Bat-Night : Fledermäuse in Uetersen: Von fliegenden Säugern im Klosterpark

Den Exkursionsteilnehmern erzählte NABU-Führer Jürgen Prahl allerlei Wissenswertes über Fledermäuse. Fotos: Eschke
Den Exkursionsteilnehmern erzählte NABU-Führer Jürgen Prahl allerlei Wissenswertes über Fledermäuse. Fotos: Eschke

Fledermaus-Experte Jürgen Prahl vom Nabu gab auf einer Exkursion sein Wissen weiter.

shz.de von
28. August 2018, 12:00 Uhr

Uetersen | Rund 30 Interessierte haben sich unter der fachkundigen Leitung von Nabu-Naturführer Jürgen Prahl im Klosterpark auf Fledermaussuche begeben. Nach einer erklärenden Einführung in die Besonderheiten der Tierart ging es per Ultraschalldetektoren auf Spurenjagd.

Zur Illustration des Exkursionsobjekts hatte Jürgen Prahl vom Nabu-Ortsverein Elbmarschen eine Wäschespinne dabei, an die er Nahaufnahmen der kleinen Säugetiere hängte. Die Fotos stammen aus der Linse des Naturfotografen Dietmar Nill und zeigen Fledermäuse im Flug oder bei der Jagd von Nachtfaltern.

Im Klostergarten, so erfuhren die Teilnehmer der naturkundlichen Führung, sind bisher vier Fledermausarten aufgetaucht: Die Zwergfledermaus, die Breitflügelfledermaus und der Große Abendsegler wurden gesichtet, und durch die Genanalyse von Fledermauskot im Turm der Klosterkirche wurde zudem die Anwesenheit des „Braunen Langohren“ nachgewiesen.

An der Batnight in Uetersen nahmen viele Kinder teil.
Michaela Eschke
An der Batnight in Uetersen nahmen viele Kinder teil.
 

Fledermäuse orientieren sich während des Flugs mit Ultraschall. Durch ihr Maul stoßen sie Laute aus, die von Objekten als Reflexionen zurückgeworfen werden. Auf diese Weise verschaffen sie sich im Dunkeln ein Bild von ihrer Umgebung und können fliegen und jagen. Die Rufe können Menschen nicht wahrnehmen, denn sie haben eine für uns nicht hörbare Frequenz. „Dass Fledermäuse beim gemeinsamen Fliegen nicht zusammenstoßen, liegt daran, dass sie sehr viel mehr Bilder pro Zeiteinheit auswerten können als wir“, erklärte Prahl.

Zusammen mit den Flughunden sind sie die einzigen fliegenden Säugetiere der Welt. Entfernt genetisch verwandt sind sie mit dem Igel.

Es umgibt sie eine Aura des Fürchterlichen

Innerhalb von 50 Millionen Jahren hat sich ihre Art wenig verändert. „Es umgibt sie eine Aura des Fürchterlichen“, so Naturführer Prahl, „wohl weil sie heimlich leben, doch in Wirklichkeit sind sie überhaupt nicht gefährlich.“

Die hier lebenden Fledermausarten ernähren sich von Fluginsekten und Käfern. Davon futtern sie so viel, dass es täglich etwa der Hälfte ihres Körpergewichts entspricht. Allerdings wiegt die Zwergfledermaus auch nur drei bis fünf Gramm. Wie der ehrenamtliche Nabu-Mitarbeiter beobachten konnte, müssen die streng geschützten Fledermäuse das Fliegen und Jagen erst lernen: Das Alttier bringt es seinem einzigen Abkömmling pro Jahr selbst bei.

Das ein Dutzend teilnehmender Kinder, dessen Aufmerksamkeitsspanne im Laufe des Vortrags nachließ, unterhielt indes Prahls Nabu-Kollegin Alina Göritz. Beflissen bemühten sich die Kids, Weingummi-Fledermäuse in einem Fangspiel zu erhaschen. Den Eltern gab das Zeit, Fledermausexperte Prahl zu weiteren Einzelheiten zu befragen.

Entfernte Exemplare gehört

Mittels Ultraschalldetektoren, die die Ortungslaute der Fledermäuse in hörbaren Schall umwandeln, ging es den fliegenden Säugern dann auf die Spur. Die Hobby-Naturkundler positionierten sich dafür in der Nähe der Klosterkirche. „Am Tage heizt sich das Gemäuer auf, dadurch entsteht eine gewisse Thermik, die die Insekten anzieht“, so Prahl. Und wo viele nachtaktive Insekten schwirren, sind auch deren Jäger, die Fledermäuse, nicht weit.

An diesem Abend gelang es mit den hochempfindlichen Mikrofonen, die an Tablets oder Smartphones angeschlossen sind, jedoch nur, einige ganz entfernte Exemplare zu hören. Wenige Tiere konnten gesichtet werden.

„Das liegt am Temperatureinbruch“, sagte Nachtfalterexpertin Birgit Piepgrass, die ebenfalls an der Exkursion teilnahm, „je wärmer es ist, desto mehr Insekten sind unterwegs.“ Naturführer Prahl erläuterte: „Heute Nachmittag hat es noch geregnet, und die Fledermäuse, die ganz dünne Flughäute haben, können bei Regen nicht fliegen.“ Seine Bewertung der geringen Anzahl an Sichtungen: „Das ist Natur, das kann man nicht beeinflussen!“ Als Entschädigung spielte Piepgrass aufgezeichnete Aufnahmen der schwingend klingenden Fledermausrufe ab.

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