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Verkehrsrechtsabend beim ADAC : Flirtbörse Straßenverkehr: In Deutschland geht’s recht munter zu

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Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Der Verkehrsrechtsabend beim ADAC, der einmal im Jahr für Mitglieder des Uetersener Ortsvereins angeboten wird, erfreut sich regelmäßig eines enormen Zulaufs. Und das liegt nicht nur am leckeren Grünkohl, der von der Küche der Familie Ratjen serviert wird, sondern auch an den beiden Referenten des Abends, die immer dabei sind, um Neues aus der Welt der Verkehrsrechtssprechung mitzuteilen oder kurzweilig zu erläutern, welche Straßenverkehrsvorschriften demnächst novelliert werden.

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erstellt am 17.Jan.2016 | 17:49 Uhr

Joachim Henningsen, Rechtsanwalt und ADAC-Justiziar, erklärte den rund 70 Anwesenden, dass nun generell eine Medizinisch-Psychiologische Untersuchung droht, wenn der Führerschein aufgrund einer Trunkenheitsfahrt entzogen worden ist. 1,6 Promille seien als bisheriger Grenzwert für den Verwaltungsgerichtshof Mannheim nicht mehr bindend gewesen. In Schleswig-Holstein sähen die Richter das bislang noch anders. Aber wie lange, könne niemand wissen. Derzeit führe das Mannheimer Urteil dazu, dass es einen munteren „Führerscheintourismus“ innerhalb Deutschlands gebe. Man ziehe eben um, so Henningsen. Das Handyverbot erstrecke sich nicht auf das Aufnehmen des Telefons und auch nicht auf das Weiterreichen. Bei automatisch ausgestelltem Motor an der Ampel (Start-/Stopp-Funktion) könne sogar telefoniert werden.

Immer wieder problematisch seien Unfälle auf Parkplätzen. Bislang sei es so, sagte der Rechtsanwalt, dass man sich die Kosten bei solchen Unfällen teile. Das Oberlandesgericht Saarbrücken habe nun geurteilt, dass auch auf Parkplätzen eine Alleinhaftung möglich ist. So haftet der ausschließlich, der rückwärts aus einer Parklücke fährt, wenn der Unfallgegener mindestens eine halbe Autolänge Abstand gehalten hat und nicht mehr als mit Schrittgeschwindigkeit (vier bis sechs Stundenkilometer) gefahren ist.

Die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland habe, so Henningsen, wieder leicht zugenommen. Insgesamt seien 2014 (diese Zahlen liegen inzwischen vor) 1593 Menschen im Straßenverkehr gestorben, 22 mehr als 2013. Auch Amüsantes hatte Henningsen mitzuteilen. So habe man in Japan inzwischen festgestellt, dass LED-Ampeln nicht wintertauglich sind. Bei tiefen Temperaturen schmilzt der Schnee nicht weg. Im Gegensatz zur Glühlampe gäben LED-Lampen kaum Wärme ab. Insofern enteise man in Japan zur Winterzeit jetzt regelmäßig Ampeln. Gut möglich, dass sich diese Erkenntnis schon bald in Deutschland bestätige. Ferner erläuterte Henningsen, dass die Straße eine anerkannte Flirtbörse sei. Eine Studie habe ermittelt, dass 20 Prozent der deutschen Autofahrer einen Flirt riskieren, wenn sie mobil unterwegs sind. 25 Prozent dieser Frühlingsflirter seien Männer – Frauen seien (noch) zurückhaltender, sie kämen auf eine Flirtquote von 15 Prozent.

Sportleiter Hans-Jürgen Bauer erläuterte, dass Autos und Motorräder erheblich leiser werden müssten. Wer seinen Wagen zu spät zum TÜV bringe riskiere hohe Bußgelder und sogar einen Punkt. Den Termin der Hauptuntersuchung um vier Monate zu überziehen, führe zu einem Ordnungsgeld von 25 Euro. Bei einem Überziehungszzeitraum von acht Monaten werde man mit 60 Euro zur Kasse gebeten, die Verkehrssünderkartei werde zudem mit einem Punkt belastet. Bauer erinnerte daran, dass der Führerschein schon bei acht Punkten futsch sei. Zudem gelte ab diesem Jahr die Euro-4-Norm auch für neu zugelassene Motorräder. Außerdem müssten neue Bikes ab 125 Kubikzentimetern mit ABS ausgerüstet sein. Erfreulich sei es, dass 2016 24,6 Milliarden Euro aus der Bundeskasse in den Straßen- und Schienenausbau fließen würden. Davon berührt sei auch der Ausbau der digitalen Infrastruktur.

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