Neuer pädagogischer Ansatz an der Geschwister-Scholl-Schule : Es ist normal, verschieden zu sein

Die „Inklusive Pädagogik“ geht davon aus, dass es normal ist, verschieden zu sein. Heterogenität ist natürlichen Ursprungs. Davon wird auch das Recht auf einen gemeinsamen Unterricht in der Regelschule abgeleitet. Und zwar von der Klassenstufe eins an.

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19. November 2013, 21:49 Uhr

„Es ist normal, verschieden zu sein“, verweist auch auf die „UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen“.

Auch in Schleswig-Holstein hat der Begriff der Inklusion (in Opposition zur Diversität) Einzug gehalten und ist Teil der Pädagogik an Schulen des Landes geworden. Davon wird auch die Struktur vor Ort berührt. Die klassische Sonderschule gibt es schon lange nicht mehr. Unabhängig vom Gedenken der Inklusion wurde diese Schulform zunächst in „Förderschule“ „und später in „Förderzentrum“ umbenannt. Damals war es aber auch in Uetersen die Regel, dass Kinder mit entsprechender Diagnose mit der Schulreife der Geschwister-Scholl-Schule „zugeführt“ wurden.

Mit der Inklusion ist diese Zeit vorbei. Jetzt gilt: Grundsätzlich jedes Kind wird, wenn es sechs Jahre alt geworden ist, in die „normale“ Grundschule eingeschult. Die Beschulung am Förderzentrum an der Birkenallee erfolgt frühestens von Klassenstufe drei an. Und auch dann wird zunächst an einem individuellen Integrationskonzept gefeilt. Die Förderung einzelner Kinder mit entsprechend diagnostiziertem Bedarf erfolgt also grundsätzlich im Klassenverband. Eine Beschulung am Förderzentrum ist somit inzwischen die Ausnahme.

200 Kinder werden derzeit von Pädagogen der Geschwister-Scholl-Schule betreut, lediglich 60 davon „stationär“. Das heißt: Die meiste Zeit verbringen die Pädagogen des Förderzentrums in den verschiedenen Regelschulen. Auch in der Sekundarstufe I. Leitgedanken von Schulleiterin (kommissarisch) Bettina Michaelsen und ihres Teams sind dabei - die Förderung der Schüler in ihrer sozial-emotionalen Entwicklung - die vertrauliche und kooperative Beratung der Lehrkräfte an den Regelschulen - die Erarbeitung von Konfliktlösungen mit allen Beteiligten Ziel dabei ist es, in einem gemeinsamen Prozess, in dem alle Beteiligten ihren Teil der Verantwortlichkeit tragen, Lösungswege zu erarbeiten. Dieser gedankliche Ansatz setzt ein altruistisches Denken bei allen Involvierten (auch den Schülern!) voraus. Ein solcher Prozess kann demnach nur gelingen, wenn die Beteiligten am Prozess eine durch Rücksicht auf andere gekennzeichnete Denk- und Handlungsweise erkennen lassen. Fundamentale Bedeutung erlangt dabei das „harmonische Team“.

Die Pädagogen an der Geschwister-Scholl-Schule kooperieren mit der Schulsozialarbeit vor Ort und außerschulischen Partnern (Fachdienst Jugend, schulische Präventionsanbieter). Die passgenauen Angebote des Förderzentrums Geschwister-Scholl-Schule, die auch für die Stadt Tornesch zuständig ist, umfassen die Unterstützung und Förderung einzelner Kinder in der ersten und zweiten Klassenstufe der Grundschule (präventiver, kein sonderpädagogischer, Förderansatz), Sprachintensivmaßnahmen, lernprozessbegleitende Diagnostik (Anfertigung sonderpädagogischer Gutachten), integrative Betreuung in den Klassenstufen drei bis neun, Beschulung am Förderzentrum in den Klassenstufen drei bis neun, schulische Erziehungshilfe (Beratung von Lehrkräften bis zum Gymnasium), das Schultraining (bei festgestelltem Förderbedarf in der sozial-emotionalen Entwicklung) und die Beratung sowie Unterstützung im Bereich des Autismus. Zuständig ist das Team der Geschwister-Scholl-Schule für die Uetersener, Tornescher, Heidgrabener, Heistmer und Moorreger Grundschulen, für die Rosenstadtschule, die Klaus-Groth-Schule Tornesch, die Regionalschule Moorrege und das Ludwig-Meyn-Gymnasium. Um die Chancen der Kinder und Jugendlichen weiter zu verbessern, kooperiert die Schule in einer Art Netzwerk mit verschiedenen pädagogischen Einrichtungen (Schulen, Kindergärten, Psychiatern, Psychologen, Trägern außerschulischer Jugendbildung) sowie mit Vereinen und Verbänden. Leitgedanke dabei ist das afrikanische Sprichwort: „Für die Erziehung eines Kindes braucht es ein ganzes Dorf.“ Ergänzend könnte man hinzufügen: . . . das sich einig ist über den Weg der Erziehung.

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