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Bildung : FES: Schulrat Janssen verwirft die Zweizügigkeit

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Das riecht nach Ärger. Konkret: Nach einem Konflikt zwischen der Stadt Uetersen und dem Schulamt des Kreises Pinneberg und damit auch mit dem Ministerium für Schule und Berufsbildung. Schulrat Dirk Janssen hat der Stadt mitgeteilt, dass er „unter den aktuellen Bedingungen“ eine Zweizügigkeit an der Friedrich-Ebert-Schule (FES) für nicht verantwortbar halte und daher beabsichtige, den Antrag des Schulträgers, der Stadt Uetersen, abzulehnen. Die Stadt hat nun bis zum 11. November Zeit, ihre Sicht der Dinge darzulegen, den Schulrat also zu überzeugen, dass seine ablehnenden Gründe nicht der Wirklichkeit entsprechen.

Janssen schreibt, dass ihm die beiden Grundschulleitungen angegeben hätten, dass zum Schuljahr 2016/17 insgesamt 174 Kinder für die Einschulung in den ersten Klassen vorgemeldet seien. Weitere Faktoren könnten den Bedarf nach oben schrauben. Aber alleine aus den vorliegenden Zahlen sei zu erkennen, dass sechs Lerngruppen (zwei an der FES und vier an der Birkenalleschule) nicht ausreichen würden. An der Birkenallee-Schule (BAS) müsste somit eine fünfte Lerngruppe entstehen. Janssen befürchtet zudem Klagen von Eltern, wenn sie ihr Kind nicht an der FES anmelden können. Und somit dort große Lerngruppen.

Die Entscheidung des Schulträgers berücksichtige auch keinesfalls die Perspektive gleichbleibend hoher oder sogar weiterhin steigender Flüchtlings- und Einwanderungszahlen für die Stadt. Im kommenden Jahr müsse Uetersen mit weiteren 390 Flüchtlingen rechnen, darunter seien nach Behördenschätzungen 20 bis 30 Prozent Kinder im schulpflichtigen Alter.

Daher müsse Uetersen 100 schulpflichtige Kinder versorgen, die Hälfte dieser Kinder würden im Grundschulalter sein. Eine Kapazitätsbegrenzung der FES auf zwei Züge führe zu einer Problemverlagerung ausschließlich zur BAS. Die BAS trage alle Lasten alleine. Eine kontinuierlich steigende soziale Spaltung zwischen beiden Uetersener Grundschulen sei zu erwarten. Die BAS werde zum sozialen Brennpunkt, an dem sich der Problemschwerpunkt Flucht und Migration balle. Der vermutlich höhere Ausländeranteil dort und die Kleinteiligkeit an der FES lasse die pädagogisch notwendige soziale Durchmischung beider Schulen unmöglich werden. Perspektivisch seien Wanderbewegungen aus Mittelschichtsfamilien in Richtung FES zu erwarten.>P> Gemischte Gefühle bei der Uetersener Politik: In Uetersen wurde die Absicht des Schulrates, gegen den Beschluss der Ratsversammlung zu handeln, mit gemischten Gefühlen aufgenommen. SPD und CDU ärgern sich über den Vorstoß von Janssen. Dieser habe immer zu erkennen gegeben, dass er das Votum des Schulträgers akzeptieren werde. Und nun schieße er aus der Hüfte. Janssen dazu: „Ich habe das damals auf Basis der Zahlen vom Sommer gesagt. Diese haben sich grundlegend geändert.“

Andreas Stief (CDU): „Für mich gilt das Votum der Ratsversammlung. Für mich ist die Mitteilung des Schulrats ein Witz. Warum wird die Ratsversammlung mit einer Verwaltungsvorlage behelligt, wenn der Schulrat den Beschluss kassieren kann? Wenn der Schulrat das beschließen kann, dann kann er auch die Kosten übernehmen.“ Im übrigen seien es viele Erwartungen, die Janssen formuliert habe. „Wir können aber nur auf Basis von Fakten entscheiden.

Heike Baumann (SPD) äußerte sich gestern ähnlich: „Ich finde das jetzt etwas schwierig. Der Schulrat hat uns immer gesagt, dass wir den Hut aufhaben. Und jetzt verwirft er alles.“ Auch die Sozialdemokratin spricht bei den im Raum stehenden Schülerzahlen von „Hypothesen“, die nicht belegbar seien. Sie befürchtet nun Stillstand. Denn: Der Schulrat sagt, dass an der Friedrich-Ebert-Schule Kapazitäten für eine Dreizügigkeit vorhanden sind.

Jens Ewald von den Grünen hält die angekündigte Entscheidung Janssens für nachvollziehbar. „Letztendlich ist es genau das, was ich im Bildungsausschuss gesagt habe: Wir werden etwas entscheiden, was nicht haltbar ist. Und genau so ist es gekommen. Ich fühle mich vom Schulrat in meiner Auffassung bestätigt. Wir Grünen haben Recht gehabt.“ Schade sei, dass man jetzt genau da stehe, wo „wir schon einmal gestanden haben. Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass die Schule groß genug ist für die Dreizügigkeit.“ Ewald empfiehlt SPD und CDU, ihre Beratungsresistenz über Bord zu werfen. Politisch könne man seinen Willen nicht immer durchsetzen. Nun sei der Zeitpunkt gekommen, an dem man seine Meinung ändern müsse.

Petra Jäger (BfB) triumphiert ebenfalls: „Wir, die BfB Fraktion, begrüßen die Ablehnung des Antrages der Stadt auf Kapazitätsbegrenzung an den Grundschulen in Uetersen. Wertvolle Zeit verstreicht, in der längst mit den Planungen des An-, beziehungsweise Neubaus hätte begonnen werden können und müssen. Alle Folgen, die der Schulrat angeführt hat, waren dem Bildungsausschuss bekannt.“ Die Flüchtlingssituation habe niemand wahr haben wollen, aber sie komme unweigerlich auf die Stadt zu. „Unfassbar, dass aller Argumente zum Trotz der Beschluss für eine Kapazitätsbegrenzung der FES gefasst wurde. Es muss jetzt eine schnelle Lösung her und wir vertreten nach wie vor die Meinung, dass der Erweiterungsbau an der FES die einzige Lösung ist, auch in Zukunft für eine stabile Schullandschaft unsere Kinder zu schaffen. Ausgaben für 2016/2017 müssen um ein oder zwei Jahre verschoben werden, damit die benötigten 400000 Euro bereit gestellt werden können.“

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erstellt am 02.Nov.2015 | 19:41 Uhr

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