Es sind 60 Sitze zu besetzen

Es ist zwar ein Eingriff in die Vertragsfreiheit, jene Zwangsmitgliedschaft, der sich kein Dienstleister, kein Ladengeschäft und kein Industriebetrieb entziehen kann. Es hat für die Mitglieder aber auch Vorteile, dass sich die Industrie- und Handelskammer nicht verbiegen muss, um Neumitglieder zu generieren, vorhandene Mitglieder milde zu stimmen oder zum Bleiben zu überreden. Sie kann schlicht mit einem natürlichen Selbstbewusstsein auftreten und hat kein Interesse daran, größere Betriebe anders zu behandeln, als kleinere. Insofern ist der Eingriff in das eingangs erwähnte Recht bei näherem Hinsehen durchaus gut für alle. Dass die IHK zu Kiel nun eine neue Vollversammlung wählt, interessiert aber dann kaum noch jemanden. An einer Wahlbeteiligung um zehn Prozent lässt sich ablesen, dass Post von der IHK, die zur Wahl aufruft, meist stiefmütterlich behandelt wird.

shz.de von
08. November 2013, 21:57 Uhr

Dennoch lässt man sich in Kiel nicht entmutigen und stellt im Internet und in Broschüren die 126 Kandidaten vor. Neben Kiel kommt der Löwenanteil aus dem Kreis Pinneberg: 27 der Bewerber stammen von hier. Und IHK-Hauptgeschäftsführer Jörn Biel freute sich zwar nicht unbedingt über die magere Wahlbeteiligung, aber jedenfalls über die 126 Unternehmer, die bereit sind, sich in der Vollversammlung ehrenamtlich für den Wirtschaftsstandort einzusetzen. „Die wirtschaftliche Selbstverwaltung lebt vom Mitmachen“, so Biel während seines Besuchs bei den UeNa. Gastgeber war Chefredakteur Roland von Ziehlberg, der sich zu einem Meinungsaustausch mit seinen drei Gästen in den Redaktionsräumen der Uetersener Nachrichten getroffen hatte. Großes Thema war natürlich die anstehende Wahl. „Gemeinsam mit unserem Parlament der Wirtschaft wollen wir auch in Zukunft in der Vollversammlung die grundsätzliche Ausrichtung und die Leitlinien für die vielfältigen Projekte im Bereich Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsförderung entwickeln“, so der promovierte Volkswirt. Dass die Positionen der IHK dabei nicht immer bequem sind, ist für Biel eine Frage der Ehre: „Unsere Positionen sind aber immer daran ausgerichtet, was für den Wirtschaftsstandort am besten ist und Schleswig-Holstein nach unserer Überzeugung insgesamt nach vorne bringt.“ Politikberatung, so Biel, sei nun mal die vornehmste Aufgabe der IHK. Und dies tue man mal gefragt und mal ungefragt. Aber „immer gerne“. „Wie stark die jeweilige Region in der Vollversammlung vertreten sein wird, entscheiden unsere Mitglieder“, so Biel weiter. Die Gestaltung der Wahlbezirke mache deutlich, dass alle Unternehmen des IHK-Bezirks in die Arbeit der Kammer einbezogen werde. In der Zeit vom 25. November 2013 bis zum 13. Januar 2014 sind die rund 60000 Mitgliedsunternehmen aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Biel appelliert: „Nutzen sie ihr Wahlrecht, verleihen sie ihrer IHK eine starke Stimme, gestalten sie die Wirtschaftspolitik ihres Landes mit“, so Biel. Einig war man sich nach dem Gespräch, dass das Prinzip der IHK eines auf Gegenseitigkeit ist, bei dem die Großen die Kleinen mittragen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert