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kulturpreis : Fest mit Wortgewalt und Schlafmaske

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Wortgewaltiger Programmablauf wie noch nie zuvor bei einem Festakt zur Verleihung des Kreiskulturpreises, das bemerkte Kreispräsident Burkhard E. Tiemann und hatte damit ganz sicher Recht. Die wirklich vielen, aber eindrucksvollen Worte waren den Preisträgern Nikola Anne Mehlhorn und Arne Lösekann gewidmet.

shz.de von
erstellt am 08.Nov.2015 | 21:42 Uhr

Kreiskulturpreisträgerin Nikola Anne Mehlhorn ist Schriftstellerin, eine, die mit inhaltsschwerer Schärfe jedes eingesetzte Wort bedenkt. Ihre Werke werden von der Kritik gelobt, brachten ihr die Nominierung für den renommierten Ingeborg-Bachmann-Preis und eine Aufnahme in den elitären Schriftsteller-Zirkel PEN ein, der für die besten deutschsprachigen Autoren spricht und zu aktuellen gesellschaftspolitischen Fragen Stellung nimmt.

Und jetzt der Kreiskulturpreis! Den nutzt sie, sagt mit scharfen Satzfragmenten etwas zu „hirn- und haarlosen Wesen, die braune Fäkalien über die Ideale Europas kleckern“. Genau da wolle sie laut werden, wo es um den Schutz der Menschen geht, die hier um Asyl bitten. Angst hat sie nicht, die „braune Brühe“ glasklar zu benennen, scharfkantig wie die Geschichten in ihren Büchern „Brachmond“, „Sternwerdungssage“ und „Salzflut“, die an der Westküste Schleswig-Holsteins mit seinen sperrigen Bewohnern agieren.

Alle drei Bände seien keine leichte Kost, beschrieb Laudator Peter Schmidt, Jurymitglied und Sprecher der Sparte Literatur und darstellende Kunst, die Werke der Heidgrabenerin, die zumeist mit einer Scheinharmonie beginnen und oftmals in einer Katastrophe enden. Schmidt strich in seiner Ansprache die Anstrengungen heraus, die eine kleine norddeutsche Region mit ihren begrenzten finanziellen Mitteln in Sachen Kultur unternimmt.

„Kultur bereichert unser Leben“, so Kreispräsident Burkhard E. Tiemann. Der Kreiskulturpreis diene auch dazu, weitere Bevölkerungskreise für die Kultur zu begeistern und dürfe daher auch zukünftig nicht zur Disposition stehen. Stefanie Fricke, Vorsitzende der Kulturpreisjury, machte ebenfalls deutlich, dass es in den Diskussionen um den Kreiskulturpreis vor allen Dingen um Wertvorstelllungen gehe, und gerade Werte nehmen in unserer Gesellschaft eine immer wichtiger werdende Stelle ein.

Der Wedeler Installations- und Performance-Künstler Arne Lösekann, der den Förderpreis des Kreises erhielt, wurde von einem alten (jungen) Drostei-Bekannten vorgestellt: Kurator Stefan Dupke hob heraus, dass es schwierig sei, Lösekann einem bestimmten Genre zuzuordnen. Lösekanns These: „Kunst, die keine Fragen stellt, ist langweilig“. Witzig und damit unterhaltsam ist Lösekanns Kunst allemal, die Gäste des Festaktes erlebten eine Performance, bei der Lösekann die binären Zahlen auf Schlafmasken vorlas, die sich die Gäste aufgesetzt hatten. War gar nicht so einfach in dem Festakts-Gewusel! Arne Lösekann will den Satz, der sich daraus ergeben soll, noch bekannt geben.

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