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RÜckblick : Es war kalt und zugig, aber fantastisch

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Es begann mit einem Aufruf in den Uetersener Nachrichten. „Wer macht mit bei Laienspielgruppe in Uetersen?“ Unter dieser Frage stellte Chefredakteur Ekkehard Dittloff im April 1989 das Projekt seiner Redakteurin Sigrid Junge und seines Volontärs Kuno Klein vor.

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erstellt am 29.Aug.2014 | 21:33 Uhr

„Noch gibt es das Uetersener Theater nicht, aber immer wieder wird die Frage gestellt, warum eigentlich nicht. Sigrid Junge gehört dazu, 28 Jahre jung, hübsch und besessen von der Idee, in der Kl. Stadthalle auf den Brettern zu stehen, die die Welt bedeuten“, führte Dittloff aus und lud zu einer ersten Zusammenkunft in das Haus Ueterst End ein. Er wollte sogar das Kino „Schauburg“ im Klosterviertel als Theater beleben. Der Plan scheiterte zwar, doch der Traum seiner Redakteurin wurde wahr.

„Die Uetersener Hagebuttenbühne ist aus den Uetersener Nachrichten geboren“, sagte Ralf-Rodehau-Reichel gestern. Er arbeitete damals als freier Mitarbeiter für die UeNa und den Uetersener Anzeiger, der inzwischen UeNa-tip heißt. Als gelernter Bankkaufmann half er den kreativen Köpfen bei der Organisation im Hintergrund. Die Jubiläumsfeier heute von 13 bis 18 Uhr am Museum Langes Tannen will er nicht verpassen.

Der Idealismus war 1989 groß. Sigrid Junge wollte gern die „Liza“ in Bernhard Shaws „Pygmalion“, besser bekannt als das Musical „My fair lady“, spielen. „Doch den meisten Mitspielern erschien das Stück für den Anfang zu schwierig“, erinnert sich Rodehau-Reichel in seiner Theater-Chronik.

Mit der Idee, stattdessen ein Weihnachtsmärchen aufzuführen, trafen die Hagebutten ins Schwarze. „Im Banne eines fantastischen Rumpelstilzchen“ titelte UeNa-Mitarbeiterin Ute Puls nach einer Aufführung des ersten Stückes vor rund 300 Zuschauern in Haseldorf im Gasthof Freudenthal. Der heutige Intendant Oliver Rühmkorf habe die Hauptrolle „fantastisch“ gespielt, schrieb Puls. „Waren die jüngsten Zuschauer für den mit Blitz und Donner auf die Bühne springenden garstigen Wicht vielleicht doch noch etwas zu jung, sie suchten weinend Schutz bei Mami oder Papi, so hatten die Fünf- oder Sechsjährigen an dem missgünstigen Kerl und seiner Niederlage ihre Freude“, war in dem Bericht zu lesen.

In Uetersen trat die Truppe in dem Gasthaus „Zur Erholung“ bei Ratjen auf. „Bei den Proben war es dort höllisch kalt“, erinnerte sich Oliver Rühmkorf im Gespräch mit den UeNa. Doch die Aufführungen wurden zum großen Erfolg.

Das damals noch schlichte Bühnenbild erlaubte der Gruppe, sogar Gastspiele in Hamburg zu geben. „Im Hintergrund hingen nur angemalte Stoffe. Das war völlig ausreichend, denn Kinder sehen es mit anderen Augen“, berichtete der 46-Jährige.

Die Plakate malte Maeve Reichel, Ehefrau von Ralf Rodehau-Reichel, von Hand. Die Kostüme nähte schon damals ihre Mutter Lieselotte „Lotti“ Reichel. Bis heute gibt sie sich dieser Aufgabe liebvoll hin.

80 Jahre alt ist sie inzwischen und immer noch dabei. Doch wie sollte die Truppe heißen? Diese Frage stellte sich, als die jungen Laiendarsteller im Oktober 1989 einen Verein gründeten. Rodehau-Reichel erinnert sich in seiner Chronik: „Was passt zur Rosenstadt Uetersen? Rosenbühne? Nein danke, etwas Freches, Stechendes sollte es dennoch sein.“ Die englische Sprache brachte sie auf eine Idee: Das Wort „Rose“ taucht in dem Begriff „Dog rose“ auf, der die Hagebutte bezeichnet. „Hagebuttenbühne klingt doch irgendwie klasse“, lautete die einhellige Meinung.

Sigrid Junge wurde Vorsitzende, Ralf Rodehau-Reichel Geschäftsführer, Kuno Klein Kassenprüfer. 20 Mitglieder zählten die Hagebutten damals bereits.

Haupteinnahmequelle waren die Eintritte der Aufführungen. UeNa-Verleger Lebrecht von Ziehlberg hatte zwar die Plakate der ersten Aufführungen mit 500 Mark finanziert. Ansonsten schlug sich die Truppe aber weitgehend ohne Sponsoring durch. Das erste Lager für ihre Requisiten war ein ehemaliger Kälberstall in Groß Nordende. 1993 zogen sie nach Moorrege in das Glinder Freibad um, wo sie ihre Schätze in einem kleinen Raum im Umkleidetrakt unterstellten. Marnie Rühmkorf, seit zehn Jahren Vorsitzende der Hagebutten und Ehefrau von Oliver Rühmkorf, erinnerte sich: „Wir haben auf den überdachten Gängen im Herbst Bühnenbilder gebaut. Das war ganz schön zugig“, so die 33-Jährige. Fließendes Wasser habe es nicht gegeben.

Nach einem Brand in dem Gebäude fanden sie Unterschlupf in einem ehemaligen Hühnerstall in Heidgraben. 2009 schlugen sie ihr Lager in einer Halle in Uetersen auf. 65 Stücke hat die Hagebuttenbühne während der vergangenen 25 Jahre aufgeführt, die meisten selbst geschrieben. Zu den Weihnachtsmärchen kam ab 1990 politisches Kabarett. „Es ist ein Stück Familie“, sagt Marnie Rühmkorf, die ihren Mann Oliver beim Theaterspielen kennenlernte. Der schwärmt: „Es ist faszinierend, eine Rolle zu spielen, eine Maske aufzusetzen. Man kann das Publikum greifen, man kann es zum Lachen bringen, zum Weinen. Das ist ein sehr befriedigendes Gefühl.“

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