zur Navigation springen
Uetersener Nachrichten

22. September 2017 | 15:40 Uhr

Uetersen : Flüchtlings-Beratung auf der Kippe

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Die Mitglieder des Sozialausschusses haben die Entscheidung über die Verlängerung des Kooperationsvertrags mit der Diakonie vertagt.

shz.de von
erstellt am 29.Mai.2016 | 16:28 Uhr

Uetersen | Die beiden Flüchtlingskoordinatorinnen der Stadt Uetersen, Anita Biskup und Ellen Hehnke, gaben den Mitgliedern des Sozialausschusses einen umfangreichen Einblick in ihre Arbeit. Trotz breiter Anerkennung aus den Reihen aller Fraktionen stimmte der Sozialausschuss einer Verlängerung des Kooperationsvertrags mit dem Diakonieverein Migration, für den die beiden tätig sind, zunächst nicht zu. Diese Entscheidung wird erst in der Sitzung des Hauptausschusses am 15. Juni gefällt.

Der Kooperationsvertrag mit der Diakonie kostet die Stadt Uetersen 52  000 Euro jährlich, wobei zumindest ein Teil der Kosten durch Bundesmittel, die pro ankommenden Flüchtling an die Stadt fließen, gedeckt ist. CDU-Fraktionsvorsitzender Andreas Stief störte sich an der Länge der Kündigungsfrist von sechs Monaten: Man müsse den Vertrag vorsorglich kündigen, da man den Bedarf angesichts rückläufiger Flüchtlingszahlen für das kommende Jahr schwer prognostizieren könne. Parteikollegin Cornelia Maßow erinnerte daran, dass die Pauschale vom Bund nur für ankommende Flüchtlinge gezahlt wird. Bundesmittel für die Betreuung bereits anerkannter Flüchtlinge stünden nicht zur Verfügung, auch wenn die Flüchtlingskoordinatorinnen hier wertvolle Arbeit leisteten.

Die Nachfrage von Andrea Schneider (Grüne), ob die Stadt nach einer vorsorglichen Kündigung ohne Weiteres mit einem Anschlussvertrag mit der Diakonie rechnen könne, wurde von Bürgermeisterin Andrea Hansen verneint: Angesichts des hohen Beratungsbedarfs von Migranten wurden seitens der Diakonie bereits Kräfte aus Uetersen abgezogen. Die Migrationssozialberatung, die hier einen Tag in der Woche durchgeführt wurde, ist nach Wedel verlegt worden. In Uetersen ist eine solche Beratung jetzt nur noch in der Parkstraße beim Einwandererbund möglich.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Ingo Struve mahnte: „Wir haben etwa 300 Flüchtlinge in der Stadt, diese Menschen sind nicht auf Knopfdruck integriert.“ Den Vertrag für deren Beratung nicht zu verlängern, sei auch ein falsches Signal an alle Ehrenamtlichen. Bürgermeisterin Andrea Hansen (SPD) befand: „Die Flüchtlinge haben einen hohen Beratungsbedarf. Der Frieden in der Stadt ist wichtiger als alles andere und sollte uns etwas wert sein.“ Auch Bürgervorsteher Adolf Bergmann (CDU) möchte das Netzwerk weiter bestehen lassen. Bis zur Hauptausschusssitzung im Juni sollen nun alle Fraktionen ihre Fragen zum Thema zusammenstellen. Insbesondere soll erläutert werden, wieso der Beratungsbedarf trotz rückläufiger Flüchtlingszahlen gleich hoch ist.

Wie umfangreich ihre Tätigkeit ist, berichteten die beiden betroffenen Flüchtlingskoordinatorinnen. Anita Biskup ist mit 15 Wochenstunden für die Koordination der Ehrenamtlichen zuständig. „Wir haben eine gewachsene Ehrenamtlichen-Struktur in Uetersen“, lobte Biskup. Allerdings agierten viele Gruppen nebeneinander, und die Förderung der Kommunikation unter den etwa 200 Helfern ist nun ihre Aufgabe, ebenso wie die Kooperation zwischen verschiedenen Koordinatoren anderer Städte. Ellen Hehnke ist seit März mit 24 Wochenstunden im Einsatz, ihr Fachgebiet ist die rechtliche Beratung. So prüft sie Asylbescheide auf mögliche Fehler, hilft bei der Suche nach einem passenden Rechtsbeistand sowie eines Dolmetschers und vermittelt die medizinische Versorgung Schwangerer.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen