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Einwohnerversammlung : Flüchtlinge erfahren viel Hilfe

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Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

In Uetersen funktioniert vieles besser als in anderen Kommunen. Insbesondere die Ehrenamtlichkeit ist in der Rosenstadt weit besser ausgeprägt (und vernetzt) als in anderen Städten und Gemeinden des Kreises. Das darf als Kernbotschaft der Einwohnerversammlung, am Freitag in der Kleinen Stadthalle, festgehalten werden. „Hilfe für Menschen in Not – wir schaffen das“, so war das Thema überschrieben, das rund 250 Einwohner in die Kleine Stadthalle an der Berliner Straße lockte.

shz.de von
erstellt am 27.Sep.2015 | 21:59 Uhr

Weitere rund 30 Bürger waren aufgrund eines anderen Themas erschienen. Eltern der Friedrich-Ebert-Schule waren es, die sich gerne ein weiteres Mal mit der Schulsituation an der FES befasst hätten. Die große Mehrheit in der Stadthalle aber wollte nichts von Zwei-, Drei- oder Vierzügigkeit wissen. Der Antrag auf Erweiterung der Tagesordnung wurde abgelehnt. Auch das Thema „Koordination der Flüchtlingsarbeit“ sollte auf Wunsch einer Teilnehmerin auf die Tagesordnung. Doch auch damit wurde es nichts.

Viele Bürger hätten Ängste, viele hätten Fragen, begann Bürgervorsteher Adolf Bergmann seine einleitenden Worte. Manche Flüchtlinge meinten, dass in Deutschland Träume wahr würden, doch dem sei nicht so. Der Weg nach oben sei beschwerlich und mitnichten einfach. Nicht alle Flüchtlinge hätten ein Bleiberecht in Deutschland. Doch wer vor Terror und Kriegen geflüchtet sei, verdiene unsere Solidarität. In Uetersen, so Bergmann, der zur Versammlung eingeladen hatte, weiter, sei kein Platz für Fremdenfeindlichkeit. Uetersen sei vielmehr eine Stadt, in der Toleranz der bestimmende Faktor sei. Auflehnen und Ablehnen stehe hier nicht zur Debatte. Es gehe jetzt darum, den Flüchtlingen zu helfen, ihnen Respekt und Fürsorge entgegenzubringen und die Werte vorzuleben. „Unser Alltag wird durch die Flüchtlinge bunter“, so der Bürgervorsteher.

Eingeladen hatte Bergmann, da auch in Uetersen ein rasanter Anstieg der Flüchtlingszahlen festzustellen sei und er es für geboten hielt, die Situation zu erläutern. Der Abend aber war auch geeignet, um den am Thema Interessierten Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sich jeder in die ehrenamtliche Arbeit einbringen kann. Als Referenten anwesend waren daher Vertreter der „Uetersener Tafel“, der „Fahrradwerkstatt“, der DRK-Kleiderkammer“, des „Willkommens-Teams“, des „Sprachcafés“, des „Diakonievereins Migration“, des „Martin-Luther-Hauses“ und des „Freiwilligenforums“.

Bevor sich diese Multiplikatoren vorstellten, erläuterte Bürgermeisterin Andrea Hansen aktuelle Zahlen. Demnach gibt es aktuell rund 190 Flüchtlinge, die in Uetersen leben. Pro Woche kommen sechs hinzu. Derzeit könne, so die Verwaltungsleiterin, die Stadt alle Flüchtlinge noch dezentral unterbringen. Bislang finde man genug Vermieter, die bereit seien, ihre Wohnungen zu vertretbaren Mietpreisen zur Verfügung zu stellen, lobte sie auch diesen Umstand. Allerdings werde man den Bau neuer Wohnungen ins Auge fassen müssen. Dafür benötige man eine kreative und handlungsfähige Bauwirtschaft. Eigentlich müsse es jetzt losgehen, so Andrea Hansen, die ferner das Procedere der Erstaufnahme in Neumünster erläuterte. Es gebe noch viel zu tun. Auch auf Bundes- und Länderebene. Doch müsse man sich auf die Dinge vor Ort konzentrieren. Und dass das gelinge, dass die Willkommenskultur nicht ende, davon sei sie auch dank des ausgeprägten Ehrenamtes überzeugt. „Packen wir es an, wir werden es schaffen“, schloss sie.

Die Referenten der verschiedenen Organisationen erläuterten ihre Arbeitsschwerpunkte und informierten darüber, wie jeder sich bei ihnen einbringen kann. Bedarf artikulierten alle. Ein Teilnehmer der Versammlung wollte wissen, ob es auch ein Verkehrssicherheitstraining, organisiert von der Fahrradwerkstatt, gebe. Uwe Staack vom Freiwilligenforum sagte, dass man dahingehend im Gespräch mit der Polizei sei. Die Bürgermeisterin bestätigte einen Hinweis aus dem Forum, nachdem der Kreis Überlegungen anstellt, das ehemalige Kreiskrankenhaus an der Bleekerstraße für drei Jahre als zentrale Anlaufstelle für Flüchtlinge zu nutzen.

Ob nicht noch mehr zertifizierte Sprachkurse eingerichtet werden könnten, wollte eine Einwohnerin wissen. Einfach und direkt sei besser, wurde befunden. Auch das müsse in Deutschland möglich sein. Es müsse nicht immer alles gleich zertifiziert werden, so ein Wortbeitrag aus der Versammlung. Den Flüchtlingen gehe es darum, sich im Alltag schnell zurecht zu finden. Und solche Sprachkursangebote gebe es viele in Uetersen, wurde ergänzt. Angeregt wurde ein stärkeres Engagement der Sportvereine. Lutz Schölermann, Erster Vorsitzender des TSV Uetersen und am Freitagabend anwesend, kündigte Kurse für Flüchtlinge ab Oktober an. Dass die Einbindung von Flüchtlingen in die ehrenamtliche Arbeit ein Ziel sei, unterstrich Hans-Jürgen Niedner vom Freiwilligenforum. Er ist dort zuständig für die Schülerbetreuung. Auch bei der „Uetersener Tafel“ funktioniere die Einbindung gut, so Robert Möller.

Der Bürgervorsteher dankte allen für das gezeigte Interesse. „Das war eine Auftaktveranstaltung. Ich rege einen Runden Tisch oder ein Bündnis für Flüchtlinge an, um weiter im Gespräch zu bleiben“, so Bergmann.

Mithilfe ist dort möglich – kontakttelefonnummern Brigitte Benkendorf (Sprachcafé): 04122/560522 Brunhilde Rath (Kleiderkammer): 04122/3565 Helmut Schulze (Fahrradwerkstatt): 04122/7704 Inge Staack (Freiwilligenforum): 04122/43622 Hans-Jürgen Niedner (Freiwilligenforum, Sprache):04122/44578 Kerstin Appun (Diakonieverein Migration): 04103/7029933 Robert Möller (Martin-Luther-Haus): 04122/41070 Robert Möller (Uetersener Tafel): 04122/41070 Gudrun Kaske (Willkommens-Team): 04122/54624 Kontoverbindung Sprachcafé: IBAN DE 1023051030015555725

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