. Die Grundstücksentwässerung sei somit nicht sicher, wenn es in den Mulden zu Verstopfungen komme. Und die hätte er selbst festgestellt, sagt der Ingenieur. Sommer betont: „Wenn die Mulden funktioniert hätten, wäre der Schaden für Familie Vogt nicht entstanden.“

An mehreren Stellen im Haus hatte sich Schimmel gebildet.
An mehreren Stellen im Haus hatte sich Schimmel gebildet. Foto: uen

Bauunternehmer, Stadtwerke, TSN − bislang hat niemand die Verantwortung übernommen. Der Haftpflichtversicherer der Stadtwerke, der kommunale Schadenausgleich (KSA), betont in einem Schreiben, dass „die Nutzung des KG-Rohres durch die Firma TSN nicht als ursächlich für die Gebäudefeuchte erwiesen werden kann“. Zudem bestreitet der KSA, dass es Mitte März Niederschläge gegeben habe, die das Grundwasser derart steigen ließen, dass es zum Austritt von Wasser aus dem KG-Rohr hätte kommen können.

Das Ehepaar Vogt ist mittlerweile in Vorleistung getreten. „Wir haben ein Darlehen in Höhe von 50.000 Euro aufgenommen“, sagt Christian Vogt. Damit sollen die gröbsten Schäden beseitigt werden. Vier Wochen lang wurde das Haus getrocknet, Möbel mussten eingelagert, Kleidung auf den Dachboden verfrachtet werden. „Man lebt auf einmal im Chaos“, sagt Vogt-Weller. Eine Zeit lang habe sie mit ihren Kindern sogar in einem Wohnwagen leben müssen, berichtet die 35-Jährige. Insbesondere für den vierjährigen Bastian ist die Situation belastend. Der kleine Junge ist gehbehindert, kann sich lediglich mithilfe eines Wagens eigenständig fortbewegen. Doch das haben Maschinen, Schläuche und Kisten unmöglich gemacht.

Bürgermeister Roland Krügel, der auch Geschäftsführer der Stadtwerke Tornesch ist, äußerte im Gespräch mit unserer Zeitung sein Mitgefühl für die Familie Vogt. Der Verwaltungschef hatte in den vergangenen Wochen mehrfach Kontakt mit dem Ehepaar. Krügel betonte: „Ich würde gerne helfen.“ Doch der Sachverhalt müsse zunächst lückenlos aufgeklärt werden. Und da die Aussagen der Beteiligten widersprüchlich seien und zudem der KSA den Anspruch abgelehnt habe, „läuft es jetzt leider über die Anwälte“, so Krügel. Irritiert zeigte sich der Bürgermeister darüber, dass die Familie ihre Forderungen bislang nicht im Detail geltend gemacht habe. Die Kritik am Entwässerungssystem kann Krügel nicht nachvollziehen. „Es ist mit der Wasserbehörde abgestimmt und funktioniert.“

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