Europamüdigkeit? Nicht am LMG

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Seine Begeisterung über die Ergebnisse bezüglich des „Mehrjährigen Finanzrahmens“ beim jüngsten EU-Gipfel hielt sich in Grenzen. Reimer Böge (CDU), Mitglied des Europäischen Parlaments, erklärte das auf Schülerfrage nüchtern. Der designierte CDU-Landesvorsitzende war während seines Besuches am LMG gefragt worden, wie er das Fazit des EU-Ratstreffens Anfang Februar beurteile.

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26. Februar 2013, 21:50 Uhr

Böge, selbst von 2007 bis 2009 Vorsitzender des Haushaltsausschusses im Europäischen Parlament, sagte ferner: „Der EU-Haushalt wird trotz zusätzlicher politischer und rechtlicher Verpflichtungen der Union gegenüber 2007 bis 2013 real um 3,4 Prozent gekürzt. Zwar sollen Zukunftspolitiken durch Umverteilungen auf Kosten der Agrarpolitik und der Strukturförderung gestärkt werden. Die Aufstockungen in der Forschung, bei Erasmus (Bildungsprogramm der EU für den Hochschulbereich, Anm. d. Red.), den Energie-, Transport- und digitalen Netzen sowie in der Außenpolitik sind aber viel zu gering, um unseren Zielen und Verpflichtungen gerecht zu werden.“

Darüber hinaus seien die überfällige Reform der Einnahmeseite vertagt und das unfaire und intransparente Beitragssystem durch zusätzliche Rabatte und Sonderregelungen für einzelne Mitgliedstaaten weiter verkompliziert worden. Die Kanzlerin hat doch diesen „Mehrjährigen Finanzrahmen“ erst kürzlich für Deutschland ausgehandelt? Diese Äußerung von Reimer Böge wird der Kanzlerin gewiss nicht gefallen“, dachte sich dabei vielleicht der eine oder andere Schüler in der gut gefüllten Aula des Ludwig-Meyn-Gymnasiums.

Die rund 120 Schüler aus dem 12. und 13. Jahrgang sind mit ihren im Unterricht vorbereiteten Fragen über das politische Geschehen in Europa zusammengekommen, um sich informieren zu lassen.

Europa, das sonst manchmal so weit weg, kompliziert und bürokratisch erscheinen mag, war für die Pennäler auf einmal ganz nah und vor allem ansprechbar. Ermöglicht hat das Treffen mit Reimer Böge der angehende Abiturient Daniel Kölbl. Der Schüler moderierte die Veranstaltung auch. Kölbl dazu: „In Zeiten, in denen wir öffentlich über Politikverdruss diskutieren und sich viele Bürgerinnen und Bürger fragen, was in Brüssel eigentlich vor sich geht, ist es umso wichtiger, den persönlichen Kontakt zu den Abgeordneten zu suchen. Sie sind von uns gewählt und entscheiden in Brüssel über uns. Und wir entscheiden bei der nächsten Wahl wieder über ihre politische Zukunft. Daher sollten wir uns darüber informieren, was sie denken und wie sie entscheiden.“ Auch Böge äußerte sich positiv gegenüber der Einladung. Schulbesuche gehörten zu seinen Lieblingsterminen. Schließlich seien Schüler oft besonders interessiert, erklärt er lächelnd vor dem Gespräch mit den Uetersener Gymnasiasten.

Und diese These sollte sich bewahrheiten. Nach einem kurzen Eingangsstatement über die aktuelle politische Lage in Europa war der Christdemokrat gefragt. Von einem möglichen EU-Beitritt der Türkei, über Finanzhilfen für Griechenland oder einem möglichen Demokratiedefizit in der EU bis hin zur Privatisierung des Wassers wurde diskutiert. Abschließend war noch einmal die Kreativität Böges gefragt. Er wurde von Daniel Kölbl gebeten, einige Satzanfänge zu vervollständigen.

Ein leichtes Schmunzeln kam in der Aula auf, als der CDU-Abgeordnete mit der Vorgabe konfrontiert wurde: „Ich mag an Peer Steinbrück... .“ Reimer Böge beendete den Satz mit: „seine Forderung nach mehr Beinfreiheit.“

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