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Politikerbeschluss : Flottes Pinselschwingen am LMG

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

In einer hohen Besoldung ist ein gewisser Prozentsatz an Schmerzensgeld enthalten. Inhaber von leitenden Posten im Öffentlichen Dienst wissen davon ein Lied zu singen. Alexej Stroh, Schulleiter des Ludwig-Meyn-Gymnasiums, mag sich kürzlich, im Moment des spontanen Geschehens, nicht daran erinnert haben, doch inzwischen dürfte es auch ihm dämmern: Das „Streichkonzert“ während der Beratungen im Ausschuss für Schul-, Kultur- und Sozialausschuss war kein Anschlag aus heiterem Himmel, sondern könnte ein bewusster Hinweis darauf gewesen sein, dass Rektoren viel Geld verdienen.

Was war geschehen? Der Ausschussvorsitzende, Gerhard Ruhnke (CDU), hatte den Tagesordnungspunkt „Einrichtung einer Lernwerkstatt im Ludwig-Meyn-Gymnasium“ aufgerufen. Diese soll aus mehreren Klassenräumen bestehen. Die Kosten für die baulichen Maßnahmen, für die grundsätzlich der Schulträger zuständig ist, belaufen sich nach Schätzungen auf 11400 Euro. Zuviel für die SPD-Fraktion, die während der Sitzung anregte, dass die Lehrer selber Hand anlegen sollen. Zumindest die benötigten Teppiche könnten sie selber verlegen und auch die Wände weißen. So stellten sie den Antrag, nur 8000 Euro in den Nachtragshaushalt für dieses Jahr einzustellen.

Ob er dazu mal etwas sagen dürfe, wollte Alexej Stroh vom Vorsitzenden wissen. „Natürlich“, antwortete ihm Ruhnke. Nun ging’s farbenfroh zur Sache: „Die Lehrer werden mit Sicherheit keine Räume streichen. Das ist Aufgabe des Schulträgers“, so der Direktor in Richtung der SPD. Die Sozialdemokraten aber ließen sich von dieser Attacke nicht irritieren und argumentierten vor dem Hintergrund der leeren Kassen, dass auch an der Rosenstadtschule Lehrer, Eltern und auch Schüler einmal zum Pinsel gegriffen hätten. Diese Haltung wiederum rief den Schulleiter, Wolfgang Balasus, auf den Plan, der das grundsätzlich dementierte. Es könne so gewesen sein, dass in der Vergangenheit einmal freiwillig, aus einer Initiative heraus, derartiges geschehen sei. Aber auch Balasus sagte, dass das Anstreichen von Klassenzimmern nicht Aufgabe eines Lehrers sei. An die Freiwilligkeit appellierte auch die BfB, die den Ansatz der Sozialdemokraten gar nicht so verkehrt fand. „Es ist nicht Aufgabe der Lehrer, die Räume zu streichen“, wiederholte Stroh seine Worte. Es gebe genug Dinge, die Lehrer neben ihrer Kernarbeit tun würden, freiwillige Leistungen also. Es könne nicht sein, dass man den Schulträger aus seiner Pflicht entlasse.

In Uetersen aber ist vieles anders. Insbesondere vor dem Hintergrund des Sparzwanges sahen sich die Gremienmitglieder nach längerer Debatte nicht in der Lage, der Auffassung von Alexej Stroh geschlossen zu folgen. Sie strichen vielmehr zusammen, damit nun in Eigenregie der Lehrerschaft gestrichen werden kann. Die Phase der Abstimmung: Zunächst wurde ein CDU-Antrag aufgerufen. Er ist der weitergehende gewesen, denn er war mit besagten 11400 Euro behaftet, die den Haushalt entsprechend belasten würden. Das Papier fand keine Mehrheit. Die drei CDU-Stimmen reichten nicht. Anschließend galt es, über den 8000 Euro-Vorschlag der SPD abzustimmen: „Für die Einrichtung einer Lernwerkstatt werden 8000 Euro in den Nachtragshaushalt gestellt: Es wird gebeten, die Möglichkeiten zu prüfen, Malerarbeiten und Teppichverlegen selbst zu übernehmen“. Von den zehn Ausschussmitgliedern stimmten nur die SPD-Vertreter zu, also vier. Was nun? Bekommt das LMG am Ende gar kein Geld? Irritationen machten sich breit. Doch die anderen Fraktionen hatten aufgepasst. Nicht alle stimmten dagegen, einige Mandatsträger enthielten sich, sodass sich eine relative Mehrheit gefunden hatte.

Und was sagte Stroh dazu? „Jetzt werden wir schauen, wie weit wir mit diesem Geld kommen“, so der LMG-Chef.

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erstellt am 31.Aug.2012 | 17:28 Uhr

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